Gute Frage: Wie können wir KI besser verstehen?
Künstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile allgegenwärtig in der Text-, Bild- oder Videoverarbeitung. Doch so richtig nachvollziehen, wie die KI zu ihren Ergebnissen kommt, können wir oft nicht. Genau das ist aber entscheidend, wenn wir sie zuverlässig in kritischen Bereichen wie der Energieversorgung nutzen wollen. An einem besseren Verständnis für KI arbeitet Tenure-Track-Professor Benjamin Schäfer am KIT.
Herr Schäfer, wie können wir KI besser verstehen, um sie für die Energiewende nutzbar zu machen?
KI kann eine Schlüsselrolle für die Energiewende spielen, weil der Umbau des Energiesystems extrem komplex ist. Erneuerbare Energien führen zu Schwankungen in der Stromversorgung. Windkraft- und Photovoltaikanlagen können weit entfernt von Verbraucherinnen und Verbrauchern stehen oder direkt auf deren Dächern und Balkonen. Das bringt viele Parameter und riesige Datenmengen mit sich. KI und Maschinelles Lernen können dabei helfen, diese zu verarbeiten – allerdings müssen die Tools das auf verständliche Weise tun. Bisher ist jedoch oft unklar, warum eine KI etwas voraussagt.
Mein Team und ich möchten weg von dieser „Blackbox“. Wir schauen in den Motorraum der KI und wollen verstehen, welche Stellschraube wir drehen müssen, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Ein Algorithmus, der den Haushaltsverbrauch prognostiziert, sollte uns also angeben, ob und wie er die Photovoltaikeinspeisung, den Strompreis oder die Tageszeit einbezieht.
Um dies zu erreichen, erstellen wir vereinfachte Modelle. Dabei verhalten wir uns wie Aliens, die zum ersten Mal auf die Erde kommen und experimentieren. Sie werfen einen Stein ins Wasser und beobachten die Welle – wir ändern die Eingaben für das Modell und schauen, was dabei herauskommt. So reduzieren wir nach und nach ein komplexes Modell, das wir zuvor kaum verstanden haben. Auf diese Weise entwickeln wir beispielsweise transparente und vertrauenswürdige KI-Werkzeuge, die Netzbetreibende bei Entscheidungen zu Bau, Erweiterung und Betrieb von Netzen unterstützen können.
Zur Person
Benjamin Schäfer leitet seit 2022 die Helmholtz AI Young Investigator Group DRACOS, die sich mit der datengetriebenen Analyse komplexer Systeme befasst. Seit 2023 hat er eine Tenure-Track-Professur am KIT inne. Zuvor studierte er Physik in Magdeburg und promovierte in Göttingen. Während und nach der Promotion forschte er auch in Großbritannien, Japan und Norwegen.
Ihr habt auch eine „Gute Frage“ zu einem Forschungsthema? Dann schickt sie gerne an clicKIT-Magazin∂sts.kit.edu!
Benjamin Schäfer/Isabelle Hartmann, 15.01.2026
