Eric Sax / Kenyatta University
Collage of photos showing academic collaboration and meetings at Kenyatta University School of Education.

Vorlesung in Kenia: Wie KIT-Doktoranden Informationstechnik vermitteln

Eine Vorlesung halten ist für Nikola Lukezic und Moritz Zink eigentlich nichts Besonderes – wären die Studierenden nicht Tausende von Kilometern entfernt in Kenia. Für die mündlichen Prüfungen und den Besuch mehrerer Bildungseinrichtungen waren die beiden Doktoranden anschließend mit ihrem Professor Eric Sax vor Ort. In clicKIT berichten sie über ihre Erfahrungen in einem ungewöhnlichen Projekt.  

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Die Teilnahme ist freiwillig und anonym.

Wie es dazu kam, dass sich Nikola und Moritz im Projekt in Kenia engagierten? Ausschlaggebend war der private Kontakt von Eric Sax zu Konstantin Kölmel, dem Gründer der Liberating Education Organization (LEO). Ziel von LEO ist es, ein weltweites Netzwerk kostenloser universitärer Bildungszentren zu schaffen, um speziell unterprivilegierten Menschen vor Ort die Chance auf hochwertige Bildung zu geben – durch Remote-Vorlesungen, Live-Sessions und lokale pädagogische Unterstützung.

„Professor Sax hat uns direkt angesprochen, ob wir Lust hätten, auf freiwilliger Basis mitzuarbeiten“, sagt Nikola. „Also haben wir eine virtuelle Vorlesung zum Thema ‚Information Technology & Machine Learning‘ für interessierte Studierende aus fünf Learning Centern in Kenia erstellt und gehalten“, erläutert er, „und vor Ort konnten die Studis in dort aufgebauten Poolräumen an der Vorlesung teilnehmen und Rückfragen stellen.“ Insgesamt haben sie zehn Veranstaltungstermine angeboten, bei denen jeweils etwa 30 Teilnehmende zugehört haben.

Vorlesung virtuell – mündliche Prüfung vor Ort

„Am KIT läuft die Bachelor-Vorlesung ‚Informationstechnik‘ im vierten Semester. Die haben wir entsprechend angepasst und mit praktischen Themen versehen, die die spezifischen Bedürfnisse der Region in Kenia berücksichtigen“, ergänzt Sax. „Hier am Institut für Technik der Informationsverarbeitung sind wir seit COVID an das Format einer Remote-Vorlesung gewöhnt.“

Im Anschluss an die Vorlesung ging es für die beiden Doktoranden und ihren Prof nach Kenia, um in Nairobi in den Poolräumen die mündliche Prüfung abzunehmen und Teilnahmebestätigungen zu vergeben. „Die Menschen haben uns sehr freundlich empfangen und sind sehr gastfreundlich, kommunikativ und offen“, beschreibt Moritz seine Eindrücke, „vor Ort sieht man riesige soziale Unterschiede, moderne Hochhäuser und einfache Wohnviertel bilden einen großen Kontrast.“

Motivierender Austausch und kulturelle Unterschiede

Insgesamt besuchte die KIT-Delegation in Kenia fünf Universitäten und Bildungseinrichtungen, um bestehende Beziehungen zu stärken, Hemmschwellen zu senken und neue wissenschaftliche Partnerschaften aufzubauen. „Wir haben über lebenslanges Lernen, digitale Lehre und neue Formen der Zusammenarbeit diskutiert“, berichten Nikola und Moritz, „der Austausch dazu war sehr motivierend.“

„Die Fragekultur kenianischer Studierender ist eine andere als hier. Fragen stellen zu dürfen, ist für die Teilnehmenden schwierig, zu groß sind die Hemmungen vor einem Professor aus Europa. Da gibt es für uns noch viel zu lernen“, stellt Sax fest. Die Vor-Ort-Qualifikation der Studierenden ist das Hauptziel des Projekts, um den Menschen in Kenia eine Zukunft zu geben, führt er aus. Die Veranstaltung soll Grundlagen in Informationstechnologie, Künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Softwareentwicklung vermitteln und den Studierenden einen praxisnahen Einstieg in zukunftsrelevante Themen bieten, damit sie sich vor Ort Existenzen aufbauen können.

Austausch erweitert den eigenen Horizont

Nach den abgenommenen Prüfungen ist Nikola und Moritz bewusst geworden, dass sie die Vorlesung, die sie erneut anbieten wollen, noch besser an den Bildungsstand der Teilnehmenden anpassen müssen. Außerdem wollen sie einen größeren Wert auf den persönlichen Austausch legen, um die Hemmschwelle bei den Studis in Kenia zu senken und besser in den Dialog mit ihnen zu kommen.

Was sie interessierten Studierenden am KIT mitgeben möchten? „Engagieren lohnt sich in jedem Fall, denn der kulturelle Austausch erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern schärft auch das Verständnis für andere Perspektiven“, betont Nikola und ergänzt: „Man entwickelt Offenheit, interkulturelle Kompetenzen und neue Denkweisen, die im späteren Berufsleben von großem Wert sind.“

Sabine Fodi, 16.07.2026

Nikola Lukezic (l.) und Moritz Zink (r.) und Eric Sax (mitte) posieren für ein Selfie. Eric Sax
Die beiden Doktoranden Nikola Lukezic (l.) und Moritz Zink (r.) reisten mit Eric Sax nach Kenia, um vor Ort die mündliche Prüfung abzuhalten.
Konstantin Kölmel (LEO-Gründer, 2. v. l.), Eric Sax (Mitte), Moritz Zink (2. v. r.) und Nikola Lukezic (r.)  posieren vor dem Eingang für ein Bild. Kenyatta University
Ziel von LEO ist ein globales Netzwerk kostenloser universitärer Bildungseinrichtungen: Konstantin Kölmel (LEO-Gründer, 2. v. l.), Eric Sax (Mitte), Moritz Zink (2. v. r.) und Nikola Lukezic (r.) mit Angehörigen der Kenyatta University.
Eric Sax (2. v. l.) und Nikola Lukezic (r.) sitzen mit Prüflingen an einem Tisch. Kenyatta University
In einem Poolraum nehmen Eric Sax (2. v. l.) und Nikola Lukezic (r.) eine Prüfung ab.