FORSCHUNG

Gute Frage: Fahren wir bald alle elektrisch?

Rohstoffe und Energie verteuern sich drastisch – und damit auch das Autofahren. Wird sich die direkte, kostengünstige und umweltschonende Nutzung von elektrischer Energie also jetzt noch schneller verbreiten? Wir haben beim Experten nachgefragt. Martin Doppelbauer forscht am KIT an elektrischen Antrieben für Automobile, Pedelecs und Nutzfahrzeuge.

Herr Doppelbauer, fahren wir bald alle elektrisch?

Elektroautos gibt es zwar schon seit über 100 Jahren, aber erst mit der Lithium-Ionen-Batterie ist es gelungen, hohe Reichweiten, schnelles Laden und lange Lebensdauer in Kombination zu ermöglichen. Elektroantriebe sind heute eine echte umweltfreundliche Alternative zu Verbrennungsmotoren. Gerechnet auf eine typische Lebensdauer von 160 000 Kilometern und angesichts des deutschen Strommix spart man rund ein Drittel an CO2-Emissionen – mit Strom aus der eigenen Fotovoltaikanlage sogar rund die Hälfte. Lokale Emissionen in den Städten entfallen vollständig und die Lärmbelastung ist gerade im langsamen Stadtverkehr geringer.

Aber Elektroautos sind nicht nur sauberer als Verbrenner, sie machen Spaß: hohes Beschleunigungsvermögen, keine Kupplungsunterbrechung, tiefer Schwerpunkt, großer Koffer- und Fahrgastraum! Obendrein sind sie dank des stabilen Fahrgestells und dem Wegfall des schweren Motorblocks sicherer. Und schließlich vor allem im Unterhalt preiswerter. Denn Strom ist günstiger als Benzin oder Diesel und es fallen kaum Servicekosten an.

Überall in Europa entstehen neue Schnellladeparks. Es ist heute kein Problem mehr, mit dem Elektroauto von Gibraltar ans Nordkapp zu fahren. Die Vorteile von Elektroautos haben auch die Automobilhersteller erkannt und bieten immer mehr Modelle an. Fast alle Hersteller planen bereits ein Entwicklungs- und Produktionsende für Verbrennungsmotoren. Daher bin ich sicher, dass wir in einigen Jahren fast alle elektrisch fahren werden. In Norwegen kann man das heute schon beobachten: Dort hatten rein batterieelektrische Autos im dritten Quartal 2021 einen Marktanteil von über 86 Prozent bei Neuwagenkäufen.

Ihr habt auch eine „Gute Frage“ zu einem Forschungsthema? Dann schickt sie gerne an clicKIT-Magazin@sek.kit.edu und wir versuchen, die richtige Person am KIT zu finden, um sie zu beantworten.

Martin Doppelbauer im Videointerview zum Thema „Nachhaltige Mobilität“:

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https://youtu.be/_9nMGNJplyE

Zur Person
Martin Doppelbauer ist Professor für Hybridelektrische Fahrzeuge am Elektrotechnischen Institut (ETI) des KIT. Seine Leidenschaft für Elektromotoren ist nicht nur beruflicher Natur, Doppelbauer fährt auch seit über zehn Jahren selbst elektrisch – aus Überzeugung.

Text: Martin Doppelbauer, Felix Mescoli
Fotos: Amadeus Bramsiepe, KIT

Donnerstag, 19. Mai, 2022
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Geschrieben von: Gastautor