GESICHTER

Sechs Fragen an Christian Inderbitzin

Seit dem Sommersemester 2020 hält der Schweizer Christian Inderbitzin die Professur für Stadt und Wohnen an der KIT-Fakultät für Architektur. Inderbitzin, geboren in Zürich und ausgebildet an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ebendort, kann auf akademische Stationen in Graz, Lausanne und wiederum Zürich zurückblicken sowie, als Gründer und Partner eines Züricher Architekturbüros, auf eine Reihe oftmals ausgezeichneter Projekte mit einem Schwerpunkt im Wohnungsbau.

Text: Justus Hartlieb
Foto: Amadeus Bramsiepe

An meinem Fach fasziniert mich …

Christian Inderbitzin: …die Breite der Fragestellungen ebenso wie die der Lösungsstrategien. Architektur ist eine Disziplin, welche unterschiedlichste Dinge zur Synthese bringt. Sie bedarf der Idee und des Handwerks, ihr Mittel ist die Form. In der Erkenntnisproduktion von Architektur gibt es keine absoluten Wahrheiten, sondern lediglich Argumente und Suggestion.

Welche Entdeckung resp. Erfindung würden Sie gern noch machen?

Inderbitzin: Im Bereich der Architektur sind echte Erfindungen eher schwierig zu machen. Mir würde es reichen, wenn ich ein dauerhaftes und damit nachhaltiges Haus bauen könnte.

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?

Inderbitzin: Am meisten vermisse ich das Gefühl, viel Zeit für eine intensive Beschäftigung mit einem bestimmten Thema zu haben.

Meinen Studierenden rate ich …

Inderbitzin: … neugierig, denkend und selbstbestimmt zu sein.

Kann die Corona-Krise auch eine Chance sein?  

Inderbitzin: Ich denke schon, wobei für mich weniger die kleinkarierte Diskussion über das Für und Wider von Homeoffice und dergleichen im Vordergrund steht. Ich glaube vielmehr, dass die Pandemie als Katalysator wirken könnte und uns die Augen für die strukturellen Probleme und großen Herausforderungen unserer Gegenwart öffnet: unseren unwürdigen Umgang mit alten Menschen, die in Heimen vereinsamen, oder die Fragilität und Dynamiken eines globalisierten Wirtschaftssystems und Lebensmodells. Ich hoffe, die Pandemie sensibilisiert uns für die wirklich bedrohlichen, kommenden Krisen, wie beispielsweise die Migration und den Klimawandel.

Energie tanke ich …

Inderbitzin: … im Tagtraum.

Donnerstag, 30. Dezember, 2021
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Geschrieben von: Gastautor