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SORMAS: Digitale Infektionsnachverfolgung

Um Infektionskrankheiten wie Covid-19 erfolgreich einzudämmen, sind strenge Maßnahmen und detaillierte Daten für ein Risikomanagement dringend notwendig. Dazu leistet auch die am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) entwickelte Web-Applikation SORMAS (Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) einen wichtigen Beitrag. Drei Studierende des KIT helfen bei der Implementierung in die deutschen Gesundheitsämter.

Text: Aileen Seebauer
Foto: Elisabeth Baier

Als effektives Tool zur Nachverfolgung übernimmt die 2014 entwickelte Open-Source-Applikation SORMAS die Steuerung und Abfrage von Fällen und Kontaktpersonen bei Infektionskrankheiten. Das Programm hat sich bereits in afrikanischen Ländern bei Ausbrüchen vieler Krankheiten, von Ebola über Masern bis hin zum Lassafieber, erfolgreich bewährt. Für die aktuelle Corona-Pandemie wurde ebenfalls ein Software-Modul aktiviert, das speziell für den deutschen öffentlichen Gesundheitsdienst angepasst wurde. Es umfasst Prozessmodelle für alle Bereiche der Krankheit – von der Kontrolle des Falls an sich bis zum Kontaktpersonenmanagement. „Die Software führt Nutzerinnen und Nutzer fallspezifisch und in klaren Schritten durch die Nachverfolgung, strukturiert Prozesse und verarbeitet Daten“, sagt Elisabeth Baier, die am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Wirtschaftsingenieurwesen studiert und im Projekt arbeitet. Gemeinsam mit zwei weiteren Studierenden des KIT bringt sie den Beschäftigten der deutschen Gesundheitsämter die Software näher.

Kostenlose Schulungen für Gesundheitsämter

Seit Januar 2021 arbeiten die drei Studierenden nun im Projekt mit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des HZI haben sie vorab in das gesamte Programm eingearbeitet. „SORMAS ist einfach zu bedienen, sehr übersichtlich und funktioniert in ganz Deutschland gleich“, so Lucas Schuhmacher, der ebenfalls im Projekt arbeitet. „Seit Januar leiten wir nun kostenlose Schulungen für die Mitarbeitenden der Gesundheitsämter aus ganz Deutschland an und unterstützen sie bei Fragen oder Problemen“, sagt Lucas. Aktuell führen die Studierenden etwa drei bis vier Schulungen zu jeweils zwei Stunden in der Woche durch. „Die Kenntnisse der Anwenderinnen und Anwender sind dabei ganz individuell, das Interesse an einem einheitlichen digitalen System zur Infektionsüberwachung ist aber deutlich“, erzählt er.

Interdisziplinäres Team mit einem Ziel

„Das Team ist mit Beteiligung vieler Helmholtz-Zentren sehr interdisziplinär. Das KIT ist als einzige Universität im Projekt involviert, und wir sind froh, mitarbeiten zu dürfen, und hoffen, einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung von COVID-19 leisten zu können“, erklärt Lucas. In naher Zukunft soll die Web-Applikation als übergreifende Schnittstelle für die Gesundheitsämter fungieren und Akteurinnen und Akteure aus dem Gesundheitswesen miteinander vernetzen. „So können detaillierte Daten frühzeitig übermittelt und Fälle miteinander vernetzt werden“, sagt Elisabeth. Derzeit haben 310 deutsche Gesundheitsämter das System implementiert. Mit dem Coronavirus-Modul ist SORMAS auf 37 verschiedene Infektionskrankheiten anwendbar.



Geschrieben von: Gastautor