Gute Frage: Wie gehen wir in der Forschung mit wachsenden Datenmengen und dem Energiebedarf von Rechenzentren um?
Forschende produzieren heute so viele Daten wie nie zuvor. Gleichzeitig steigt durch KI der Energiebedarf von Rechenzentren. Wie lässt sich beides verantwortungsvoll organisieren? Professor Achim Streit erklärt, warum gutes Datenmanagement und neue Konzepte für Rechenzentren zusammengehören.
Herr Streit, wie gehen wir mit den Unmengen an digitalen Daten um, die in immer mehr Forschungsdisziplinen entstehen?
Wir müssen uns schon zu Beginn überlegen, wie wir mit diesen Daten in Zukunft umgehen: Sind das Daten, mit denen wir andauernd arbeiten oder können sie zeitnah archiviert werden? Denn wenn wir Daten auf Magnetbändern sichern, anstatt sie auf Festplatten für die andauernde Nutzung zu speichern, brauchen diese auch erstmal praktisch keinen Strom. Es dauert nur ein bisschen länger, um dann wieder darauf zuzugreifen.
Außerdem braucht es ein besseres Verständnis von Datenmanagement. Man kann Daten zwar leicht speichern, braucht dann aber auch beschreibende Daten, um sie wiederzufinden. Ohne diese beschreibenden Daten ist das so, als ob man Umzugskartons nicht beschriftet – am Ende weiß man nicht mehr, wo genau was ist. Generell brauchen wir aber mehr Umzugskartons im Forschungsdatenmanagement – also mehr Daten-Speicherplatz und das kostet Geld.
Und wie gehen wir mit dem wachsenden Energiebedarf von Rechenzentren um?
KI hat einen sehr hohen Energiebedarf. Wir müssen uns daher fragen, wofür wir KI in unserem Alltag denn eigentlich verwenden sollten oder müssen. Denn auch wenn digitale Angebote kostenlos wirken, entstehen im Hintergrund immer Kosten, insbesondere Energiekosten. KI wird zwar auf effizienten Grafikprozessoren ausgeführt, die verbrauchen aber trotzdem ordentlich Strom.
Am KIT sehen wir Rechenzentren aber nicht nur als Stromverbraucher: Die elektrische Energie, die in ein Rechenzentrum fließt, wandelt sich in Wärmeenergie um. Wir forschen deshalb daran, wie wir diese Wärmeenergie nicht einfach ungenutzt an die Umwelt abgeben, sondern weiterverwenden können. Wir können damit im Winter Gebäude heizen – und tun das auch schon – oder arbeiten an neuen Konzepten, um ganzjährig Forschungsanlagen am KIT mit Wärmeenergie zu versorgen. Wenn Rechenzentren intelligent in ihre Umgebung integriert werden, kann in Zukunft viel CO₂ insgesamt eingespart werden.
Zur Person
Achim Streit hat an der TU Dortmund Informatik studiert und ist seit 2010 einer der Direktoren des Scientific Computing Centers (SCC) am KIT. Er ist außerdem Professor für verteilte und parallele Hochleistungssysteme an der KIT-Fakultät für Informatik, Vorstandsmitglied im Helmholtz-Programm „Engineering Digital Futures“ und Mitinitiator der Helmholtz-weiten Information & Data Science Akademie (HIDA).
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Elisa Rachel, 12.03.2026
