Laila Tkotz, KIT
Defne Çelik stands on a stage with a microphone and some cards in her hands.

„Ich habe so viel Liebe für mein Studium!“

Defne Çelik hat den DAAD-Preis 2026 gewonnen und krönt damit ein hervorragendes Studium und ein außergewöhnliches Engagement für internationale Studierende. Als sie die Nachricht erfuhr, war sie vor allem eins: sprachlos. Über ihren Weg ans KIT, ihre Erfahrungen und ihre Motivation, anderen zu helfen, spricht die Studentin in clicKIT.

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Die Teilnahme ist freiwillig und anonym.

Im Urlaub bei ihren Eltern in der Türkei, nimmt Defne Çelik den Anruf aus Deutschland nicht gleich an: Eine Nummer vom KIT kann nur bedeuten, dass sie irgendeine Frage für das Studium oder das International Students Office beantworten soll. Also holt sie ihren Lebenslauf, macht sich auf präzise Fragen gefasst und ruft zurück. Doch weit gefehlt: Am Telefon erfährt die 23-Jährige, dass sie den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) 2026 gewonnen hat. Sie fällt aus allen Wolken: „Ich war ja immer eine gute Studentin, aber ich habe doch nichts Besonderes gemacht.“

Die Jury sieht das ganz anders. In der Begründung wimmelt es nur so von Superlativen: „außerordentlich engagiert“, „exzellente Bachelorarbeit“, „Ausnahmetalent“. Ihren Einsatz für das International Students Office des KIT würdigt der DAAD besonders: Für türkische Schülerinnen und Schüler hat Defne an einer Webinar-Reihe mitgewirkt. Neu Zugelassenen aus dem Ausland hat sie erklärt, was man alles für das Studium beachten muss und wie man sich für Hochschulgruppen anmeldet. Für Kommilitoninnen und Kommilitonen aus aller Welt steht sie zudem „jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“ – ehrenamtlich versteht sich.  

Realitätscheck Vorlesung

Defne studiert mittlerweile im dritten Mastersemester Chemie- und Verfahrenstechnik. 2021 kam sie ans KIT, direkt aus ihrer Heimatstadt Izmir. Sie lernte Deutsch als erste Fremdsprache in der Schule, das KIT bot dort Bildungsprogramme an, lag es für sie auf der Hand, nach Karlsruhe zu kommen: „Seit ich ein Kind bin, wollte ich immer forschen und eine Promotion machen. In der Türkei wusste ich, dass ich das dort nicht konnte, also war Deutschland mein Ziel.“

Trotz guter Sprachkenntnisse ist der Realitätscheck bei ihrer Ankunft hart: „Grammatik und Schulvokabular sind etwas anderes als Mathe- oder Chemiebegriffe. Im ersten Semester habe ich gar nichts verstanden. In der Vorlesung hatte ich in der einen Hand mein Handy mit Google Translate und in der anderen einen Stift zum Mitschreiben. Dazu musste ich eine Wohnung suchen, ein Bankkonto eröffnen, neue Leute kennenlernen… Das war sehr schwierig.“

Hilfe für andere – und volle Konzentration aufs Studium

Aus dieser Erfahrung heraus zieht Defne die Motivation, sich für andere zu engagieren und ihnen den Weg ein bisschen leichter zu machen, unter anderem beim International Students Office: „Ich bin bei Campustouren dabei, erkläre, was man bei der Ausländerbehörde machen muss oder erzähle, welche Angebote es hier gibt.“

Nach fünf Jahren in Karlsruhe hat die Studentin sich hier ihr neues Leben aufgebaut und kann sich im Studium auf ihre Leidenschaft konzentrieren: Thermodynamik mit Schwerpunkt auf Kryotechnik. „Ich sehe mich selbst als Nerd, ich habe so viel Liebe für mein Studium!“, lacht sie. „Es gibt unendlich viel Wissen in der Welt, aber eine Idee lebt nur, wenn sie nachweisbar und anwendbar ist. Deshalb finde ich Chemieingenieurwesen so spannend.“ Und ihr Traum könnte bald Wirklichkeit werden, denn nach dem Master kommt die Zeit der Promotion. Forschen – dafür ist sie ja nach Deutschland gekommen.

Isabelle Hartmann, 18.06.2026