Magali Hauser, KIT
Two men are digging up the ground.

Muskelkater für den Moorschutz

Für 17 Studierende der Geographie und der Geoökologie fiel das Kartierpraktikum außergewöhnlich praxisnah aus. Fünf Tage lang haben sie mit Schaufeln, Schubkarren und Hacken im Naturschutzgebiet Rastatter Bruch Grabensperren zur Wiedervernässung des Niedermoors errichtet – ein aktiver Beitrag zum Artenschutz und zum natürlichen Klimaschutz.

Das Pilotprojekt ist eine Kooperation mit dem Interreg-Projekt „Feuchtgebiete“ in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe und dem Aueninstitut des KIT. Grundlage ist eine mehrjährige Studie unter Leitung von Dr. Christian Damm, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gruppe Fluss- und Auenökologie am Aueninstitut: „Um die Moore landwirtschaftlich nutzbar zu machen, hat man sie über Gräben entwässert. Bis heute läuft das Wasser Jahr für Jahr darüber ab. Sie dichtzumachen ist unser Hebel, um das Wasser in den Mooren zu halten.“ 

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Die Teilnahme ist freiwillig und anonym.

Bergwanderer mit Stöcken auf einem Waldpfad.
Mit Sägemehl präparierten die Studierenden den Boden.
Fünf Personen bei archäologischen Ausgrabungen.
Anschließend setzten sie Spundwände ein, um das Wasser und somit auch den Kohlenstoff im Moor zu halten.
Christian Damm zeigt mit dem Arm auf etwas.
Dr. Christian Damm vom Aueninstitut des KIT forscht bereits seit mehreren Jahren am Rastatter Bruch. Die Studierenden wies er vor Ort in ihre Aufgaben ein… 
Forscher sammeln Wasserproben im Wald.
… und packte selbst mit an.

 

Den Abbau des Moorbodens zu verlangsamen, ist für den Klimaschutz von großer Bedeutung. Denn in einem entwässerten Moor gelangt Sauerstoff in die natürlicherweise wassergesättigten Torfschichten und setzt durch bakteriellen Abbau den im Torf gespeicherten Kohlenstoff als Kohlendioxid in die Atmosphäre frei.

Handarbeit ohne schweres Gerät

Christian Damm führte die Studierenden in die Arbeitsabläufe ein und begleitete sie vor Ort. Weil man das empfindliche und geschützte Moor nicht mit Maschinen befahren kann, war gute alte Handarbeit gefragt: In vier Gruppen eingeteilt hieß es, Erde ausheben, Wurzeln herausziehen, 22 Kubikmeter Sägespäne mit der Schubkarre heranfahren und in den vererdeten Boden einarbeiten. An vier so aufbereiteten Stellen verbauten sie anschließend zugeschnittene Holzbretter als Spund- oder Bohlenwände.

Für Madeleine Düppuis, Masterstudentin der Geoökologie am KIT, war das Praktikum eine willkommene Chance, praktisch dabei zu sein: „Ich finde es cool, einfach mal mit anzupacken, etwas umzusetzen, von dem ich weiß, dass es langfristig eine positive Auswirkung auf die Umwelt hat.“ Julian Kern, Geographie-Student im Bachelor, motivierte vor allem, einen Naturraum nicht nur in der Vorlesung zu erkunden: „Auch wenn es körperlich anstrengend war, habe ich das Gefühl, dass danach etwas besser ist und das Moor dadurch wieder nasser wird.“

Pragmatisch sein und ins Handeln kommen

„Das Wasser fehlt nicht nur, weil wir den Klimawandel haben, sondern primär, weil wir es immer wegleiten“, erklärt Christian Damm. Der politische Wille, daran etwas zu ändern, sei vielfach vorhanden: „Die Überzeugungsarbeit wird immer leichter. Aber in der Praxis passiert noch zu wenig.“ Deshalb wünscht er sich mutige Leute in den Verwaltungen und schnellere Genehmigungsverfahren. Das Projekt sieht er als Signal, dass man etwas tun kann.

Den Wunsch zu handeln, teilen auch Studierende wie Madeleine: „Ich finde es sinnvoll, was zu wagen und anzufangen. Hier wird etwas neu ausprobiert und geschaut, wie die Auswirkungen danach sind.“

Im Rastatter Bruch beobachtet das nur einen Kilometer entfernte Aueninstitut genau, was nach dem Abdichten der Gräben passiert. Grundwassermessstellen zeigen, wie sich der Wasserstand entwickelt, ein weiteres Messgerät erfasst Temperatur und Bodenfeuchtigkeit. „Das ist eine wunderschöne Spielwiese für die Wissenschaft“, sagt Christian Damm.

Simone Heinrich, 22.10.2026

Madeleine Düppuis lehnt über einen Baumstamm und lächelt in die Kamera. Magali Hauser, KIT
Am praktischen Einsatz im Rastatter Bruch hat sich auch Masterstudentin Madeleine Düppuis beteiligt.