Porträt von Surya Ruff.

  FORSCHUNG, STUDIUM

Vom Kellnern zum Forschungsblog

Eigeninitiative und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, verhalfen Surya Ruff zu einem Hiwi-Job im Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), aber vor allem zu einem astreinen Einstieg in echte Forschungsarbeit. Geld verdienen und eine Menge Praxiserfahrung für das spätere Berufsleben mitnehmen, die Soziologie-Studentin der Hochschule Koblenz-Landau schlug zwei Fliegen mit einer Klappe.

Text: Regina Link
Fotos: Privat; Markus Breig

Dabei kannte die angehende Soziologin das ITAS gar nicht. Dafür aber als Karlsruher Oststadtbewohnerin den Zukunftsraum des ITAS-Projekts „Quartier Zukunft“. Den fand sie interessant, stellte Erkundigungen an und bewarb sich beim ITAS als Hiwi. „Ich habe nach einem Nebenjob gesucht, der mein Studium ergänzt und bei dem ich mich beruflich weiterbilden kann“, erzählt sie.

Adieu Kellnern, hallo Forschung. Die Studentin traf beim Timing ins Schwarze, denn kurz nachdem sie im ITAS eingestiegen war, hatte der Arbeitsgruppenleiter Oliver Parodi eine Idee. Angeregt durch eine Befragung des Bundesforschungsministeriums, an der Parodi selbst teilgenommen hatte, wollte er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Abteilungen des ITAS die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Krise mit einer Online-Befragung abtasten, und das so schnell als möglich.

„Das war eine ziemliche Hauruck-Aktion“, erinnert sich Surya Ruff. „Aber es ist eben sehr wertvoll, wenn man direkt am Beginn einer solchen Pandemie Daten erheben kann.“ Eine Momentaufnahme der Wahrnehmung zu Beginn der Corona-Pandemie und ein Jahr später. Dazu entwickelte das Team einen Online-Fragebogen mit verschiedenen Thesen zu gesellschaftlichen Fragen, den es an rund 400 Expertinnen und Experten verschickte. Diese sollten einschätzen, ob sie die Thesen für richtig hielten, welchen Einfluss diese auf die Politik haben würden und wie lange sie relevant bleiben würden. Bei den Thesen ging es beispielsweise darum, ob die Akzeptanz von Maßnahmen wie der Maskenpflicht langfristig steigen, ob die coronabedingte Rezession zu einer Rücknahme klimaschützender Maßnahmen führen oder ob die in der Corona-Zeit eingeübte körperliche Distanz ein bleibender Effekt sein würde.

Eine Gruppe Studierender läuft mit Mund-Nasen-Schutz über den Campus am KIT.
Die Auswirkungen der Coronakrise waren Thema von Surya Ruffs Arbeit am ITAS. (Foto: Markus Breig, KIT)

Surya Ruff half mit, diese Thesen zu entwickeln und den Fragebogen zu entwerfen. Nun beschäftigt sie sich mit den Antworten. „Im Moment ist das sehr viel Auswertungsarbeit, sowohl quantitativ als auch qualitativ“, sagt sie. Was ihr daran besonders gefällt: „Wir Hiwis sind ziemlich auf Augenhöhe mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom ITAS. Wir sind in allen Meetings dabei und können auch selbst Impulse geben.“

Das Tüpfelchen auf dem i: Für den Forschungsblog des KIT-Zentrums Mensch und Technik zur Corona-Krise hat Surya Ruff zusammen mit der ITAS-Wissenschaftlerin Nora Weinberger und ihrer Hiwi-Kollegin Nevin Karademir einen Beitrag zu einer der Thesen verfasst, die sich mit der möglichen Aufwertung der Wissenschaft durch die Corona-Krise beschäftigt. Für die Soziologie-Studentin eine spannende Aufgabe und bislang eine sehr ergiebige Hiwi-Zeit. „Ich weiß jetzt, wie ein wissenschaftlicher Prozess von der Entwicklung einer Idee bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse aussieht; das ist für mich unheimlich wertvoll“, erklärt sie.

Freitag, 17. Dezember, 2021
  FORSCHUNG, STUDIUM


Geschrieben von: Regina Link