GESICHTER

Sechs Fragen an Patrick Théato

Er kommt von der Universität Hamburg und ist einer der führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Polymerchemie. Dass er mal „irgendetwas mit Chemie“ machen würde, war schon in der Schule klar. Ganz am Anfang vor allem, weil es in der Chemie kracht und raucht, aber später dann, weil ihn die Idee, auf einer molekularen Ebene zu gestalten, begeisterte. Am KIT leitet Patrick Théato nun die Abteilung Präparative Makromolekulare Chemie am Institut für Technische Chemie und Polymerchemie und beschäftigt sich mit der präzisen Herstellung von Materialien. Das reicht von neuartigen Energiespeichern über schaltbare Oberflächen bis hin zu biomedizinischen Anwendungen.

Foto: Amadeus Bramsiepe

 

Mit wem würden Sie gerne mal einen Tag lang den Job tauschen?
Warum sollte ich? Die Frage impliziert ja, dass ich nicht mit meinem Job zufrieden wäre, und das ist ganz und gar nicht der Fall. Trotzdem möchte ich gerne Ihre eigentliche Frage beantworten. Ich würde gerne mal wieder eine paar Tage lang im Labor stehen und Experimente durchführen. So wie ein normaler Student oder Doktorand.

 

Vorausgesetzt Sie hätten alle Möglichkeiten, was würden Sie erfinden?
Erfindungen erfolgen im Team und selten als Individuum. Und ein solches Team besteht in der Regel aus einem Abteilungsleiter und vielen Mitarbeitern. Gemeinsam werden Ideen entwickelt, manchmal aber auch von einzelnen Personen wie meiner Wenigkeit eingebracht. Umgesetzt werden diese ebenfalls gemeinsam, auch wenn die eigentlichen Experimente meist von Studenten, Doktoranden und Wissenschaftlern durchgeführt werden. Besonders faszinierend fände ich ein Material, das eigenständig seine Form, Gestalt und/oder Funktion den jeweiligen Bedingungen anpassen könnte. Das wäre quasi der T1000 der Materialwissenschaften.

 

Was wäre Ihre erste Gesetzesvorlage als Bundeskanzler?
Da ich kein deutscher Staatsbürger bin, könnte ich in der gegenwärtigen Lage nicht zum Bundeskanzler gewählt werden. Sollte dies jedoch einmal möglich sein, dann würde ich ganz klar die Türen öffnen zur weiteren Förderung der Bildung, angefangen bei der Primärstufe (auch bekannt als Kindergarten) bis hin zur Tertiärstufe, zu der ja auch die Universitäten und ihre Verwandten zählen. Bildung bringt nicht nur eine Gesellschaft voran, sie integriert auch. Beides sehe ich zurzeit in großer Gefahr.

 

Vollenden Sie den Satz: Ich tanke Energie…
… beim Nichtstun, beim Sport, beim Essen, bei Familie und Freunden, auf Reisen oder einfach an der frischen Luft.

 

Wie hat sich seit dem Studium Ihre Welt verändert?
Die Welt ist globaler geworden, und die damit einhergehenden Herausforderungen bringen gleichzeitig Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dies zum Positiven für alle Beteiligten des Planten Erde zu nutzen.

Vollenden Sie den Satz: Die Studierenden von heute…
…haben in der Anzahl zugenommen,
…durchlaufen leider keinen Diplomstudiengang mehr,
…haben mehr Möglichkeiten im Vergleich zu früheren Generationen,
…stehen vor ganz anderen, spannenden Herausforderungen,
(und last but not least) … sollten in meine Arbeitsgruppe kommen.

Montag, 12. März, 2018
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Regina Link

Geschrieben von: Regina Link