GESICHTER

Sechs Fragen an… Thorsten Strufe

Thorsten Strufe ist Informatiker, Experte für Privacy und praktische IT-Sicherheit. Sein Einsatzgebiet liegt gewissermaßen an der Schnittstelle zwischen den Verheißungen und den Verwerfungen von Internet und Mobilfunk.

Foto: Amadeus Bramsiepe
Text: Justus Hartlieb


Die gesellschaftliche Dimension bezieht Strufe deshalb immer mit ein: Gegen den Trend des globalen Datensammelns setzt der begeisterte Hobbytaucher auf konkurrenzfähige Online- und Mobildienste, die die Privatsphäre ihrer Nutzer respektieren, statt sie zu zersetzen. Nun hat Strufe – nach akademischen Stationen an der Uni Ilmenau, der südfranzösischen EURECOM-Hochschule, den Universitäten Mannheim und Darmstadt sowie zuletzt an der Technischen Universität Dresden – seine neue Wirkungsstätte als W3-Professor am Institut für Telematik des KIT bezogen.

An meinem Fach fasziniert mich …
Thorsten Strufe: … so vieles. Vor allem, immer nützlichere Dienste mit zu entwickeln, die Wirtschaft oder Gesellschaft und manchmal sogar beide voranbringen. Zugleich, immer wieder zu erkennen, wie diese Dienste gegen die Interessen von Individuen eingesetzt werden können – um dann Balancen zwischen beiden Polen zu finden.

Vorausgesetzt, Sie hätten alle Möglichkeiten: Was würden Sie erfinden?
Strufe: Zum Glück erfinden wir jeden Tag! Im Moment entwickeln wir zum Beispiel Hilfsmittel, die Desinformation detektieren und Kampagnen objektiv einschränken.

Wenn ich nicht Professor geworden wäre, würde ich jetzt vielleicht … 
Strufe: … auf einem Forschungsschiff um die Welt fahren.

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?
Strufe: Professor wird man ja nur, weil man wissenschaftlich arbeiten und das universitäre Leben nicht verlassen will. Schön war natürlich die Möglichkeit, in lauter unterschiedliche Fächer und Disziplinen reinhören zu können – und dann festzustellen, dass die Informatik doch am spannendsten ist.

Meinen Studierenden rate ich …
Strufe: … die unglaubliche Chance wahrzunehmen, an der Uni von den kompetentesten Leuten die kompliziertesten Dinge einfach und mit Freude erklärt zu bekommen. Das kommt so schnell nicht wieder. Sich all die interessanten Gebiete später selbst zu erarbeiten, ist zwar auch spannend und lohnenswert, aber häufig sehr viel mühseliger.

Energie tanke ich …
Strufe: … bei einem Kaffee in einem belebten Straßencafé, mit einem guten Buch auf einer Terrasse oder am effektivsten auf einem Tauchgang zwischen Nacktkiemern, Fangschreckenkrebsen und Zwergseepferdchen.

Dienstag, 7. Januar, 2020
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Geschrieben von: Justus Hartlieb