DOSSIER, RAUSGESCHAUT, STUDIUM

Standards, Werte und Grundsätze in der Wissenschaft erlernen

Onlinekurs „Gute wissenschaftliche Praxis“ vermittelt Regeln und Normen des Wissenschaftssystems und die Grundlagen verlässlicher Forschung.

Text: Sandra Wiebe
Foto: helpBW

Welche Regeln und Normen des Wissenschaftssystems sind relevant? Wie wird Forschung verlässlich durchgeführt? Das können angehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits im Studium in dem Onlinekurs „Gute wissenschaftliche Praxis“ des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) lernen.

Außenstehende vertrauen darauf, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Forschung nach „allen Regeln der Kunst“ betreiben, veröffentlichen und weitervermitteln. „Schon im Studium wird von den Studierenden, sobald sie erste Forschungsleistungen erbringen, erwartet, dass sie die Empfehlungen zur guten wissenschaftlichen Praxis kennen und einhalten“, sagt Diana Tangen von der KIT-Bibliothek. Daniela Clauss vom Schreiblabor des House of Competence (HoC) am KIT ergänzt: „Der Onlinekurs macht auf Stolperfallen aufmerksam, die angehenden Forschenden im Studium begegnen können, beispielsweise beim Erheben, Dokumentieren und Auswerten von Daten oder beim Umgang mit fremdem geistigen Eigentum.“ 

Der Kurs vermittelt im Selbstlernverfahren, wie Forschung redlich betrieben wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dabei das Gelernte auf eigene Forschungsprozesse übertragen und so die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens verinnerlichen. „Neben dem Erlernen von Standards, Werten und Grundsätzen in der Wissenschaft beschäftigt sich der Kurs mit dem eigentlichen Forschungsprozess. Also: Wie werden Erkenntnisse gewonnen? Wo liegen dabei die Fallstricke?“, so Tangen. Außerdem geht es unter anderem darum, wie das Hochschulsystem in Baden-Württemberg organisiert ist und welche gesetzlichen Verpflichtungen relevant sind. Es geht um wissenschaftliches Fehlverhalten, den korrekten Umgang mit Quellen und darum, wie man Forschungsdaten korrekt dokumentiert und archiviert, wie man Manipulation von Bilddaten sowie Manipulation bei der grafischen Darstellung von Forschungsdaten erkennt.

„Mit dem Onlinekurs möchten wir vor allem Bachelor-Studierende sowie alle Studierenden, die noch nicht viel Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten haben oder ihr Wissen dazu auffrischen oder vertiefen wollen, erreichen“ sagt Diana Tangen. „Ein Vorteil des Kurses besteht darin, dass es ein Selbstlernkurs ist – somit ist ein Start jederzeit möglich, und jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer kann ihn im eigenen Tempo bearbeiten.“ Daniela Clauss fügt hinzu, dass Studierende des KIT den Kurs nach vorheriger Anmeldung auch als HoC-Lehrveranstaltung mit ECTS-Erwerb absolvieren könnten.

DFG empfiehlt Onlinekurs „Gute wissenschaftliche Praxis“

Im Kurs sind die „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine wichtige Referenz. „Uns Autorinnen und Autoren des Kurses war es ein zentrales Anliegen, Studierenden die Hintergründe und Bedeutung der Empfehlungen aufzuzeigen. Der Kurs soll einen Grundstein für regelkonformes, eigenverantwortliches Verhalten im Studium legen. Wir freuen uns daher, dass die DFG den Kurs unter der Leitlinie ‚Berufsethos‘ in das Portal ‚Wissenschaftliche Integrität‘ als Beispiel für die Vermittlung guter wissenschaftlicher Praxis aufgenommen hat“, berichtet Daniela Clauss. Auch das von der DFG eingesetzte Gremium „Ombudsman für die Wissenschaft“ verweist auf den Onlinekurs. Das Gremium dient Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland als Anlaufstelle bei Fragen und Konflikten im Bereich guter wissenschaftlicher Praxis und stellt unter anderem Lehrmaterialien hierzu bereit. 

Der Onlinekurs wurde innerhalb des landesweiten Projekts helpBW entwickelt, welches das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg fördert und von der KIT-Bibliothek und dem Schreiblabor des HoC am KIT geleitet wird. Der Kurs ist seit Sommer 2020 sowohl für Angehörige des KIT über die Lernplattform ILIAS als auch für Externe über Open Courses KIT verfügbar. 


Geschrieben von: Sandra Wiebe