„Man muss aktiv sein, dann erhält man auch Unterstützung“
Querschnittslähmung, Depression, Diabetes, Sehbehinderung – Studierende mit gesundheitlichen Einschränkungen sind auf passgenaue Beratung und Hilfestellung ganz besonders angewiesen. Wir haben die wichtigsten Anlaufstellen am KIT einmal zusammengestellt – und mit Betroffenen und Beratenden gesprochen.
Ein Liebeskummer, ein gebrochenes Handgelenk – es gibt Dinge, die einen beim Studieren aus der Bahn werfen können. Man kann dann nicht, man will dann nicht – und irgendwann ist es vorüber. Dann gibt es die, für die das Nichtkönnen oder das Nur-mit-Mühe-Können kein Ausnahmezustand ist, sondern Alltag.
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Die Teilnahme ist freiwillig und anonym.
Tatsächlich betrifft dies weit mehr Studentinnen und Studenten, als man vermuten würde. Die bundesweite best3-Erhebung etwa konstatierte 2021 einen Anteil von 16 Prozent mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, davon 65 Prozent mit psychischen Erkrankungen.
Ankerort auf dem Campus
Betroffen ist also ungefähr jeder sechste. Jemand wie Pascal Tödter. Als Jugendlicher erblindet, kam er von Hamburg ans KIT, hat Physik studiert – und im April seinen Master gemacht. Rückblickend reflektiert er eine Erfolgsgeschichte mit Hindernissen: „Als Blinder zu studieren ist nicht leicht: Die Orientierung auf dem Campus und in den Gebäuden kann ebenso herausfordernd sein wie handschriftliche Skripte oder Vorlesungen, denen man nur schwer folgen kann.“
Seinen Ankerpunkt fand Pascal bei Access∂KIT, dem früheren Studienzentrum für Sehgeschädigte. Hier wurde sein Studienmaterial barrierefrei aufbereitet, hier konnte er in Ruhe lernen, ins Gespräch kommen und als studentische Hilfskraft sogar an Forschungsprojekten mitwirken. Sein Rat für den Studienbeginn: „Macht die Vorbereitungskurse und die O-Phase mit – die Kontakte, die man dort knüpft, halten möglicherweise die gesamte Studienzeit.“ Und als goldene Regel nicht nur für den Umgang mit Hilfsangeboten: „Man muss aktiv sein, dann erhält man auch Unterstützung“.
Vertrauen als Grundlage
Angelika Scherwitz-Gallegos ist die Beauftragte des KIT für Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit. Seit 2010 hilft sie, individuelle Unterstützungsmöglichkeiten im Studienalltag auf den Weg zu bringen und bezieht, wo erforderlich, weitere Stellen mit ein. Entscheidend für ihre Arbeit, so die personzentrierte Beraterin, sei der Faktor Vertrauen: „Wir bieten einen geschützten Raum, in dem Studierende alles sagen können. Weder bewerte ich, noch entscheide ich.“
Ein häufiges Thema der Beratungsarbeit ist der sogenannte Nachteilsausgleich, ein zentrales Instrument für Chancengleichheit im Studium. „Vielen Studierenden fällt die aufwendige Antragstellung schwer“, berichtet Scherwitz-Gallegos. Entsprechend setzt sie sich für mehr Sensibilität gegenüber Betroffenen ein und für mehr Vernetzung und Sichtbarkeit der Anlaufstellen: „Die größten Barrieren liegen noch immer in den Köpfen der Menschen, nicht in den baulichen Strukturen.“
Hilfe finden – und einfordern
Beim AStA setzt man auf niedrigschwellige Orientierung und persönliche Begleitung. In Alisa Eiseles Sprechstunde im Referat für Chancengleichheit geht es häufig darum, Betroffenen zunächst einmal zuzuhören, um dann weiterführende Hilfe zu vermitteln.
Wie der Nachteilsausgleich gehandhabt wird, findet auch Alisa problematisch: „Es gibt keine KIT-weite Linie und nur wenig Transparenz.“ Dies führe dazu, dass psychische Erkrankungen teilweise nicht ernst genommen würden. Gemeinsam mit der Antidiskriminierungsstelle und Angelika Scherwitz-Gallegos arbeitet das Referat an verbindlicheren Regelungen. Alisas Rat: „Dranbleiben, für die eigenen Rechte einstehen – und notfalls auch laut werden.“
Selbstorganisation wagen
Dass man Unterstützung auch selbst in die Hand nehmen kann, zeigt die Hochschulgruppe Flux. Der Ansatz: Ein Schutz- und Begegnungsraum sein für diejenigen, die sich aufgrund ihrer neurodivergenten Wahrnehmungs- und Reaktionsweisen im Unialltag überfordert oder isoliert fühlen. „Darüber hinaus“, sagt Hannah Günther, die Flux vor zwei Jahren mitgegründet hat, „wollen wir die Möglichkeit eröffnen, darüber nachzudenken, dass möglicherweise nicht nur der eigene Kopf anders tickt als bei anderen, sondern dass auch gesellschaftliche Strukturen und Zuschreibungen ein Teil des Problems sind.“
Rund 50 teils feste, teils lose Mitglieder geben diesem Ineinander von Safe Space und Interessenvertretung Kontur – von Spiele- und Themenabenden über Ausflüge und Workshops bis zu Veranstaltungen wie dem kürzlich ausgerichteten Flux Flausch Tag in der Karlsruher Innenstadt.
Justus Hartlieb, 28.06.2026
Anlaufstellen für KIT-Studierende mit Behinderung und chronischen Krankheiten
| Anlaufstellen des KIT |
| KIT-Beauftragte für Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit | Individuell zugeschnittene Beratung und Information in geschützter Atmosphäre. Hilfe bei beeinträchtigungsbedingten Bedarfen. Ansprechperson auch für den sog. Nachteilsausgleich. |
| Zentrale Studienberatung | Erste Anlaufstelle am KIT für Studieninteressierte und Studierende zu allen Fragen rund ums Studium. |
| Fachstudienberatung der Fakultäten | Beauftragte der KIT-Fakultäten helfen Studieninteressierten und Studierenden bei fachlichen Fragen zu einzelnen Studiengängen. |
| Prüfungsausschüsse der KIT-Fakultäten | Die Prüfungsausschüsse entscheiden über Anträge zum Nachteilsausgleich. Jeweils ein Student bzw. eine Studentin sind Mitglied des Gremiums, zu finden über die Fakultäten-Seite. |
| Zentrum für digitale Barrierefreiheit und Assistive Technologien – ACCESS∂KIT | Umfassende Unterstützung und Beratung für Studierende mit Sehbehinderung und Blindheit. Zugleich engagiert in Forschung und Lehre. |
| Antidiskriminerungsstelle des KIT | Die Antidiskriminerungsstelle berät, unterstützt und macht Präventionsarbeit – und ist auch für Studierende da. |
| Infoportal des Student Health Lab | Interne und externe Angebote. |
| Unterstützung für krisenbetroffene internationale Studierende | |
| Infos zur Beantragung der Befreiung von den Studiengebühren für internationale Studierende mit Behinderung | |
| Infoportal „Inklusion im Hochschulsport“ |
| Von Studierenden für Studierende |
| AStA Refererat Chancengleichheit | Information und Beratung für Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit – online und in der wöchentlichen Sprechstunde. |
| AStA-Refererat Soziales | Sachkundige Beratung rund um Geld, Recht und Wohnen sowie in Notlagen. |
| Fachschaften | Gute erste Anlaufstellen für Infos nah am Studiengang und darüber hinaus. |
| Flux – Neurodivergente Hochschulgruppe am KIT | Austausch, Treffen, Entwicklung – Flux versteht sich als ein Safer Space für Menschen, die sich auf dem neurodiversen Spektrum sehen oder mehr darüber erfahren möchten. |
| Anlaufstellen außerhalb KIT |
| Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks | Helfen Studierenden bei persönlichen und bei studienbezogenen Problemen. |
| Behindertenbeauftragter des Studierendenwerks Karlsruhe | Hilft insbesondere bei Fragen zum barrierefreien Wohnen. |
| Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung der Paritätischen Sozialdienste | Beratung und Information für Betroffene und Angehörige zu allen Fragen des Lebens mit Behinderung. |
| Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste | Anlaufstelle für Selbsthilfegruppen außerhalb KIT. |
| Linksammlungen zum Stöbern |
| https://www.studiumundbehinderung.kit.edu/53.php |
| https://flux-ka.de/useful_links/ |