Vom KIT ans MIT: „Nicht warten, bis euch jemand einlädt“
Was verbindet Robotik, Künstliche Intelligenz und Batterieforschung? Für Noah Geiger und Konrad Dittrich lautet die Antwort: Neugier, Eigeninitiative und der Mut, internationale Wege zu gehen. Beide studierten am KIT, beide suchten gezielt den Blick über den Tellerrand, und beide landeten schließlich am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Nicht durch Zufall, sondern durch bewusste Entscheidungen.
Während Noah am KIT im Master Mechatronik und Informationstechnik mit Schwerpunkt Robotik und KI studierte, vertiefte sich Konrad in Elektrotechnik und Informationstechnik mit Fokus auf Energiespeichersysteme und Elektromobilität. Unterschiedliche Fachrichtungen, jedoch eine gemeinsame Motivation: Sie wollten verstehen, wie Technologie reale Probleme lösen kann.
Zwei Wege, ein Prinzip: Eigeninitiative
Noah analysierte internationale Robotiklabs, kontaktierte direkt Forschende am MIT und erhielt schließlich eine Einladung zu einem Forschungsaufenthalt. Konrad gelang der Weg über ein gewachsenes wissenschaftliches Netzwerk zwischen dem KIT und dem MIT. Über Professorin Ulrike Krewer am KIT und ihre langjährige Zusammenarbeit mit MIT-Professor Martin Bazant bekam er die Möglichkeit, seine Masterarbeit in Boston durchzuführen.
Beide konnten ihre Aufenthalte vollständig in das Masterstudium am KIT integrieren und direkt in ihren Abschlussarbeiten münden lassen. Die Betreuung erfolgte jeweils auf beiden Seiten des Atlantiks und ist ein Beispiel für gelungene internationale Zusammenarbeit.
Forschung zwischen Daten, Physik und Realität
Inhaltlich bewegten sich beide an ähnlichen Grenzen: Noah arbeitete an kontaktreicher Medizinrobotik und verband physikalische Modelle mit KI-Methoden. Konrad erforschte elektrochemische Prozesse in Batterien, indem er experimentelle Messmethoden mit physikalischer Modellierung kombinierte.
Was ihre Arbeiten verbindet, ist der Anspruch, KI nicht als Black Box zu nutzen, sondern als Werkzeug, das unser physikalisches Verständnis ergänzt. „Man merkt schnell, dass internationale Spitzenforschung dort entsteht, wo Theorie, Experiment und Mut zusammenkommen“, beschreibt Konrad.
Engagement außerhalb des Labors
Beide erlebten das KIT als exzellent strukturierte und theoretisch starke Hochschule. Am MIT hingegen beeindruckten sie vor allem die enge Betreuung, die flachen Hierarchien und der enorme internationale Austausch. Noah beschreibt es so: „Man arbeitet ständig mit Menschen, die in Weltmaßstäben denken und das färbt ab.“ Konrad ergänzt: „Am MIT wird nicht gefragt, ob eine Idee zu groß ist, sondern wie man sie umsetzt.“
Neben der Arbeit im Labor engagierten sich Noah und Konrad auch außerhalb der Fachwelt. Sie sehen technologische Innovation nicht losgelöst von gesellschaftlicher Verantwortung. Beide waren im Vorstand der Visiting Student Association (VISTA) aktiv und Noah initiierte bei Studopolis ein Politics Innovation Lab für politische Hackathons.
Internationale Forschung braucht Planung
Heute arbeitet Noah Geiger im Junior Managers Program bei Bosch im IT-Track mit Fokus auf KI und digitale Innovationen. Konrad Dittrich promoviert an der RWTH Aachen im Bereich KI-gestützter Batterieproduktion. Ihre Wege haben sich getrennt, ihre Haltung ist geblieben: international, neugierig, verantwortungsvoll.
Internationale Forschung ist kein Privileg für wenige. Sie erfordert Planung, beginnt aber vor allem mit einer ehrlichen Frage: Was treibt mich an? Für die organisatorische Vorbereitung reicht meist ein Vorlauf von etwa einem Jahr, die Finanzierung sollte spätestens sechs Monate vorher in Angriff genommen werden. Eine fachliche Vorarbeit, etwa durch eine Seminar- oder Hiwi-Tätigkeit, ist keine Voraussetzung, kann die Chancen aber erhöhen und sollte dann anderthalb bis zwei Jahre im Voraus angegangen werden. Absagen und ausbleibende Antworten gehören dazu, entscheidend ist, sich davon nicht entmutigen zu lassen.
Der wichtigste Schritt ist der Mut, diese Frage über Landesgrenzen hinweg zu verfolgen: „Nicht warten, bis jemand euch einlädt. Geht selbst los“, lautet das Fazit der beiden.
Sabine Fodi, 12.02.2026

