Raphael Pesch posiert für ein Selfie in seinem Labor.

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Masterarbeit am MIT: Was Eigenes machen

pesch@mit.edu: Diese Mailadresse ist 1 200 US-Dollar wert. Zum Glück musste Raphael Pesch nicht selbst zahlen, sondern sein Institut vor Ort. Aber eigenes Geld, viel Vorbereitungszeit und den Mut es auszuprobieren brauchte er, um am Department of Mechanical Engineering des Massachusetts Institute of Technology (MIT) seine Masterarbeit machen zu können.

Am MIT ist in der Forschung nicht alles anders, aber einiges schon. Das konnte Raphael, Masterabsolvent der Elektro- und Informationstechnik des KIT, gleich in den ersten Wochen feststellen. Die Regel ist einfach: Wer zahlt, sagt an. Das betraf auch das Thema seiner Masterarbeit. Als „Visiting Student“ musste er Gelder mitbringen. Maximal 49 Prozent dürfen selbst finanziert sein, mindestens 51 Prozent müssen fremdfinanziert werden. Rund 25 000 US-Dollar Sicherheiten erwartet das MIT für sechs Monate. Dafür antwortete ihm aber sein betreuender Professor Mathias Kolle auf die Frage, was das Thema seiner Masterarbeit sein solle: „Du hast dein eigenes Geld mitgebracht, mach was du möchtest, ich unterstütze dich.“

Am Anfang sei das ungewohnt gewesen. „Dann hatte ich aber so eine Art Schlüsselmoment, wo ich mir etwas Sinnvolles ausgedacht habe“, erzählt Raphael. Allein gelassen wurde er bei seiner Suche nicht. Wöchentlich trifft er sich mit seinem Professor zu zweistündigen Sessions, in denen sie seine Ideen auf Umsetzbarkeit und Relevanz abgeklopfen.

Qualität geht vor Quantität

Die Forschung laufe am MIT schon anders. Nicht, dass die Ausstattung sonderlich besser wäre, aber: „In meiner Forschungsgruppe wird sehr viel Wert auf qualitativen Output gelegt, sprich Publikationen in sehr renommierten Zeitschriften.“ In einer Veröffentlichung stecken im Schnitt rund drei bis vier Jahre Forschungsarbeit. „Das Forschungsumfeld ist krass“, sagt er. „Die Leute in meiner Abteilung sind echt fit im Kopf. Die Ideen, die man von ihnen bekommt, sind sehr gut.“

Kein Wunder, die meistens müssen erst einmal Geldgeber von ihrer Idee überzeugen, ehe sie mit der Arbeit beginnen können. Er selbst beschäftigt sich mit einem dehnbaren Kunststoffmaterial, dass dank einer speziellen optischen Eigenschaft die Farbe wechselt, sobald es gedehnt wird. Raphael untersucht den Einsatz des Materials in der Softrobotik, zum Beispiel als Material für Greifer, aber auch in der Detektion von Zellen.

Master am MIT: mit Plan und Ausdauer machbar

Dass er ein Semester im Ausland machen wollte, war für ihn von Anfang an klar. Aber dass es am Ende das MIT wurde, war letztendlich Zufall. Als HiWi am Lichttechnischen Institut (LTI) des KIT begann er am Anfang seines Masterstudiums zum ersten Mal mit seinem betreuenden Professor Ulrich Lemmer über die Idee zu sprechen. Ein Doktorand im LTI hatte bereits eine Publikation mit Professor Kolle veröffentlicht. Lemmer vermittelte ihm den Kontakt, so bekam er den Fuß in die Tür.

„Der Rest“ waren eine Menge Organisation und viel Ausdauer. Rund zwei Jahre dauerte seine Bewerbung. Das sei allerdings ohne Corona auch in drei bis sechs Monaten zu schaffen. „Also ruhig probieren“, rät Raphael anderen Studierenden. Wie es geht, erklärt er auf seinem YouTube-Nachhilfekanal für Elektrotechnik BrainGain.

Text: Regina Link
Fotos: privat

BrainGain
Wie berechne ich eine Gitterkonstante, wie stelle ich eine Funktionstabelle auf und was ist das Hurwitzkriterium? Wichtige Fragen für angehende Elektro- und Informationstechnikerinnen und –techniker. Das wissen auch die beiden Studenten Raphael und Sören, die ihr Fachwissen auf ihrem YouTube-Kanal BrainGain in praktischen Lernvideos teilen.

Donnerstag, 28. April, 2022
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Geschrieben von: Regina Link