ARBEITSWELT, GESICHTER, RAUSGESCHAUT, STUDIUM

Masterarbeit im Freizeitpark

Durch Spanien und Russland zum Arbeitsplatz, umgeben von laut kreischenden Menschen und in der Mittagspause Achterbahn fahren – Martin Böhme, Student des Wirtschaftsingenieurwesens am KIT, schreibt seine Masterarbeit im Europa-Park, dem größten Freizeitpark Deutschlands. Sein Thema: ein Konzept zur Elektrifizierung der Panoramabahn mit der Besucher zwischen den Attraktionen des Parks pendeln.

Fotos: Amadeus Bramsiepe
Text: Sandra Wiebe

 

Martin kommt aus Freiburg und war schon als Kind häufiger mit seinen Eltern im Europa-Park. 2017 bekam er von seiner Freundin eine Jahreskarte geschenkt. Als er dann das Thema für die Masterarbeit auf Facebook entdeckte, war ihm sofort klar: „Darauf muss ich mich bewerben!“ Gesagt, getan. Jetzt ist Martin mehrmals im Monat im Europa-Park, um dort sein Konzept für die Elektrifizierung der Panoramabahn zu entwickeln.

 

 

Die Idee dazu hatte Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung  des KIT: „Beim letzten Parkbesuch mit meiner Familie sind wir mit der Panoramabahn gefahren. Da dachte ich nur „Nee, fährt die wirklich noch mit Diesel?“. Und schon hatte ich den Anknüpfungspunkt gefunden, was in der Elektrotechnik zu machen.“

Die Panoramabahn ist seit 1975 in Betrieb, wird mit insgesamt fünf Bahnen befahren und verbindet die vier Themenbereiche Deutschland, England, Spanien und Russland. „Die Umstellung vom Diesel- zum Elektroantrieb soll die Umwelt schonen, weniger Lärm verursachen und eine bessere Wartung ermöglichen“, zählt Martin die Vorteile auf.

 

 

Bei der Umrüstung gilt es einiges zu beachten: „Im Park gibt es viele Bahnübergänge, deshalb können wir keine Oberleitungen verwenden“, so Martin. Seine alternative Idee: Energiespeicher wie Batterien oder Doppelschichtkondensatoren einzusetzen. „Dazu muss ich mir beispielsweise überlegen, wo die Bahnen aufgeladen werden sollen. Wenn man sie in den Bahnhöfen lädt, entstehen offene Ladekontakte, über die jeder drüber laufen könnte. Wir müssen dabei für die Sicherheit der Parkbesucher sorgen.“ Auch die für einen Freizeitpark wichtigen Details – den Dampf, der aus der Lokomotive kommen soll, und die üppige Beleuchtung, gerade zu Weihnachten – muss Martin mit einbeziehen.

 

Die ganze Tour der Panoramabahn als Onride-Video:

 

„Ich schreibe meine Arbeit sowohl am KIT als auch direkt vor Ort im Europa-Park. Bei der Entwicklung meines Konzepts kann ich so sowohl auf das Wissen der Elektrotechniker am KIT als auch der Mitarbeiter des Europa-Parks zugreifen. Das ist für mich eine hilfreiche und spannende Kombination. Und in der Mittagspause darf ich dann außerdem Achterbahn fahren“, lacht Martin.

 

Wollen die Panoramabahn elektrisieren, v.l.n.r.: Martin Böhme (KIT), Hannes Stoll (Betreuer der Masterarbeit, ITIV/KIT), Eric Sax (Leiter des ITIV/KIT), Marco Schroth (Betriebsleiter Elektrotechnik Europa-Park), Christian Hirt (Technischer Leiter Europa-Park) (Bild: Amadeus Bramsiepe/KIT)

 

Die Masterarbeit ist nicht die erste Kooperation zwischen dem KIT und dem Europa-Park. Zum Wintersemester 2017 erlebten die Erstsemester der Fakultät für Maschinenbau ihren Studienstart im Europa-Park, um erste praktische Anwendungsfelder der Ingenieurswissenschaft kennenzulernen. Seit 2012 fördert der Europa-Park-Inhaber Roland Mack, selbst ehemaliger Student der Technischen Universität Karlsruhe, einer Vorläuferin des heutigen KIT), zusammen mit dem KIT Studierende mit dem Roland-Mack-Maschinenbau-Stipendium. Außerdem haben Studierende des KIT die Möglichkeit, in dem Freizeitpark Praktika zu machen. Wie sich so ein Praktikum zwischen Achterbahnen und Hotels anfühlt, erklären die Praktikanten des Europa-Parks im Video:

 

 

Montag, 20. August, 2018
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Sandra Wiebe

Geschrieben von: Sandra Wiebe
Sandra Wiebe studierte Germanistik am KIT und ist seit Juli 2017 als Volontärin in der Abteilung Strategische Entwicklung und Kommunikation – Gesamtkommunikation am KIT angestellt.