Studierende sitzen in einem Hörsaal. Am Pult im hinteren Teil des Bildes hält ein Mann einen Vortrag. Auf der Folie eine Power-Point-Präsentation steht "Lehramt studieren am KIT".

  CAMPUS, STUDIUM

Ein Bündel Hilfe

Wer früher „auf Lehramt“ studierte, fand oft nur zwischen den Stühlen Platz: In den Fachwissenschaften galt man als Leichtgewicht, die Didaktik arbeitete mit Konzepten von anno Tobak, und die Lehrerseminare erinnerten an Bootcamps. Am KIT verläuft ein Lehramtsstudium zum Glück rundum anders. Die Angebote des Zentrums für Lehrerbildung tragen dazu ganz wesentlich bei.   

Text: Justus Hartlieb
Foto: Lukas Adler (ZLB)

Große Klassen, begrenzte Ausstattung, Verwaltungskram – und das jeden Morgen ab acht. Wer sich, meistens gerade selbst erst der Schulbank entwachsen, auf den Weg macht, den der Möglichkeit nach trotzdem immer noch wunderbaren Beruf der Lehrerin oder des Lehrers zu ergreifen, braucht Mut und eine Art innere Mission. Ebenso groß freilich ist der Bedarf an kompetenter Hilfestellung, um im Dickicht der universitären und staatlichen Bestimmungen, aber auch im Halbschatten des eigenen Entwicklungsganges zurechtzukommen.

Der Ort, an dem sich solche Hilfestellung bündelt ist am KIT das Zentrum für Lehrerbildung (ZLB). „Uns ist es wichtig, Lehrkräfte auszubilden, die das mitbringen, was man an den eigenen Lehrerinnen und Lehrern geschätzt hat oder umgekehrt sich von ihnen gewünscht hätte“, erklärt ZLB-Geschäftsführer Tobias Wunsch. „Allen Lehramtsstudierenden stehen wir deshalb bei ihren nicht-fachlichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite.“ Entsprechend ist das zum House of Competence gehörende ZLB als zentrale wissenschaftliche Anlaufstelle für die rund 900 Studierenden des höheren Lehramts an Gymnasien angelegt.

Von Ihren Erfahrungen am ZLB berichtet die Studentin Julia Müller

Ein kurzer Draht verbindet es mit den Fakultäten und Bereichen, aber auch mit externen Stellen wie dem Regierungspräsidium, dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung, dem Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte sowie mit den Schulen der Region. Kurz gesagt, am ZLB ist man richtig, ob man nun Deutsch oder Biologie oder sonst etwas studiert. (Eine Besonderheit stellt der interdisziplinäre Lehramtsstudiengang Naturwissenschaft und Technik dar; er wird vom ZLB koordiniert.)

Die Kunst des Informierens

Dem großen Bedarf an Information und Beratung begegnet das ZLB mit einer sorgfältigen Aufbereitung der großen Themen. Die reichen von der Studienwahl und den Spezifika der Studiengänge über das vom ZLB koordinierte bildungswissenschaftliche Begleitstudium bis zu Prüfungsfragen, von den Praxisphasen in Bachelor und Master über die Option Auslandsaufenthalt bis zum Einstieg in den Schuldienst. Wo die Webseiten trotz reicher Befüllung nicht ausreichen, stehen Beratungsformate von Mitarbeitenden des ZLB sowie Peer-to-Peer-Beratungen der studentischen Hilfskräfte zur Verfügung.

„Zum einen“, erläutert ZLB-Beraterin Rosa Scherer, „sprechen wir selbst mit den Studierenden, sei es unter vier Augen, sei es bei unseren regelmäßigen Informationsveranstaltungen. Zum anderen bieten wir unseren Studierenden an, sich zu Mentorinnen und Mentoren fortzubilden und ihr Wissen an die Erstsemester weiterzugeben.“   

Auch Student Maximilian Muth berichtet von seinen Erfahrungen am ZLB

Auch Student Maximilian Muth berichtet von seinen Erfahrungen am ZLB (1/2)
Maximilian Muth: Erfahrungen am ZLB (2/2)

Lehramtsstudierende forschen (auch)  

Nicht zuletzt ist das ZLB Drehscheibe und Impulsgeber in Sachen Forschungsorientierter Lehre: „Auch Lehramtsstudierende sollen forschend lernen und bei der Ausprägung eines forschenden Habitus unterstützt werden“, unterstreicht Tobias Wunsch. „Besonders am Herzen liegt uns dabei aus ZLB-Sicht die überfachliche Kompetenzentwicklung.“ Sich einbringen kann man beispielsweise beim Projekt digiMINT, das die digitalen Skills der nachrückenden Generation von Lehrkräften auf Vordermann bringt, oder in einem der Lehr-Lern-Labore des KIT, pädagogischen Sparringsplätzen mit Campusanbindung.

Zentrales Angebot im Forschungssegment des ZLB ist das „Beratungs-, Begleit- und Eignungsfeststellungsprogramm“ KAiAC-T. In dem kürzlich aufgelegten, gemeinsam mit der PH Karlsruhe betriebenen Projekt setzen Lehramtsstudierende sich im Verlauf ihres Bachelorstudiums intensiv mit den Anforderungen des Lehrberufs auseinander und entwickeln fachliche wie persönliche Kernkompetenzen. Frühzeitig – und manchmal rechtzeitig – finden sie dabei heraus, ob neben der inneren Stimme auch die Rückmeldungen der Außenwelt den Weg ins Klassenzimmer weisen. 

Donnerstag, 9. September, 2021
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Geschrieben von: Justus Hartlieb