: Filiz-Pinar Seren sitzt auf einem Labortisch und schaut lächelnd in die Kamera.

  GESICHTER, STUDIUM

Miniserie: Bahn frei für die Batterieforscherinnen!

Reine Männerteams in den Entwicklungsabteilungen und MINT-Studiengänge mit nur wenigen Frauen: In Deutschland ist das teilweise immer noch Realität. Nur 28 Prozent der Forschenden sind nach Angaben des statistischen Bundesamtes weiblich, und damit gehört die Bundesrepublik im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern. clicKIT hat mit Frauen gesprochen, die sich trotzdem für die Batterieforschung entschieden haben. Heute: Filiz-Pinar Seren.

Text: Martin Heidelberger
Fotos: Amadeus Bramsiepe, KIT

Filiz-Pinar Seren, *2000, studiert Materialwissenschaft und Werkstofftechnik am KIT und hat gerade ihre Bachelorarbeit zu Aspekten der neuartigen Natrium-Ionen-Batterien abgegeben. Als Leistungssportlerin weiß sie, dass man viel Ausdauer braucht, um Erfolg zu haben.

Warum haben Sie sich für ein naturwissenschaftliches Studium entschieden und wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Filiz-Pinar Seren: Für mich gab es eigentlich nie eine andere Option, als Ingenieurin oder Naturwissenschaftlerin zu werden. Seit ich denken kann, interessiere ich mich für technische Innovationen, und in der Schule haben mich vor allem Fächer wie Chemie oder Physik in diesem Interesse bestärkt. Von meiner Familie wurde ich immer ermutigt, es damit zu versuchen, und auch meine ältere Schwester hat sich für die Naturwissenschaften entschieden. Meine Freunde haben sowieso nie daran gezweifelt, dass ich es schaffe. Auf Skepsis bin ich also nicht gestoßen – sie hätte mich aber auch nicht aufgehalten.

Was reizt Sie speziell an der Batterieforschung?

Filiz-Pinar Seren: Es ist offensichtlich, dass wir unsere Lebensweise viel nachhaltiger gestalten müssen, als es heute der Fall ist. Mich interessieren deshalb fortschrittliche Projekte und Ideen, die dazu beitragen, dass es überhaupt eine lebenswerte Zukunft gibt. Die Batterieforschung ist definitiv eines dieser großen Projekte. Chemische Energiespeicher sind äußerst vielseitig einsetzbar und sie sind unter anderem die Voraussetzung für ein Gelingen der Energiewende. Allerdings brauchen wir noch nachhaltigere Materialien und neue Ansätze. Um hier Lösungen zu finden und diese Entwicklung zu unterstützen, möchte ich in diesem Feld arbeiten.

Filiz-Pinar Seren sitzt auf einem Labortisch und schaut lächelnd in die Kamera.
Filiz-Pinar Seren interessiert sich für fortschrittliche Projekte und nachhaltige Ideen. In der Batterieforschung kann sie daran arbeiten, klima- und umweltfreundliche Lösungen zu entwickeln. (Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT)

Was sind Ihre bisherigen Erfahrungen als Frau in der Forschung?

Filiz-Pinar Seren: Ich bin zwar erst seit kurzem in diesem Forschungsfeld tätig, habe selbst immer Gleichberechtigung erfahren und diese auch bei den anderen Mitarbeiterinnen feststellen können. Bislang kenne ich natürlich nur die Perspektive einer Studentin am KIT sowie meine Erfahrungen bei einigen Praktika, deshalb kann ich die Situation in der Batterieforschung insgesamt wahrscheinlich nicht beurteilen. Allerdings glaube ich, und das bestätigen auch meine Kommilitoninnen, dass sich dringend etwas in den Schulen ändern sollte: Die ingenieurwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Studiengänge werden bei den Mädchen auf jeden Fall nicht genug beworben.

Denken Sie sich einmal ein Jahrzehnt in die Zukunft, wie und wo wollen Sie dann arbeiten?

Filiz-Pinar Seren: Ich kann mir gut vorstellen, in zehn Jahren noch an Energiespeichersystemen zu arbeiten, aber wahrscheinlich in einem Unternehmen. Es könnte etwas mit Luft- und Raumfahrt zu tun haben, beispielsweise mit emissionsfreiem Fliegen. Ob ich dann an Batterien, Brennstoffzellen oder etwas Anderem forsche, was bis dahin entdeckt wird, das weiß ich natürlich noch nicht. Ich wünsche mir aber auf jeden Fall eine gute Arbeitsatmosphäre sowie Gleichberechtigung und kann mir auch sehr gut eine Führungsposition vorstellen.

Im ersten Teil der Miniserie „Bahn frei für die Batterieforscherinnen“ spricht clicKIT mit Anna Smith, Batterieforscherin und Arbeitsgruppenleiterin am KIT.

Donnerstag, 11. November, 2021
  GESICHTER, STUDIUM


Geschrieben von: Martin Heidelberger