GESICHTER, INTERNATIONAL, RAUSGESCHAUT, STUDIUM

KIT-Studis im Ausland: Steffen Wilhelm in China

Steffen Wilhelm studiert Wirtschaftsingenieurwesen am KIT. Seine Masterarbeit schreibt er momentan am Global Advanced Manufacturing Institute (GAMI) – einer Außenstelle des wbk Instituts für Produktionstechnik des KIT in Suzhou, China. Wieso er gerade dorthin wollte und wie es ihm in den ersten zwei Monaten ergangen ist, erzählt er unserer Volontärin Sandra Wiebe.

Fotos: Steffen Wilhelm
Text: Sandra Wiebe


Wieso wolltest du deine Masterarbeit in China schreiben?
Bereits während meines Bachelorstudiums habe ich Vorlesungen vom wbk Institut für Produktionstechnik des KIT besucht. Dort wurde Werbung für den Chinaaufenthalt gemacht. Schon damals habe ich mich sehr stark dafür interessiert und mir das für den Master vorgenommen. Zwischendurch war ich dann über Erasmus, ein Austauschprogramm für Europa, in Frankreich. Da habe ich gemerkt, dass es unglaublich wertvoll ist, aus Deutschland herauszukommen und neue Erfahrungen zu sammeln. Wenn man über die europäischen Grenzen hinausgeht, ist das natürlich noch einmal in einem ganz anderen Maß möglich. Deshalb wollte ich unbedingt nach China. Außerdem passt das Programm des Instituts thematisch hervorragend zu meinem Studium – meine Schwerpunkte liegen auf den Themen Produktion und Logistik. Es ist also optimal!

Mit welchen Ängsten und Herausforderungen bist und warst du konfrontiert?
Eine Reise in ein fremdes Land ist immer eine Reise ins Ungewisse. Es ist schlussendlich ein Verlassen der eigenen Komfortzone. Ich habe mich vorher mit der Kultur und den Lebensumständen nur in geringem Maße beschäftigt. Ich war dann schon gespannt, was da auf mich zukommt. Ich habe aber natürlich gewusst, dass ich während meines Aufenthaltes in China nicht auf mich allein gestellt bin, sondern das GAMI mich unterstützt.

In der Regel fahren in einem Semester fünf Studierende nach China. Hattest du Sorge, dass ihr euch nicht versteht?
Man kommt mit fünf anderen Studierenden des KIT hierher. Da man sich in der Regel nicht zusammen bewirbt, kennt man sich in den meisten Fällen auch nicht. Man wohnt dann aber gemeinsam in WGs, man arbeitet zusammen, man unternimmt gemeinsame Reisen. Es ist dann schon von Vorteil, wenn man sich versteht. Ich habe bisher mit meinen Kommilitonen sehr positive Erfahrungen gemacht. Es funktioniert super! Wann man nach China geht, sollte man auch ein offener Mensch sein und sich gut auf andere einstellen können. Dann sind die Kommilitonen aus Karlsruhe nur eine kleine Herausforderung.

Und was sind die großen Herausforderungen?
Das Internet hier ist sehr stark vom Staat zensiert. Viele Seiten funktionieren überhaupt nicht oder nur sehr langsam. Das beeinträchtigt natürlich die Literaturrecherche für die Masterarbeit. Zwar lassen sich viele Seiten mithilfe eines VPN-Zugangs aufrufen, allerdings funktioniert der KIT-VPN in China nicht, sodass man beispielsweise für den Bibliothekszugang auf Hilfe aus Deutschland angewiesen ist.
Wir müssen uns hier außerdem auf andere Bezahlsysteme umstellen. Die Chinesen bezahlen fast alles über das Handy, etwa mit WeChat Pay. WeChat ist das WhatsApp/Facebook/Instagram von China und wird beispielsweise auch für die Buchung von Zugtickets benötigt. Diese Systeme sind aber eigentlich nur für Chinesen ausgelegt – man braucht dafür ein chinesisches Bankkonto. Über Umwege und mithilfe der chinesischen Kolleginnen und Kollegen können wir Geld auf unser WeChat-Konto laden und es so auch nutzen.
Eine weitere Herausforderung sind die großen Entfernungen. Selbst innerhalb der Stadt braucht man oft bis zu zwei Stunden, um mit den öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwohin zu gelangen. Das unterschätzt man leicht und man muss einfach viel mehr Zeit für irgendwelche Unternehmungen einplanen.

Wie gefällt es dir bisher?
Mit gefällt es super gut! Wir haben in den ersten Wochen schon sehr viele Dinge unternommen. Wir sind an den Wochenenden viel gereist und haben richtig viel vom Land gesehen. Wir haben das unterschiedlichste chinesische Essen ausprobiert und sind in die Kultur so richtig eingetaucht. Auch die Arbeit im Büro ist sehr angenehm. Man wird herzlich empfangen und bekommt auch jede Unterstützung. Beispielsweise muss man sich bei der Polizei registrieren. Dabei begleitet einen dann eine chinesischsprachige Kollegin. Neben meiner Masterarbeit, die ich hier schreibe, lernen wir außerdem die tägliche Arbeit am GAMI kennen. Das ist sehr spannend! Wir bekommen Einblicke in die Beratungsarbeit und sind selber Projektmitglieder.

Was war der größte Kulturschock für dich?
Die Tiere in den Supermärkten! Hier gibt es lebende Fische, Krabben, Quallen, Schildkröten und auch manchmal Enten. Das ist schon völlig anders als in einem deutschen Supermarkt.

Welche Unterstützung gibt es vom KIT?
Das KIT bietet ein Rundumsorglos-Paket für den Aufenthalt in China. Es fängt damit an, dass man bei allen Formalien Unterstützung bekommt: bei der Flugbuchung, bei der Visabeantragung, bei allen Dingen, die im Vorhinein geklärt werden müssen. Alle Studis, die nach China fahren, bemühen sich aber auch um Stipendien. Sollte man keines bekommen, bleibt man nicht auf den Kosten sitzen. Dann springt das wbk ein und erstattet beispielsweise die Flug- und Visumskosten.
Zu dem Rundumsorglos-Paket gehört außerdem, dass wir in Suzhou eine Wohnung gestellt bekommen, für die wir nur die Nebenkosten bezahlen müssen. Die Kosten halten sich also in einem überschaubaren Rahmen und man weiß von Anfang an, wo man wohnen wird. Das ist sehr angenehm. Wir kriegen außerdem noch eine kleine monatliche Unterstützung in Form eines Hiwi-Vertrages. Das reicht zum Leben, für das Alltägliche. Für die Unternehmungen und Reisen muss man dann aber natürlich noch etwas obendrauf legen.


Möchtest du auch im Studium über den Tellerrand gucken? Mehr Informationen zum GAMI findest du unter: www.wbk.kit.edu/gami-studentenprogramm.php

Ausland ja, aber nicht China und keinen Draht zur Produktionstechnik? Weitere Anregungen findest du beim International Students Office: www.intl.kit.edu/ostudent

Montag, 11. Februar, 2019
  GESICHTER, INTERNATIONAL, RAUSGESCHAUT, STUDIUM


Avatar

Geschrieben von: Sandra Wiebe
Sandra Wiebe studierte Germanistik am KIT und ist seit Juli 2017 als Volontärin in der Abteilung Strategische Entwicklung und Kommunikation – Gesamtkommunikation am KIT angestellt.