CAMPUS, RAUSGESCHAUT

Urban Gardening: Öko-Gemüse direkt vom Campus

Auf rund 50 Quadratmetern blühen und gedeihen die verschiedensten Kräuter, Gemüse und bienenfreundliche Gewächse im Campusgarten des KIT. Das Ziel des Arbeitskreises Campusgarten ist die Anlage eines nachhaltigen Gartens auf dem Campus Süd des KIT, um Studierenden und Beschäftigten das Gärtnern in unmittelbarer Nähe zu Arbeit und Studium zu ermöglichen.

Fotos: Lydia Albrecht
Text: Tu-Mai Pham-Huu

 

Anna Wohld und Daniel Liebeherr merkt man die Begeisterung an, als sie eine kleine Führung durch die sorgfältig und liebevoll angelegten Beete machen: Aus dem Kräuterhochbeet duftet es nach Thymian, Minze, Schnittlauch, Knoblauchgras, Oregano, Basilikum, Rosmarin, Zitronenmelisse und Lavendel. Dicht an dicht wachsen in den drei Gemüsebeeten verschiedene Salate, Karotten, Radieschen, rote Beete, Mangold, Riesenbohnen, Rhabarber, Erdbeeren, Zucchini, Gurken und Tomaten. Im Wildblumenbeet summt und brummt es. Doch dieses Beet ist nicht nur für Bienen und andere Insekten gedacht: Bei der angewandten Vier-Felder-Wirtschaft erfüllt sich auch noch ein anderer Zweck. „Da wir auf eine nachhaltige, ökologische Bewirtschaftung achten, bepflanzen wir die Beete im Wechsel“, erklärt Anna Wohld, die Geoökologie am KIT studiert. „Voriges Jahr waren hier Starkzehrer drauf, die dem Boden viele Nährstoffe entzogen haben. Deswegen haben wir Ende letzten Jahres Gründünger gepflanzt: Einige Pflanzen wie Winterroggen ziehen durch ihre tiefen Wurzeln die Nährstoffe wieder weiter nach oben, andere wie Klee binden Stickstoff aus der Luft und geben ihn wieder in die Erde ab.“

 

Wie alles begann…
Der Impuls kam Ende 2016 aus dem Ökoreferendariat des AStA. In Zusammenarbeit mit dem der Stabsfunktion ZUKUNFTSCAMPUS des KIT wurde dann das Projekt in Angriff genommen. „Wir sind sehr dankbar für die großartige Unterstützung des Grünen Campus Büros bei ZUKUNFTCAMPUS. Ohne die Hilfe wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Das Büro kümmerte sich um alles Organisatorische, gab Ideen und Anregungen und besorgte die jetzige Fläche hinter der alten Kinderklinik neben dem Kinderuniversum“, sagt Daniel Liebeherr, EUKLID-Student am KIT. Durch eine Rundmail wurden die Studierenden auf das Gartenprojekt, das neben dem Gemüseanbau auch das Ziel hat, Biodiversität und Artenvielfalt in städtischen Umgebungen zu fördern, aufmerksam gemacht. Es fanden sich auf Anhieb viele Interessenten, die sich im Winter an die Planung des Gartens machten. „Wir haben erst einmal im Internet recherchiert und jede Menge YouTube-Videos angeschaut. So richtig kannte sich noch niemand mit Gärtnern aus. Man hatte ja höchsten einen Balkon oder die Eltern haben vielleicht einen Garten“, erinnert sich Anna. Mittlerweile sind die Gärtner im Arbeitskreis Campusgarten organisiert.

 

 

 

 

Bio und nachhaltig soll es seinIm April 2017 konnte dann die Arbeit beginnen: Der Rasen musste entfernt und alles umgegraben werden – eine Knochenarbeit. Dann ging die Suche nach den richtigen Pflanzen los. Robust und ertragreich sollten sie sein und zudem noch samenfest – also Pflanzen, aus deren Samen die nächste Generation herangezogen werden kann. „Das ist leider heute nicht mehr selbstverständlich“, bedauert Daniel. „Es gibt heutzutage viele Pflanzenzüchtungen, die steril sind, damit man im nächsten Jahr neues Saatgut kaufen muss.“ Die Studierenden entschieden sich für einen demeter-zertifizierten Saatguthersteller. „Wir waren sogar beim Hersteller vor Ort, haben uns alles angeschaut und uns dann bewusst für alte, samenfeste Sorten entschieden“, sagt Anna. Die Strategie scheint die richtige gewesen zu sein: Alle Pflanzen wirken sehr kräftig, haben kaum Schädlingsbefall, sind pflegeleicht und sehr ertragreich.

 

Jeder kann mitmachen: Selbstversorgung für Anfänger
Mitgärtnern kann jeder, der interessiert ist. „Derzeit sind wir etwa zehn Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen, die den Garten betreuen“, berichtet Daniel. Die Arbeit hielte sich jedoch im Rahmen: Es gibt einen Gießplan, so dass es reicht, wenn jeder im Schnitt einmal die Woche vorbei kommt. „Außerdem ist man ja schnell hier, es ist ja direkt auf dem Campus“, fügt Anna hinzu. Beide sind sich einig, dass es für die Beteiligten eher erholsam als arbeitsaufwändig ist, ein bisschen zu gärtnern. Die Ernte wird aufgeteilt: Jeder nimmt sich mal mit, was er braucht und möchte.

„Schön ist: Wir treffen uns im Schnitt alle zwei Wochen und besprechen uns.  Aber ganz locker: Neulich haben wir hier gegrillt. Man schließt neue Kontakte und durch das gemeinsame Interesse hat man ja sowieso schon eine gemeinsame Basis“, so Anna. Die meisten Beteiligten würden sich inzwischen auch privat für biologische Landwirtschaft, Urban Gardening und Selbstversorgung interessieren, dies im Campusgartenprojekt direkt umsetzen und sich darüber austauschen. „Ein Stück weit ist das auch eine kleine Bewegung gegen Konsumzwang und Kapitalismus – wir wollen zeigen, wie einfach es ist und wie viel Spaß es macht, sich selbst zu versorgen“, erklärt Daniel. „Und zwar alles Bio und nachhaltig, ohne dass man dafür das Dreifache an Geld in einem teuren Bioladen ausgeben muss.“

 

 

Einfach vorbei kommen! Der AK Campusgarten trifft sich oft an den Montagnachmittagen um 17:30 Uhr.
Kontakt: campusgarten@asta-kit.de

 

Mehr Informationen auf der Seite des ZUKUNFTSCAMPUS/Grünes CAMPUS Büro oder auf Campusgarten auf Facebook.

Montag, 15. Oktober, 2018
  CAMPUS, RAUSGESCHAUT


Tu-Mai Pham-Huu

Geschrieben von: Tu-Mai Pham-Huu
Tu-Mai Pham-Huu ist Redakteurin am KIT. Sie hat Psychologie in Heidelberg studiert und an der Burda Journalistenschule volontiert.