Anna Smith sitzt im Cockpit eines Flugzeugs.

  GESICHTER, STUDIUM

Miniserie: Bahn frei für die Batterieforscherinnen!

Reine Männerteams in den Entwicklungsabteilungen und MINT-Studiengänge mit nur wenigen Frauen: In Deutschland ist das teilweise immer noch Realität. Nur 28 Prozent der Forschenden sind nach Angaben des statistischen Bundesamtes weiblich und damit gehört die Bundesrepublik im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern. clicKIT hat mit Frauen gesprochen, die sich trotzdem für die Batterieforschung entschieden haben. Heute: Anna Smith.

Text: Martin Heidelberger
Fotos: Privat; Markus Breig, KIT

Dr. Anna Smith, *1984, leitet die Forschungsgruppe Zellentwicklung/-tests am Institut für Angewandte Materialien (IAM) des KIT. Außerdem ist sie Mutter von zwei Kindern und manchmal auch Pilotin.

Warum arbeiten Sie in der Batterieforschung?

Anna Smith: An erster Stelle ist es mir wichtig, einen sinnvollen Beitrag für unsere Gesellschaft zu liefern, wie eben die Elektrifizierung unserer Infrastruktur. Die Zukunft mitzugestalten und zum Klimaschutz beizutragen, das empfinde ich als erfüllend. Außerdem ist es ein abwechslungsreiches und temporeiches Arbeitsumfeld, genau das Richtige für mich. Am Batterietechnikum des KIT arbeiten wir gemeinsam mit Forschenden unterschiedlicher Disziplinen direkt an der Schnittstelle zur Anwendung. Die Entwicklung geht teilweise so rasend schnell, dass wir unsere eigene Arbeit oft recht schnell im praktischen Einsatz sehen. Langweilig wird es jedenfalls nie: Ob bei der Entwicklung von neuartigen Zellformaten, dem Einbringen von Sensoren in Batterien, dem Ausarbeiten von Standards für mehr Sicherheit oder dem Erforschen von Zellchemien der nächsten Generation, jeden Tag gibt es neue Herausforderungen.

Wie sind Sie denn Batterieforscherin geworden?

Anna Smith: Angefangen hat es eigentlich mit dem Schulfach Chemie. Das hat mir immer großen Spaß gemacht, sodass ich mich auch in meiner Freizeit bei Jugend forscht engagiert habe. Studiert habe ich dann an der TU Berlin und in den USA. An der University of Oklahoma habe ich meinen PhD in Anorganischer Chemie absolviert, was sehr grundlagenlastig war. Zwar ist dieser Forschungsbereich sehr wichtig, aber mir fehlte immer der Praxisbezug. So kam es, dass ich gezielt nach einem Quereinstieg in die anwendungsnahe Forschung suchte.

Am Battery and Electrochemistry Laboratory BELLA, das gemeinsam von KIT und BASF betrieben wird, habe ich dann meine Chance bekommen, trotz fehlender Kenntnisse in der Batterieforschung, jedoch mit überzeugenden fachlichen und persönlichen Kompetenzen, welche ich mir bis dahin hart erarbeitet hatte. Ich beschäftigte mich dort mit Lithium-Schwefel-Zellen und dem Aufbau einer Analyseanlage zur Vermessung von Batteriegasen. Als Postdoc habe ich dann schnell gemerkt, dass ich in der Batterieforschung meine wissenschaftliche Heimat gefunden habe. Nach einem weiteren Postdoc am Batterietechnikum konnte ich meine fachlichen Kompetenzen im Bereich Großzellfertigung und deren Testung weiter ausarbeiten. Als mein Gruppenleiter in die Industrie wechselte, war ich am besten qualifiziert und leite seitdem ein Forschungsteam mit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Was sind Ihre Erfahrungen als Frau in der Forschung?

Anna Smith: Eigentlich kann ich keine große Ungleichheit feststellen. Ein wenig ist es vielleicht noch so, dass mehr junge Chemikerinnen sich für die Lebensmittelchemie oder das Lehramt entscheiden, und bei Gesprächen mit der Industrie passiert es regelmäßig, dass wir reinen Männerteams gegenübersitzen. Im Großen und Ganzen begegnen sich Frauen und Männer nach meiner Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb aber auf Augenhöhe, und so sollte es ja auch sein.

Ein echtes Dilemma für Nachwuchsforscherinnen ergibt sich allerdings bei der Familienplanung in der Qualifizierungsphase, das weiß ich als Mutter aus eigener Erfahrung. Als Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler ist der Weg zum festen Arbeitsplatz sehr lang: Auf das Studium folgt die Promotion, dann ein, zwei Postdocs und befristete Stellen. Was hier fehlt, sind verbindliche Arbeitsverhältnisse. Ich persönlich habe mein Studium 2004 begonnen und besetze nun nach 17 Jahren Ausbildung und Qualifizierung hier am KIT zum ersten Mal in meinem Leben eine unbefristete Stelle.

Würden Sie interessierten Studentinnen dann überhaupt zur Batterieforschung raten?

Anna Smith: Insofern man sich für Batterien begeistern kann: Auf jeden Fall! Das ist, glaube ich, eine wichtige Voraussetzung. Die andere Voraussetzung ist Ehrgeiz und Disziplin. Bei jeglicher wissenschaftlicher Ausbildung kann man nämlich nur erfolgreich sein, wenn Disziplin vorhanden ist, also harte Arbeit und Fleiß. Allerdings braucht es zusätzlich noch ein wenig Glück. Wem dies zusagt, sollte auch daran denken, sich rechtzeitig ein Netzwerk mit anderen Studierenden, Doktoranden und Forschenden aufzubauen.

Wichtig ist außerdem der Schritt ins Ausland. Sprachliche und interkulturelle Fähigkeiten sind für die Karriere zwingend erforderlich, zudem fördert ein Auslandsaufenthalt auch die eigene Entwicklung, etwa beim Umgang mit Stress und Selbstständigkeit. Schließlich empfehle ich, für eine gute Life-Work-Balance unbedingt noch einer persönlichen Leidenschaft nachzugehen, ich zum Beispiel habe während der Promotionszeit meinen Flugschein gemacht.

Im zweiten Teil der Miniserie „Bahn frei für die Batterieforscherinnen“ spricht clicKIT mit Filiz-Pinar Seren, die am KIT Materialwissenschaft und Werkstofftechnik studiert.

Donnerstag, 28. Oktober, 2021
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Geschrieben von: Martin Heidelberger