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MINTernship: Ausflüge in die Welt – Eindrücke aus der Forschung

„Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich das Praktikum auf jeden Fall wiederholen“, sagt KIT-Student Steven. Es hat seinen Grund, dass ihm die Teilnahme am MINTernship-Programm des KIT so viel bedeutet: Er sammelte wichtige Erfahrungen – und gewann einen ersten Preis bei einer großen US-Amerikanischen Konferenz. Seit 2015 nehmen Studierende am MINTernship-Programm teil. Autorin Elizaveta Zaidman hat mit zwei von ihnen und dem Programmkoordinator gesprochen.

Foto: Laila Tkotz
Text: Elizaveta Zaidman

 

Das Programm will mehrere Partnerschaften des KIT mit Universitäten im angelsächsischen Raum vertiefen. Es fördert Studierende der MINT-Fächer:  Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Studierende der Partneruniversitäten können bis zu sechsmonatige Forschungspraktika am KIT absolvieren. Zusätzlich bietet das Programm Stipendien finanzierte Forschungspraktika für KIT-Studenten an Partneruniversitäten im Ausland an.

2014 wurde das Programm ins Leben gerufen, 2015 gingen die ersten Studierenden ins Ausland und kamen ans KIT. Von Beginn an betreut Kai Rebensburg von der Dienstleistungseinheit Internationales (INTL) des KIT das Programm: Zu seinen Aufgaben gehört es, Drittmittel einzuwerben, den Studierenden- und Doktorandenaustausch zu koordinieren, Partneruniversitäten ins Boot zu holen – und vieles mehr.

„In der Wissenschaft wird heute überwiegend auf Englisch gearbeitet, deswegen rückt das MINTernship-Programm den Austausch mit englischsprachigen Ländern wie Kanada, Australien und den USA in den Fokus“, sagt Rebensburg. Die KIT-Studierenden haben dadurch nicht nur die Möglichkeit, sich mit neuester Forschung auseinanderzusetzen, sondern auch die Gelegenheit, ihre Englischkenntnisse zu verbessern.


Zu Gast am KIT
Auf der anderen Seite ist für ausländische Studierende oft die Sprachbarriere ein Argument gegen ein Forschungspraktikum in Deutschland. Ziel des Programms ist, einen intensiven Austausch von Studierenden mit renommierten Partneruniversitäten zu etablieren. Das MINTernship-Programm umfasst ein reichhaltiges Angebot am KIT: Neben der Möglichkeit, englisch zu sprechen, bekommen die Studierenden der Partneruniversitäten neue Einsichten in die Forschung sowohl am KIT als auch in der Technologieregion Karlsruhe. „Außerdem erhalten sie ein von mehreren Stiftungen angebotenes Stipendium“, so Rebensburg. So unterstützt die Reinhard Frank-Stiftung das Projekt von Beginn an finanziell, die Christian Bürkert Stiftung tut das seit 2016. Über die KIT-Stiftung gehen die Mittel an die Studierenden, denen zudem die Dienstleistungseinheit Internationales des KIT bei der Einschreibung und anderen formalen Angelegenheiten hilft.


Spannende Länder, spannende Forschung
Auch die Studierenden des KIT zeigen starkes Interesse an dem Praktikum im Ausland. 2017 sind elf Studierende aus Wirtschaftsingenieurwesen, Elektrotechnik und Informationstechnik, Maschinenbau und anderen Fächern nach Amerika geflogen, um von April bis September ein Forschungspraktikum auf dem Gebiet der Energieversorgung zu absolvieren. Eine der Partneruniversitäten des KIT in dem MINTernship-Programm in den USA ist die University of North Carolina at Charlotte (UNCC). Viele wissenschaftliche Projekte an der UNCC drehen sich um angewandte Forschung. Philipp Spitzer, Student des KIT, erzählt, dass er im Laufe seines Masterstudiums bereits ein Semester in den USA absolviert hatte. Anfang 2017 wollte er weitere Erfahrungen im Ausland sammeln und suchte nach einer Möglichkeit, ein Industriepraktikum in den USA zu machen. „Die Schwierigkeit dabei lag hauptsächlich an der Bezahlung: der Flug, der Aufenthalt und das Studium selbst erfordern bedeutende Investitionen – oder ein gutes Stipendium“, so Phillip. Bei einer Unterhaltung mit einem Kommilitonen in der Mensa erfuhr er dann vom MINTernship-Programm. Zum Glück war die Bewerbungsfrist noch nicht abgelaufen, sagt Phillip – nach einer kurzen Zeit wurde er in das Programm aufgenommen.

 

Philipp Spitzer (rechts), Student des KIT, berichtet von seinen Erfahrungen mit einem Industriepraktikum in den USA. (Bild: M. Balzer/KIT)

 

Die Forschungsprojekte, an denen Studierende des KIT mitmachen können, schreibt das Energy Production and Infrastructure Center (EPIC) an der UNCC aus. Die Teilnahme verlangt nicht nur grundlegendes Wissen auf diesem Gebiet, sondern auch gute Kenntnisse in Englisch und Programmiersprachen.

Philipp erzählt, dass er während des ganzen Programms von den Angestellten des EPIC stark unterstützt worden sei, sowohl im Umgang mit bürokratischen Formalitäten als auch im Alltag. So hatte er die Möglichkeit, sich auf die Forschung zu konzentrieren. Der Schwerpunkt dabei war die Neugestaltung des Flusses Catawba, der sich über mehr als 300 Kilometer in North und South Carolina ausdehnt und arg strapaziert ist: Das Wasser wird sowohl für die Versorgung der Bevölkerung gebraucht als auch für den Betrieb der 13 Wasserkraftwerke, zwei Kohle- und zwei Atomkraftwerke, die sich entlang des Flusses befinden. „Dabei entstehen in der Wasserqualität wie auch der Wasserquantität Probleme“, so Philipp. Seine Aufgabe lag darin, diese Probleme und die Gebiete zu identifizieren, wo sie entstehen, und Lösungen vorzuschlagen, die langfristig und nachhaltig funktionieren könnten.

Ein weiterer Teilnehmer des MINTernship-Programms, Steven de Jongh, absolvierte ein Forschungspraktikum in den USA zum Thema Lastflussberechnung. Ihm hatte ein Freund das Programm empfohlen, und er bewarb sich spontan dafür. Steven forschte vom Büro aus, mehr als 40 Stunden pro Woche verbrachte er am Schreibtisch. Mit seiner eifrigen Forschungsarbeit gewann er den ersten Preis beim „Appalachian Energy Summit“, der jährlich in North Carolina stattfindet. Bei dieser Veranstaltung hatten Studierende die Möglichkeit, mehrere bekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kennenzulernen sowie ihre Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Energieversorgung und Nachhaltigkeit vorzustellen. Steven de Jongh und Benjamin Hauck, ein weiterer Student des KIT, der am MINTernship-Programm teilnahm, belegten in der Kategorie „Graduate Students“ erste Plätze.

 

Stephan Dejongh gewann den ersten Preis beim „Appalachian Energy Summit“ in den USA. (Bild: M. Balzer/KIT)

 

Engagement beim Forschen und Reisen
In der nächsten Zeit werden ausländische Studierende von den Partneruniversitäten nach Karlsruhe kommen, um ein Forschungspraktikum am KIT anzufangen. „Im Mai erwarten wir vier Bachelor-Studierende von der Waterloo Universität in Kanada, vier Doktoranden von der UNCC und einen Doktoranden von der Technischen Universität Queensland in Australien“, erzählt Kai Rebensburg. Die Anzahl der Studentinnen und Studenten, die am Programm teilnehmen, steigt jährlich – von 15 Incomern und Outgoern im ersten Jahr auf 26 Austauschstudierende 2017. In diesem Jahr strebt Kai Rebensburg 30 an. Die Studierenden, die sich für ein Praktikum am KIT im MINTernship-Programm entscheiden, sind sehr unterschiedlich: „Die Vorbereitungsniveaus der Bachelor Studierenden, Masterstudierenden, Doktorandinnen und Doktoranden variieren. Der Großteil ist sehr selbstständig, bringt immer großen Einsatz und Engagement in die Forschung mit und ist an Deutschland und Europa interessiert“, so Rebensburg: „In der Freizeit versuchen insbesondere die US-amerikanischen Studierenden so viele Orte in Europa wie möglich zu besuchen.“

 

Mehr Informationen zu dem Programm MINTernship gibt es online bei der DE INTL.

Montag, 16. Juli, 2018
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