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Weiterentwicklung des KIT: Stärkung der forschungsorientierten Lehre

Etwas mehr als eine Dekade ist seit der Gründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Jahr 2009 vergangen. Als Fusion aus der Universität Karlsruhe und dem Forschungszentrum Karlsruhe entstand eine in der deutschen Wissenschaftslandschaft einzigartige Verbindung aus Hochschule und nationaler Großforschung. Mit der Unterzeichnung einer Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Land und der Verabschiedung des „2. KIT-Weiterentwicklungsgesetzes“ am 3. Februar 2021 im Landtag ist ein weiterer Schritt im Zusammenwachsen des KIT getan. Warum das auch für die Studierenden von großer Bedeutung ist, erklärt der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka.

Text: Timo Schreck
Fotos: Manuel Balzer, Markus Breig

Im Jahr 2018 waren Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und die Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer, zu Besuch am KIT. Gemeinsam hatten sie angekündigt, die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft auf die nächste Stufe heben zu wollen. Seither haben alle Beteiligten viel Schweiß und Herzblut in diesen Prozess gesteckt. Es ist also viel passiert zwischen Bund, Land und KIT. Dies alles mündete nun in der Unterzeichnung einer neuen Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Land und der Verabschiedung des 2. KIT-Weiterentwicklungsgesetzes. Eine Trennung zwischen Universitätsbereich und Großforschungsbereich, wie sie bislang existierte, wird es künftig nicht mehr geben.

Ob das auch etwas für die Lehre am KIT bringt, haben wir mit Professor Holger Hanselka besprochen. Der Präsident des KIT ist davon überzeugt: „Wir stärken damit unseren Ansatz der forschungsorientierten Lehre und können die Studierenden frühzeitig nahtlos in unsere großen Forschungsfragen und -aufgaben einbinden – und das in gesellschaftlich relevanten Zukunftsfragen.“ Das verbessere im Vergleich zu anderen Universitäten auch die Betreuung der Studierenden, so Hanselka. Umgekehrt profitiere aber auch die Großforschung davon, wenn Studierende in Großforschungsaufgaben eingebunden würden, sei es während des Studiums oder bei der Erstellung von Abschlussarbeiten. „Denn damit tragen die jungen Menschen ja auch unmittelbar und gewinnbringend zum Gelingen der Großforschungsaufgabe bei.“

Der Präsident des KIT, Holger Hanselka, spricht über die Vorteile, die das KIT-Weiterentwicklungsgesetz mit sich bringt. (Foto: Markus Breig, KIT)

Zwar dürften Bundesmittel weiterhin nicht in die Lehre fließen, doch der Präsident des KIT betont, „dass wir mit Unterstützung von Bund und Land nun einen gewaltigen Schritt getan haben und flexibler agieren können. Die Verbesserung unserer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit, die wir uns von der Weiterentwicklung erwarten, wird immer einhergehen mit einer höheren Attraktivität für die besten jungen Köpfe im In- und Ausland. Das gilt für das wissenschaftliche Personal genauso wie für unsere Studierenden.“

Die Balance im Blick behalten – Glaubwürdigkeit als wichtigste Währung

Als das KIT 2009 das Licht der Welt erblickte, war etwas Neues, Einmaliges im deutschen Wissenschaftssystem entstanden. Im Hinblick auf einen fairen Wettbewerb eine nicht ganz einfache Gratwanderung, wie Holger Hanselka in Bezug auf die Weiterentwicklung des KIT betont: „Wenn man etwas Neues im System schafft, muss man die Balance im Blick behalten, und hier trägt die Politik natürlich die Verantwortung. Als Präsident des KIT hielte ich es sogar für schädlich, wenn uns die Politik Instrumente in die Hand geben würde, die diesen fairen Wettbewerb aushebeln würden. Denn das würde unsere Glaubwürdigkeit in der Wissenschaft infrage stellen und Glaubwürdigkeit ist unsere wichtigste Währung, um Wirkung zu erzielen und auch um junge Menschen zu befähigen, da draußen in der Welt einen Unterschied zu machen.“ Und dank der Stärkung der forschungsorientierten Lehre ist der Unterschied zukünftig ja vielleicht noch ein bisschen größer.


Geschrieben von: Gastautor