Eine Gruppe von Menschen steht an einem Berghang. Zwischen ihnen ist ein Graben ausgehoben, indem Wasserleitungen liegen.

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Wie das Wasser in die Berge kommt

Die Hochschulgruppe „Engineers Without Borders“ arbeitet im Pandemie-Modus weiter an der Realisierung einer ganzjährigen Wasserversorgung für das nepalesische Dorf Dhuskun. Trotz widriger Umstände ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz.

Text: Karla Wunder und Sabine Fodi
Fotos: Engineers Without Borders (Projektgruppe Nepal)

Das Ziel der Hochschulgruppe „Engineers Without Borders“ (EWB) ist es, mit Menschen in wirtschaftlich, sozial oder politisch benachteiligten Regionen durch die Realisierung von Ingenieurprojekten neue Perspektiven zu schaffen. Dafür setzt sich auch die Projektgruppe „Dhuskun“ im gleichnamigen nepalesischen Bergdorf ein. Sie besteht aus etwa 25 Studierenden verschiedener Fachrichtungen wie Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Physik oder Pädagogik, die alle ehrenamtlich in der Hochschulgruppe mitarbeiten.

Gemeinsam mit den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern und einer nepalesischen Partnerorganisation wird an der Umsetzung eines ganzjährigen Wasserversorgungssystems für die etwa 500 Menschen im Dorf gearbeitet, die bisher während der Trockenzeiten weite Wege zum Wasserholen zurücklegen mussten. „Die Projektplanung läuft seit Anfang 2018, und gebaut wird seit Frühjahr 2019“, beschreiben Miriam Novotný und Sebastian Both, die das Projekt leiten, die bisherige Entwicklung. „Einzelne Abschnitte sind schon fertig. Voraussichtlich Ende 2021 können wir das gesamte Vorhaben abschließen, und der weite Weg zur Wasserstelle wird dann nicht mehr nötig sein.“

Neue Abläufe während der Pandemie

Das bewährte Konzept von EWB besteht aus Projektgruppentreffen in Karlsruhe, regelmäßigen Telefonaten mit den Partnern im Projektort und mehrwöchigen Umsetzungsreisen der EWB-Mitglieder nach Nepal. „Mit Beginn der Pandemie wurde die Projektarbeit umgestellt und digitalisiert. Unsere Projektgruppentreffen fanden seitdem nur noch online statt“, berichtet EWB-Mitglied Eszter Kósa, die mit einigen anderen Studierenden an der technischen Umsetzung des Projekts arbeitet. So wurden die Präsenztreffen in Karlsruhe und die Reisen nach Dhuskun zu Videokonferenzen innerhalb der Projektgruppe und mit den Partnern in Nepal. Für den Informationsaustausch funktionierte das sehr gut.

„Die Kommunikation zwischen uns und unseren Projektpartnern ist sehr wichtig, gerade jetzt, da wir uns selbst kein Bild von der Lage vor Ort machen und uns nur durch regelmäßigen Austausch auf dem Laufenden halten können“, beschreibt Sebastian Both die neue Situation unter Pandemie-Bedingungen. Trotz der ständigen Kommunikation können manche Fragen und Probleme aufgrund der schwierigen Umstände jedoch aktuell nicht so schnell beantwortet und gelöst werden. Zeitweise befand sich auch Nepal in einem strikten Lockdown. In dieser Zeit stand das Projekt komplett still, und der Zeitplan musste mehrfach angepasst werden.     

Vor der Pandemie reisten zweimal pro Jahr EWB-Mitglieder für eineinhalb bis zwei Monate nach Nepal und arbeiteten vor Ort mit Unterstützung der Dorfbevölkerung an dem Bauvorhaben. Da Reisen momentan nicht möglich ist, erarbeiten die Studierenden die Pläne und detaillierten Konzepte in Karlsruhe. Anschließend werden diese in Dhuskun von den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern unter Anleitung eines nepalesischen Partneringenieurs umgesetzt. Die Phasen des Baufortschritts haben sich verlängert und sind kontinuierlich über den Großteil des Jahres verteilt – und die Dorfbewohner sind noch stärker in die Bauarbeiten eingebunden, was sehr wichtig für den Wissenstransfer und für die Nachhaltigkeit des Projekts ist. 

Ein Mann transportiert einen mit Geröll gefüllten Eimer, der mit einem Band an der Stirn befestigt ist. Eine Frau hilft ihm, den Eimer richtig am Rücken zu platzieren. Beide stehen zusammen mit anderen Menschen an einem Abhang.
Vor der Pandemie normal: Bei den Umsetzungsreisen arbeiten alle zusammen. (Foto: Engineers Without Borders (Projektgruppe Nepal)

Wie sind die Aussichten für das Projekt in Nepal?

Diese neue Art der Umsetzung stellt eine große Herausforderung für das EWB-Team und die Beteiligten vor Ort dar – alles muss von beiden Seiten genauestens dokumentiert und kommuniziert werden, da nur so ein stetiger Fortschritt gelingen kann. Parallel dazu werden von den Studierenden Schulungskonzepte vorbereitet. „In der Endphase des Projekts liegt der Fokus auf Schulungen und Wissenstransfer zu Themen wie Wasserverbrauch und Systemwartungen“, erzählt Tabea Bomar, die als Teil der Gesellschaftsgruppe die Schulungen vorbereitet – eine weitere Herausforderung, da die Schulungen später nicht wie gewohnt vom EWB-Team selbst, sondern von den Projektpartnern vor Ort durchgeführt werden. 

Nach einem Jahr Pandemie kann dennoch eine positive Bilanz gezogen werden: Trotz der widrigen Umstände läuft das Projekt weiter, bis Ende des Jahres sollten alle Baustellen fertiggestellt sein, und die Bewohner können dann hoffentlich bald das neue Wassersystem nutzen.


Geschrieben von: Gastautor