Marina Schreidl
Marco Demartino poses in front of the KIT Photopoint for a picture.

Wenn aus Frust ein sinnvolles Projekt wird

Anzeige kaputt? „Dann programmiere ich mir eben eine neue!“ Das dachte sich Marco Demartino, Informatikstudent am KIT. Der Anlass: Seit November 2025 fehlen an vielen Haltestellen in Karlsruhe die gewohnten digitalen Abfahrtsanzeigen des KVV. Statt sich darüber aufzuregen, entwickelte Marco kurzerhand eine eigene Website – und die funktioniert zuverlässig.

Damit er auf die nötigen Daten zugreifen konnte, stellte Marco zunächst einen Antrag beim KVV, um die elektronische Fahrplanauskunft nutzen zu dürfen. „Nach einem Nachmittag hatte ich schon einen Prototypen für die Website entwickelt“, erzählt er. Laut Marco war es am Anfang nur ein Experiment aus Spaß. „Meine Familie hat die Website dann aber direkt benutzt, also habe ich weiter daran gearbeitet und den Link schließlich auf Reddit gepostet.“ Dort ist der Post mit 26 000 Views in wenigen Tagen explodiert.

Aufwind und Gegenwind

Spätestens als SWR3 einen Artikel mit einem Instagram-Post über Marcos Geschichte veröffentlichte, war das Projekt kein Experiment mehr. Neben viel Zuspruch gab es allerdings auch Kritik. Einige kommentieren, die Seite sei unnötig – schließlich gebe es bereits Angebote des KVV und die verwendeten Daten seien ohnehin identisch. Andere kritisierten, die Website sei „super einfach“ zu programmieren. Das schaffe jede und jeder Informatikstudierende im ersten Semester.

Marco bleibt bei den Kommentaren gelassen. „Es ist mir leichtgefallen, die Website zu entwickeln – ich habe das ja freiwillig gemacht.“ Seiner Meinung nach hat seine Seite einen klaren Vorteil gegenüber den bestehenden Angeboten. „Meine Website grenzt die Suche auf Karlsruhe ein. Dadurch bekommen die Nutzenden direkt die Haltestellen hier angezeigt – anders als bei der KVV-Website oder der App.“ Sein Ziel war nie, etwas Komplexes zu bauen. „Ich wollte einfach alle Abfahrten einer Haltestelle auf einen Blick sehen und damit die Anzeigetafeln ersetzen.“

Neben Kritik hat der Informatikstudent auch viel konstruktives Feedback erhalten. Einige Vorschläge für Features möchte er direkt nach seiner Klausurenphase umsetzen.

Programmieren außerhalb des Hörsaals

Für Marco zeigt das Projekt auch etwas Grundsätzliches über das Informatikstudium: „Das Studium ist sehr theoretisch. Deswegen ist es wichtig, eigene kleine Projekte in der Freizeit auszuprobieren, Fehler zu machen und daraus zu lernen.“ Auf die Frage, was er anderen Studierenden empfehlen würde, sagt er, dass die besten Projekte oft aus Emotionen heraus entstehen. „Entweder aus Freude an einem Hobby, das du mit einem Programm unterstützen willst – oder aus Frust, weil dich etwas stört und du das Problem lösen möchtest“, sagt er und betont außerdem: „Ich mache am besten etwas, das mich selbst interessiert – nicht etwas, von dem andere sagen, es sei wichtig.“

Weniger Daten, mehr Abfahrtszeiten

Neben der Funktionalität war Marco auch ein anderer Punkt wichtig: Datenschutz. Die Website erfasst nur minimale Informationen wie die Anzahl und die Uhrzeit der Website-Besuche. „Mir selbst gefällt Tracking nicht. Deswegen speichert die Website keine IP-Adressen oder Ähnliches.“

Seine Website hat einiges nicht: Keine Werbung, kein Tracking, keine unnötigen Extras. Stattdessen zeigt sie genau das, worauf es ankommt: die Abfahrtszeiten. Die Website trägt übrigens einen Namen, der eher nach einem Informatik-Insiderwitz klingt: „fart.somethings.dev“. Der Name steht für „Finally A Reliable Timetable“ und genau das soll die Website auch sein: eine zuverlässige, minimalistische Übersicht der nächsten Abfahrten.

Marina Schreidl, 01.04.2026