CAMPUS, GESICHTER

Hoch hinaus: Ein Besuch bei der DAAD-Preisträgerin

Ihre Noten: Ausgezeichnet. Ihr Lebenslauf: Bemerkenswert. Ihr Engagement: Überdurchschnittlich. Als ich mich auf das Interview mit Andreea-Roxana Tulbure vorbereite und die Fakten über sie zusammentrage, bin ich beeindruckt. Ich habe viele Fragen an sie und bin gespannt auf das erste Treffen mit der 24-Jährigen. Das KIT verleiht ihr den mit 1000 Euro dotierten DAAD-Preis für besonders engagierte internationale Studierende.

 

Text: Lena Hofmann
Fotos: Patrick Langer

 

Wir verabreden uns in der Werkstatt der Akaflieg, kurz für Akademische Fliegergruppe. Dort ist sie seit 2015 Mitglied, seit 2017 als Schriftwart im Vorstand und damit zuständig für Kommunikation, Sponsoring und Mitgliederwerbung. Ich höre sie, bevor ich sie sehen kann: Andreea sucht gerade etwas, als ich um die Ecke komme. „Das Fototeam ist noch mit dem Aufbau beschäftigt“, sagt sie und gibt mir strahlend die Hand – die Energie sprüht aus ihren grünbraunen Katzenaugen. Sie hat einen festen Händedruck. „Wollen wir rüber gehen?“, fragt sie, während sie sich schon umdreht und schnellen Schrittes Richtung Werkstatthalle läuft. Sie trägt ein königsblaues Polohemd mit dem Akaflieg-Logo und eine schwarze Jeans. Ihre langen braunen Haare hat sie locker zu einem Zopf geflochten.

 

„Wenn man mich fragt, wo meine Heimat ist, sage ich: Europa“
Wir gehen durch eine kleine Halle, in der zwei junge Männer an einem Flugzeugflügel arbeiten, und weiter in den vorderen Teil der Werkstatt. Andreea und ich unterhalten uns, während der Fotograf und zwei Assistenten den Blitz und das Licht einstellen. „Deine Muttersprache ist Ungarisch, geboren bist du in Rumänien – wie funktioniert das?“, frage ich neugierig. „Ich bin zwar dort geboren, aber meine Kindheit habe ich in Clausthal verbracht, das ist in Niedersachsen. Meine Eltern waren dort Dozenten an der Uni. Zuhause haben wir deutsch gesprochen, mit meinen Großeltern ungarisch“, erzählt sie. Als die Familie nach zehn Jahren wieder zurück nach Rumänien zog, musste Andreea die ganzen Sommerferien über Rumänisch lernen, um dort in die 5. Klasse gehen zu können. „Das fand ich natürlich nicht so toll“, räumt sie ein. Sie habe sich die ganze Schulzeit über schwer mit der Sprache getan – und schrieb dann in der Abschlussprüfung die beste Note im Fach Rumänisch.

 

 

 

„Ich habe schon als Kind vom Fliegen geträumt“
Wie sie zum Fliegen kam, will ich von ihr wissen – dort wie hier ein besonderes Hobby, das nicht gerade viele Menschen haben. „Findest du? In Deutschland gibt es gar nicht so wenige Segelflieger. Als ich hier das erste Mal geflogen bin, war ich mit zehn anderen in der Luft. Meinen Schein habe ich ja in Rumänien gemacht, dort gibt es nur etwa 200 aktive Flieger.“ Bezahlen musste sie dafür nichts: Ist man unter 23 Jahre alt, übernimmt das Militär die Kosten für die Ausbildung. „Normalerweise kostet ein Flugschein 2.000 Euro“, ergänzt sie. „Fast so teuer wie der Führerschein“, bemerke ich erstaunt. Andreea lacht: „Fast. Der Führerschein kostet in Rumänien 200 Euro.“

 

„Roboter erinnern mich an Kinder“
Nachdem sie ihr Bachelorstudium in Rumänien abgeschlossen hatte, schrieb sie sich am KIT für ein Masterstudium in Informatik ein. Ihre Masterarbeit macht die Studentin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik (DLR) in München. Ihr Thema liegt im Fachgebiet Robotik. Warum gerade da? „Weil ich es spannend finde, wie Roboter lernen. Man zeigt ihnen etwas, zum Beispiel ein Material, und sagt ‚Hier, schau, das ist Holz. Und das ist Metall.‘ Am Ende machst du einen Test und der Roboter ist in der Lage dir zu sagen, welches Material er gerade untersucht. Das ist einfach faszinierend!“

 

„Mein nächstes Ziel sind die USA“
Mit dem Preisgeld möchte die Segelflugpilotin reisen – nach ihrer Masterarbeit soll es entweder nach Island oder nach Neuseeland gehen. „Und danach?“, frage ich. Sie wolle gerne einige Zeit in die USA, ans MIT oder nach Stanford. „Einer meiner Träume wäre es, bei der NASA zu arbeiten“, sagt sie. Ich zweifle nicht daran, dass sie sich diesen Traum erfüllen wird.

Montag, 5. März, 2018
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Geschrieben von: Gastautor