Von Karlsruhe nach Rom: Ein Erasmus-Semester auf zwei Rädern
Ein Semester im Ausland, neue Freundschaften und Erfahrungen fürs Leben: Das Erasmus-Programm ermöglicht jedes Jahr Hunderten KIT-Studierenden den Schritt über die Landesgrenzen hinaus. Einer von ihnen ist Architekturstudent Luis Schuster. Für sein Erasmus-Semester in Rom reiste er mit dem Fahrrad an und berichtet nun als Erasmus-Botschafter des KIT in der #OneInOneMillion-Aktion über seine Erlebnisse.
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Die Teilnahme ist freiwillig und anonym.
In diesem Jahr überschreitet die Zahl der Erasmus-Teilnehmenden aus Deutschland die Eine-Million-Marke. Anlässlich dieses Meilensteins, den die Nationale Agentur für Erasmus+ Hochschulzusammenarbeit mit der Aktion #OneInOneMillion feiert, gibt es an jeder der teilnehmenden Hochschulen Studierende, die zu Erasmus-Botschafterinnen und -Botschaftern ernannt werden. Das Jubiläum zeigt, wie erfolgreich das europäische Austauschprogramm seit seiner Einführung im Jahr 1987 geworden ist.
Auch am KIT erfreut sich Erasmus wachsender Beliebtheit: Für das Studienjahr 2026/27 sind rund 680 Teilnehmende zu erwarten. Vor zehn Jahren waren es noch etwa 350. Besonders gefragt sind derzeit Hochschulen in Spanien und Nordeuropa. Gleichzeitig entdecken viele Studierende Italien und Frankreich neu für sich. Dabei muss es nicht immer die große Metropole sein. Auch kleinere Universitätsstädte wie Kaunas in Litauen oder Jyväskylä in Finnland bieten spannende Studienmöglichkeiten.
Informationen zu Partnerhochschulen, Bewerbungsfristen und Fördermöglichkeiten gibt es beim International Students Office (IStO) des KIT. Viele Studierende erfahren über Informationsveranstaltungen ihrer Fakultät erstmals von den Möglichkeiten eines Auslandsaufenthalts.
Warum Luis nach Rom wollte
Für Luis Schuster, der Erasmus-Botschafter am KIT ist, stand früh fest, dass er ein Auslandssemester machen möchte. Der 25-Jährige studiert Architektur am KIT. Nach seiner Bachelorarbeit zog es ihn für ein Semester nach Rom. „Meine Mutter kommt aus Italien, deshalb war mir das Land nie fremd“, erzählt er. „Aber dort wirklich zu leben und den Alltag kennenzulernen, ist etwas anderes als Urlaub.“
Neben seinen familiären Wurzeln reizte ihn die Möglichkeit, tiefer in eine andere Kultur einzutauchen. Gerade heute hält er internationale Erfahrungen für besonders wertvoll: „Wir erleben viele Krisen und Konflikte. Da finde ich es wichtig, andere Menschen, Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen. Das hilft dabei, die Welt besser zu verstehen.“
1 121 Kilometer bis zum Studienort
Sein Erasmus-Abenteuer begann bereits vor Semesterstart. Statt direkt nach Rom zu reisen, machte sich Luis mit dem Fahrrad auf den Weg. Von Basel führte ihn seine Route über den Gotthardpass, durch Norditalien und die Toskana bis in die italienische Hauptstadt. Insgesamt legte er in elf Tagen 1 121 Kilometer zurück.
Die Reise wurde mehr als nur eine Anfahrt zum Studienort. In Grosseto an der toskanischen Küste sah er nach langen Bergetappen zum ersten Mal auf seiner Tour das Meer, ging schwimmen und sammelte neue Energie für die letzten Kilometer nach Rom. „Mittlerweile habe ich bestimmt jede Emotion – und noch einige, die ich vorher gar nicht kannte – erlebt und überstanden“, erzählt er. Die vielen Stunden auf dem Fahrrad hätten ihm die Möglichkeit gegeben, zur Ruhe zu kommen. „Dadurch, dass man den ganzen Tag draußen verbringt und ununterbrochen auf dem Rad sitzt, denkt man viel nach. Es ist eine Art Meditation und man lernt, mit sich selbst zu sein.“ Die Tour passte perfekt zur Idee des Erasmus-Programms: Europa nicht nur kennenzulernen, sondern es bewusst zu erleben.
Mehr als nur ein Semester im Ausland
In Rom angekommen, musste sich Luis zunächst an die Größe der Stadt gewöhnen. Besonders beeindruckte ihn bald die italienische Lebensart. „Das Leben wirkt entspannter. Man trifft sich morgens auf einen Kaffee und nachmittags mit Freunden zum Aperitivo. Vieles spielt sich draußen ab.“ Auch die Stadt selbst lernte er intensiv kennen. „Auch mit dem Fahrrad kann man die Stadt besichtigen. Eine Fahrradstraße entlang des Tibers bringt einen in kürzester Zeit quer durch die Stadt.“
Über Erasmus-Angebote und Freizeitaktivitäten fand Luis schnell Anschluss und lernte Menschen aus vielen Ländern kennen. Rückblickend sind es vor allem die persönlichen Erfahrungen, die ihm in Erinnerung geblieben sind. „Grundsätzlich lernte ich mich in dieser Zeit ein gutes Stück besser kennen – was ich will, wie ich mich glücklich fühle und welche Art von Menschen zu mir passen“, sagt Luis. Für ihn ist das die wichtigste Erkenntnis seines Erasmus-Semesters: Internationale Erfahrungen erweitern nicht nur den Horizont, sondern helfen auch dabei, den eigenen Weg klarer zu sehen.
Tipps für dein Erasmus
Wer ein Erasmus-Semester plant, sollte sich frühzeitig informieren, rät Luis. Die Informationsveranstaltungen der Fakultäten und die Beratungsangebote des Teams Mobilitätsprogramme am KIT helfen dabei, den Überblick zu behalten. „Am Anfang wirken die vielen Unterlagen und Fristen manchmal überwältigend“, sagt er. „Aber der Prozess ist gut organisiert und man wird Schritt für Schritt begleitet.“
Sein wichtigster Tipp: Sprich mit Studierenden, die bereits an deinem Wunschort waren. Sie können wertvolle Hinweise zur Wohnungssuche, zum Studium und zum Leben vor Ort geben. Und noch etwas empfiehlt er allen Interessierten: „Nutze die Angebote vor Ort. Erasmus besteht nicht nur aus Vorlesungen. Die Begegnungen mit Menschen aus ganz Europa machen die Zeit besonders.“
Erasmus verbindet das ganze KIT
Das Erasmus-Programm fördert nicht nur Studienaufenthalte, sondern auch Praktika, internationale Kurzprogramme und Aufenthalte von Beschäftigten. Besonders aktiv ist unter anderem die KIT-Fakultät für Architektur, die neben dem klassischen Studierendenaustausch auch internationale Lehrprojekte organisiert. Dazu gehören sogenannte Blended Intensive Programmes, bei denen Studierende und Lehrende aus mehreren europäischen Ländern gemeinsam an Projekten arbeiten.
Auch nachhaltiges Reisen spielt eine immer größere Rolle. Mit der #greenchallenge motiviert das KIT Studierende seit 2022, möglichst klimafreundlich zu ihrem Studienort zu reisen und ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Luis Schuster ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel.
Wer selbst ein Auslandssemester plant, findet beim IStO Unterstützung bei der Bewerbung und der Suche nach einer passenden Partnerhochschule. Vielleicht beginnt dort schon bald das nächste Erasmus-Abenteuer – auf zwei Rädern oder auf ganz anderem Weg.
Heike Marburger, 11.06.2026
Erasmus+ in Zahlen:
- Gesamtteilnehmende: über 17 Millionen Menschen seit 1987
- Entsendete Erasmus-Studierende aus deutschen Hochschulen seit 1987: 1.000.000
- Gesamtzahl der Geförderten 2025 (in Deutschland): 100.000
- Geförderte ins Ausland: 62.000
- Geförderte nach Deutschland: 38.000
- Anzahl beteiligter Hochschulen 2025: 337 Hochschulen mit über 400 Projektkoordinierenden
- Fördervolumen 2025: über 250 Mio. Euro