Sebastian Kempf hat zum letztjährigen Wintersemester den Aufbruch nach Karlsruhe gewagt. Als W3-Professor leitet er seither das Institut für Mikro- und Nanoelektronische Systeme des KIT. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)

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Sechs Fragen an Sebastian Kempf

Mit schlanken 37 Jahren hat Sebastian Kempf bereits etliche Sprossen der Karriereleiter erklommen. Sein Heimathafen war dabei bislang die Universität Heidelberg, genauer gesagt das Kirchhoff-Institut für Physik. Dort hat der mit Forschungs- und Lehrpreisen ausgezeichnete Physiker studiert, promoviert und sich 2017 habilitiert. Zum letztjährigen Wintersemester hat Kempf den Aufbruch nach Karlsruhe gewagt. Als W3-Professor leitet er seither das Institut für Mikro- und Nanoelektronische Systeme des KIT.

Text: Justus Hartlieb
Foto: Amadeus Bramsiepe

An meinem Fach fasziniert mich …

Sebastian Kempf: … dass man niemals auslernt, jeden Tag zusammen mit anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Neuland betritt und das erworbene Wissen dann zur Realisierung von gestern noch als unmöglich eingestuften Dingen einsetzen kann.

Welche Entdeckung respektive Erfindung würden Sie gern noch machen?

Kempf: Die Quantentechnologie hat das Potenzial, unseren Alltag in vielerlei Hinsicht nachhaltig und positiv zu beeinflussen. Diese Entwicklung möchte ich durch meine Forschungsarbeiten unterstützen beziehungsweise forcieren, indem ich auf Quantentechnologie basierende Messsysteme „erfinde“, die von allen universell eingesetzt werden können.

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?

Kempf: Die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Wissenschaft und Interessen konzentrieren zu können. Erst nach dem Studium erkennt man etwa, wie schön es ist, sich tagelang eines wissenschaftlichen Problems annehmen zu können, ohne von anderen Pflichten und Aufgaben „abgehalten“ zu werden.

Meinen Studierenden rate ich …

Kempf: … die Freiheit des Studiums zu nutzen, um verschiedene Dinge auszuprobieren. Auch wenn das Studium heute deutlich stärker strukturiert ist, bietet es nach wie vor die Möglichkeit, sich frei zu entfalten, in andere Fächer hineinzuschnuppern und sich über das eigene Fach hinaus weiterzubilden. Man muss diese Chance nur nutzen.

Kann die Coronakrise auch eine Chance sein?  

Kempf: Die Coronakrise hat schonungslos offenbart, dass in vielen Bereichen, etwa in der Digitalisierung oder im Gesundheitswesen, Handlungsbedarf besteht. Von daher hoffe ich, dass wir aus der Coronakrise heraus unsere aktuellen Schwachpunkte erkennen und wichtige Entwicklungen zeitnah anschieben – und nicht auf „später“ verschieben.

Energie tanke ich …

Kempf: … beim Marathon-Training, beim Spazierengehen mit unserem Hund in der Natur oder beim gemütlichen Grillen.

Donnerstag, 1. April, 2021
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Geschrieben von: Gastautor