GESICHTER

Sechs Fragen an… Katharina Scherf

Bauchkrämpfe, Blähungen, Unwohlsein: Immer häufiger, so scheint es, führt unser Essen zu unerwünschten Nebenwirkungen. Grund sind die sogenannten Lebensmittelunverträglichkeiten. Sie besser zu verstehen und neue Wege in der Produktion von Nahrungsmitteln zu gehen, ist eine Herausforderung, der Katharina Scherf sich mit Wissen und Elan stellt.

Foto: Amadeus Bramsiepe
Text: Justus Hartlieb


In ihrer Habilitation an der TU München hat die junge, mehrfach ausgezeichnete Lebensmittelchemikerin am Beispiel des Getreideeiweißes Gluten gezeigt, dass sie überdies zu den Leuten gehört, von denen Lösungen erwartet werden dürfen. Nun ist Scherf am Institut für Angewandte Biowissenschaften des KIT tätig, wo sie als Tenure-Track-Professorin die Abteilung Bioaktive und funktionelle Lebensmittelinhaltsstoffe leitet.


An meinem Fach faszinieren mich…
Katharina Scherf: …die interdisziplinären Fragestellungen von der Getreidezüchtung über die Wertschöpfungskette bis zum Lebensmittel und zur Wechselwirkung mit dem menschlichen Organismus nach dem Verzehr. Besonders die Erforschung der Ursachen für die zunehmende Häufigkeit von Allergien und Unverträglichkeiten gegenüber Getreide ist ein hochaktuelles und spannendes Feld, das eine hohe Relevanz für die Gesellschaft hat.

Welche Erfindung hätten Sie gern gemacht oder würden Sie gern noch machen?
Scherf: Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist die nachhaltige Bereitstellung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Die Forschung zur Kernfusion – also der Kreation einer kleinen Sonne – finde ich faszinierend. 

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?
Scherf: Das Studium der Lebensmittelchemie war vollgepackt mit Versuchen im Labor, aber die praktische Arbeit mit Einwiegen, Extrahieren, Pipettieren, Einengen und Messen hat mir immer Spaß gemacht. Als Professorin wird man doch mehr und mehr zum Schreibtischtäter und lehrt, liest, korrigiert, berät und schreibt im Wesentlichen.

Meinen Studierenden rate ich…
Scherf: …Durchhaltevermögen zu zeigen, die Augen zu öffnen, so viele Angebote wie möglich zu nutzen, um so viel wie möglich zu lernen, Dinge zu hinterfragen und die faszinierende Welt der Naturwissenschaften zu entdecken.

Wenn ich nicht Professorin geworden wäre, würde ich jetzt vielleicht…
Scherf: …simultanübersetzen. Sprachen habe ich schon immer schnell gelernt, und bei Besuchen des Europäischen Parlaments und der Vereinten Nationen beeindruckten mich das Sprachengewirr und die Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer, die es wieder entwirren und einen entscheidenden Beitrag zur Verständigung aller Beteiligten leisten.

Energie tanke ich…
Scherf: …beim Wandern, Joggen oder Fahrradfahren in der Natur und auch beim Musizieren.

Montag, 28. Oktober, 2019
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Geschrieben von: Justus Hartlieb