GESICHTER

Sechs Fragen an… Dorothee Frey

Als Postdoc der Mathematik zog Dorothee Frey einst aus, als W3-Professorin ist sie im August ans KIT zurückgekehrt. Hinter ihr liegen sieben akademische Wanderjahre, mit Stationen in Australien, Frankreich und den Niederlanden.

Foto: Amadeus Bramsiepe
Text: Justus Hartlieb


An der Technischen Universität Delft hat sie zuletzt den Tenure Track durchlaufen. Ihre Forschungsinteressen verfolgt Dorothee Frey nun also (wieder) am Campus Süd, im weiten Rund des Kollegiengebäudes Mathematik. Dabei geht es ihr, laienhaft ausgedrückt, darum, mit den Mitteln der mathematischen Analysis die natürliche Welt „einzufangen“; vor allem dort, wo Sprünge und Diskontinuitäten auftreten, wie in Materialien. Zugute kommt dies ihrer Arbeitsgruppe am Institut für Analysis, aber auch dem Sonderforschungsbereich Wellenphänomene, in dem Freys Expertise in Harmonischer Analysis gefragt ist.

An meinem Fach fasziniert mich …
Dorothee Frey: … die Kombination aus Kreativität und logischem Denken. Es braucht geniale Ideen, die sich oft aus langen Diskussionen mit Kollegen entwickeln, aber gleichzeitig braucht es Präzision, um einen Beweis logisch stringent aufzuschreiben. Und es fasziniert mich, wie komplex die Natur ist, aber wie wenig wir immer noch in der Lage sind, diese Komplexität mathematisch-analytisch präzise zu beschreiben.

Welche Erfindung hätten Sie gern gemacht?
Frey: Als Wissenschaftlerin in der Harmonischen Analysis ist die Antwort eindeutig: die Fourieranalyse. Sie wären erstaunt, wie unsere Welt und unser Alltag ohne sie aussehen würden.

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?
Frey: Die Zeit und die Freiheit, sich länger mit einem – auch fachfremden – Thema zu beschäftigen. Diese Möglichkeit hat man später eher selten, dabei tut es immer gut, seinen Horizont zu erweitern.

Meinen Studierenden rate ich …
Frey: … zwischen allen Prüfungen nicht den Spaß und die Faszination für das Fach zu verlieren.

Wenn ich nicht Professorin geworden wäre, würde ich mich jetzt …      
Frey: … wahrscheinlich trotzdem mit Mathematik beschäftigen, nur an anderer Stelle. Oder mit Biologie oder Musik? Es gibt viele spannende Berufe, aber irgendwann muss man sich entscheiden.

Energie tanke ich …
Frey: … draußen in der Natur, am liebsten beim Joggen und Radfahren. Ich muss zugeben, ich habe die Berge in Holland vermisst.

Montag, 16. Dezember, 2019
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Geschrieben von: Justus Hartlieb