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Gründen? Einfach machen!

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Durchgestartet: Florian Wehner hat am KIT studiert und war Mitglied der Hochschulgruppe KA-RaceIng. Heute ist er Geschäftsführer einer von ihm mitgegründeten Firma, der Vectoflow GmbH, die auch im Rennsportbereich tätig ist.

Fotos: KIT, Richard Grams
Text: Denis Elbl

 

 

Vom Erfolg von KA-RaceIng zeugen zahlreiche Siege und Spitzenplatzierungen in der Formula Student, in der die Hochschulgruppe des KIT nicht nur in den Konstruktionswettbewerben für Verbrenner- und Elektro-Motoren teilnimmt, sondern seit 2017 auch in der neuen Kategorie für autonome Fahrzeuge. Bisheriger Höhepunkt war 2016 der Gesamtsieg in der Formula Student Electric.

Bevor KA-RaceIng im Sommer 2018 wieder ins Renngeschehen eingreift, fiebern das Team und seine Fans einem anderen Termin entgegen: dem Rollout am 26. April. clicKIT-Autor Denis Elbl hat sich vor der feierlichen Vorstellung der neuen Modelle mit dem ehemaligen Teammitglied Florian Wehner unterhalten. In den Jahren 2008 bis 2010 war er im Subteam Fahrwerk, im Jahr 2011 im Subteam Elektrischer Antriebsstrang als Teamleiter tätig. Unter seine Ägide fällt der erste Gesamtsieg von KA-RaceIng in einem Wettbewerb der Formula Student Electric: 2011 mit dem KIT11e in Italien.

 

Herr Wehner, Ihr Unternehmen hat sich auf fluiddynamische Messtechnik spezialisiert. Was müssen sich Laien darunter vorstellen?
Kurz gesagt: Wir können unseren Kunden sagen, wie der Wind weht. Wir bauen verschiedene Arten von Druckmesssonden, die Richtung und Geschwindigkeit einer Strömung bestimmen können. Sie werden überall eingesetzt, wo sich Luft bewegt: In großen Turbomaschinen, Flugzeugtriebwerken, an Flugzeugen, in Windkanälen und auch im Motorsport. Das Besondere an unseren Sonden ist, dass sie 3D-gedruckt werden. Hauptsächlich aus Edelstahl, Titan oder Nickelsuperlegierungen. Dadurch sind sie besonders robust und gut an die Wünsche der Kunden anpassbar.

 

Wo ist die Verbindung zwischen Formel-1-Rennsport und Vectoflow?
Wenn man genau hinschaut, sieht man auf der Nase jedes Formel-Eins-Fahrzeugs vor dem Fahrer eine Sonde, die während des Rennens Geschwindigkeit und Richtung der Strömung misst. Auch wenn es nicht so aussieht: In Kurven kommt die Luft nämlich nicht mehr von vorne, sondern leicht von der Seite. Diese Sonden sind zum Teil von uns entwickelt und extrem wichtig für die laufende Aerodynamikentwicklung der Teams. Daneben bauen wir noch eine Vielzahl von anderen Sonden für die Teams. Einige wird man als Zuschauer nie zu sehen bekommen.

Die Zusammenarbeit mit den Teams ist sehr interessant, da man in der Aerodynamik sehr kreative Ideen austauscht. Natürlich geben wir nie etwas zwischen den Teams weiter. Aber wir wissen ganz gut wer bei der Messtechnik die Nase vorn hat.

 

Was haben Sie am KIT studiert?
Maschinenbau mit der Vertiefung Produktentwicklung und Leichtbau. Danach habe ich direkt im Anschluss noch einen MBA am Collège des Ingénieurs am Standtort München drangehängt, da meine Zeit bei KA-RaceIng mein Interesse für BWL und Management geweckt hat.

 

 

Inwieweit haben Sie Ihr Studium am KIT und Ihre Tätigkeit bei KA-RaceIng auf Ihre heute berufliche Tätigkeit vorbereitet? Oder, etwas zugespitzt: War KA-RaceIng Ihr Sprungbrett in die Formel 1?
Für mich war die Mischung aus Studium und KA-RaceIng genau das richtige. Viele theoretische Grundlagen aus den Vorlesungen haben in der Formula Student plötzlich eine praktische Anwendung gefunden. Wer nur studiert, ohne etwas nebenbei zu machen wird diese Erfahrung wahrscheinlich erst deutlich später machen.

Bei KA-RaceIng habe ich unglaublich viele Softskills mitbekommen, die es sonst nirgendwo gibt. Hätte mir am Anfang meines Studiums jemand gesagt, dass ich zweimal den Rollout von KA-RaceIng moderieren würde, hätte ich das nicht geglaubt. Heute stehe ich immer mit Freude und einem schönen Lampenfieber vor Publikum – lasse aber meistens meiner Mitgründerin Katharina den Vortritt, da das genau ihre Rolle bei Vectoflow ist.

Was bei KA-RaceIng besonders ist: In einem Team zu arbeiten, in dem niemand durch ein Gehalt, sondern nur intrinsisch motiviert wird, hilft mir auch heute noch in meinem Team bei Vectoflow – auch wenn hier selbst Werkstudenten ein gutes Auskommen haben. Besonders Vertrauen und Offenheit sind für mich sehr wichtig.

Daneben habe ich viel technisches Wissen sammeln können, um heute bei Vectoflow für die Entwicklung und Fertigung der 3D-gedruckten Sonden verantwortlich zu sein. Mit diesem Wissen kann ich heute mit den Aerodynamikchefs von F1-Teams auf Augenhöhe diskutieren.

 

Stichwort Gründen: Welche Tipp haben Sie für heutige Studierende?
Machen! Es ist wirklich so einfach. Wer heute eine gute Idee hat, bekommt auch das nötige Kapital, um diese zu testen und umzusetzen. Vor allem Förderprogramme wie EXIST nehmen 100 Prozent des Risikos – eine Sache, über die wir als Deutsche zu gerne nachdenken.

Wenn man die Entscheidung gefasst hat: Schnell einen minimalen Prototypen zusammenbauen und sofort damit zu den Kunden gehen, Feedback sammeln und in die nächste Runde gehen. Wenn alle Kunden sagen, „Brauchen wir nicht, haben wir schon“, würde ich direkt aufhören. Wenn die Kunden sagen, „Das geht nicht, das haben wir selber schon versucht“, kann dies eine echte Goldmine sein.

Wenn es dann doch nichts wird: Ein gescheitertes Start-up ist eine Erfahrung, die ein Angestellter im Konzern nie machen kann. Die Einstellung ist eine ganz andere. Für mich ist das ein großer Pluspunkt im Lebenslauf.

 

Was gilt es zu beachten, welche Fehler zu vermeiden?
Die Liste ist lang. Das Wichtigste ist der Kunde. Danach kommt alles andere. Deswegen sollte jeder auch direkt mit Marketing und Vertrieb anfangen – auch ohne fertige Lösung in der Schublade.

Fehler vermeidet man, indem man aus den Fehlern anderer lernt – sonst muss man sie selber machen. Wenn eine Idee ganz neu ist, geht es nicht anders, als sehr schnell viele kleine Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Es ist eine gute Idee, sich einen Gründer oder ein Start-up als Mentor zu suchen, das mit einem ähnlichen Geschäftsmodell ein paar Jahre voraus ist. Daraus lernt man schnell und hat jemand, dem man auch mal ganz banale Fragen stellen kann.

Was ich ganz oft sehe: Start-ups, die denken, dass sie die einzigen mit einer Idee sind und es keinen Wettbewerb gibt. Das ist nie der Fall.

Ein Kunde will nie nur ein Produkt kaufen, sondern ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Ein einfaches Beispiel zum Nachdenken: Die Konkurrenz von Harley Davidson sind Golfclubs und Whirlpoolhersteller – was will der Kunde?

 

Selber Lust Rennluft zu schnuppern? Dann besuch doch die Webseite von KA-RaceIng.

Mehr zur Arbeit von Florian Wehner findes du direk bei Vectoflow .

Montag, 23. April, 2018
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Geschrieben von: Gastautor