Sylvia Erhardt forscht am KIT zur molekularen Zellbiologie. (Foto: Laila Tkotz, KIT)

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Sechs Fragen an Sylvia Erhardt

Früh schon hat die Biologin Sylvia Erhardt, die seit Oktober 2020 am Zoologischen Institut des KIT die Professur für Molekulare Zellbiologie der Tiere innehat, sich der Epigenetik verschrieben. Auf dem noch jungen Fachgebiet hat Erhardt sich in Heidelberg (Diplom), Cambridge (Promotion), Berkeley (Postdoc) und wiederum Heidelberg (Nachwuchsgruppenleitung) – wo sie zuletzt einen ERC Consolidator Grant eingeworben hat und mit dem Hella-Bühler-Preis für Krebsforschung ausgezeichnet worden ist – einen Namen gemacht.

Text: Justus Hartlieb
Foto: Laila Tkotz

An meinem Fach fasziniert mich …
Sylvia Erhardt: … dass aus einer einzigen Zelle ein hochkomplexes Lebewesen entstehen kann und dass das meist fehlerfrei geschieht. Wir wissen zwar, dass unser genetischer Code die grundlegende Information dazu liefert, aber wie sich Zellen merken, welche Rolle sie in einem Organismus spielen, wird nicht direkt in der DNA codiert, sondern auf einer Ebene darüber. Das Ganze nennt sich dann Epigenetik. Diese Regulationsmechanismen sind sehr flexibel und passen sich an bestimmte Situationen und äußere Einflüsse an.

Welche Entdeckung resp. Erfindung würden Sie gern noch machen?
Erhardt: Momentan fasziniert mich sehr, dass repetitive, nicht-codierende Genomregionen, die über Jahrzehnte als genetischer Müll beschrieben wurden, essenziell für viele Vererbungsvorgänge sind. Ich nenne diese Regionen gerne die Schwarzen Löcher der Genomforschung, da diese Sequenzen in den meisten Datenanalysen vernachlässigt werden. Diese Regionen sind während der Entwicklung eines Organismus sehr genau reguliert, und eine Misregulation führt zu Fehlern in der Vererbung. Die genauen Zusammenhänge hier zu verstehen, finde ich sehr spannend. 

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?
Erhardt: Viel Zeit zu haben, experimentell im Labor zu arbeiten und dann abends mit Freunden das Leben zu feiern.

Meinen Studierenden rate ich …
Erhardt: … Freude an ihrem Studienfach zu haben, neugierig zu sein und die Dinge zu hinterfragen. Und sich während des Studiums nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, was in fünf Jahren sein wird.

Kann die Corona-Krise auch eine Chance sein?  
Erhardt: Bestimmt, aber nach Wochen des Lockdowns ist diese Frage echt nicht leicht. Ich hoffe tatsächlich, dass manche Veränderungen hier sind, um zu bleiben: Vieles und viele wurden digitaler, das kann ein Vorteil sein. Zum Beispiel hat man gelernt, dass digitale Konferenzen es mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erlauben, Teil des großen Ganzen zu sein, auch aus Ländern, die nicht unbedingt die Mittel haben, ihre Doktorandinnen und Doktoranden in einem Flieger um die halbe Welt zu schicken.

Energie tanke ich …
Erhardt: … beim Joggen (am besten den Berg rauf und wieder runter) und beim Mario-Kart-Spielen mit meinen Kids.

Donnerstag, 6. Mai, 2021
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Geschrieben von: Gastautor