Ein Modell des Bauentwurfs von roofKIT wird von zwei Personen zusammengesetzt. Von beiden Personen sieht man nur die Hände.

  CAMPUS, RAUSGESCHAUT

Die Stadt der Zukunft als Rohstofflager

Sozial-ökonomisch fairen Wohnraum schaffen, ohne unsere natürlichen Ressourcen zu zerstören, den Bausektor klimaneutral umgestalten und eine kreislaufgerechte Bauwirtschaft betreiben – wie geht das? Das aus Studierenden des KIT bestehende Team „RoofKIT“ widmet sich bei einem internationalen Hochschulwettbewerb diesen Fragen. Die teilnehmenden Teams konzeptionieren, planen und bauen zukunftsfähige Häuser, die Klimaschutz und Energiewende greifbar und erlebbar machen.

Text: Sandra Wiebe
Fotos: RoofKIT – SDE21/22

Mit einem Aufruf begann 2019 der Hochschulwettbewerb Solar Decathlon Europe 21/22 (SDE21/22). Die Teams haben nun bis zum Jahr 2022 Zeit, um ihre Projekte zu entwerfen, zu planen und aufzubauen. Im Anschluss an den Wettbewerb wird sich der SDE21/22-Campus in Wuppertal in ein “Living Lab” verwandeln, das die Forschung an einer ausgewählten Anzahl von Demonstrationseinheiten fortsetzt, die vor Ort in vollem Betrieb gehalten werden.

„Wir kommen während des Studiums eher weniger mit der direkten Baupraxis und -ausführung in Kontakt. Daher ist dieser Wettbewerb eine große Chance ein eigenes Projekt zu entwickeln, dass wir eins zu eins bauen dürfen“, freut sich Nadine Georgi, Studentin der Architektur am KIT und Mitglied von RoofKIT. „Wir sind davon überzeugt, dass wir durch neue stadtplanerische und architektonische Blaupausen eine soziale, ökonomische, ökologische und ästhetisch nachhaltige Zukunft verwirklichen können. Wir präsentieren Lösungen, die schon heute umsetzbar sind.“

Die Stadt von heute als Ressource für die Stadt von morgen

RoofKIT will zeigen, dass es möglich ist, den Gebäudesektor schon heute in ein funktionierendes Kreislaufwirtschaftssystem zu integrieren sowie architektonische und technische Lösungen für weltweite Herausforderungen wie den Klimawandel zu präsentieren, zu dem die Bauindustrie knapp 40 Prozent des CO2-Aufkommens maßgeblich beiträgt.

Das Team erstellt ein Konzept für die Dachaufstockung des Café ADA in Wuppertal. Dächer bieten ein großes Baulandpotenzial in Städten. Um dies zu demonstrieren, bauen Studierenden die wichtigsten Aspekte des Gesamtentwurfs in einer reduzierten Version auf dem Solar Campus in Wuppertal auf. Nach dem Abschluss der Eventphase verfolgt das Team das Ziel, die aufgebaute Demonstrationseinheit nach Karlsruhe umzuziehen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

RoofKIT möchte einen Bausatz entwickeln, der überall Anwendung finden kann, und neue Konstruktionssysteme und Materialien vorstellen. „Wir wollen die Menschen darauf aufmerksam machen, dass ein Wandel der Baubranche dringend notwendig ist“, sagt Nadine nachdrücklich. „Da die Stadt von heute die Ressource für die Stadt von morgen sein wird, hinterfragen wir alle bestehenden Konstruktionsdetails und entwickeln diese neu.“

Die Studierenden möchten beweisen, dass es schon heute möglich ist, Baumaterialien nicht nur ökologisch unbedenklicher und wirtschaftlich attraktiver zu machen, sondern auch technisch reiner und somit endlos recycelbar. „Das bedeutet aber auch, dass wir neue Arten der Konstruktion entwickeln und auf Baumaterialien umstellen müssen, die auf eine kreislaufgerechte Bauweise abzielen und einen problemlosen Rückbau ermöglichen“, erklärt Regina Gebauer, Student Team Leader des Projekts und ebenfalls Architekturstudentin am KIT.

Am Computer erstelltes Modell der roofKIT-Konzepts: Die auf dem Gebäudedach aufgesetzte, nachhaltige Konstruktion schafft neuen Raum in der Stadt.
Vision: Neuer Raum in der Stadt mit nachhaltigen Konstruktionsmaterialien.

Klimaneutralität durch nachhaltige Energiegewinnung

Teil des architektonischen Entwurfs ist außerdem das Energiekonzept. Um klimaneutral zu sein, basiert das System von RoofKIT auf unterschiedlichen Maßnahmen, wie der Nutzung von Sonnenenergie und Tageslicht, einer natürlichen Belüftung oder einer Verbesserung des städtischen Mikroklimas rund um das Gebäude durch begrünte Flächen. Außerdem sollen wiederaufbereitete Solarmodule in das Dach und die Fassaden integriert werden.

„Mit unseren Ansätzen des Urban Mining, dem sortenreinen Konstruieren, innovativer solarer Energiekonzepte sowie dem Ausbau ungenutzter Dachflächen, demonstrieren wir eine echte Kreislaufwirtschaft und somit eine langfristige nachhaltige Lösung im Bauwesen“, ist Nadine überzeugt.

Das ist „RoofKIT“
RoofKIT ist ein interdisziplinäres Team aus Studierenden des KIT sowie aus maßgebenden Architektinnen und Architekten sowie Ingenieurinnen und Ingenieuren. Die Teammitglieder arbeiten eng mit Professorinnen und Professoren verschiedener Fakultäten des KIT, sowie den unterstützenden Firmen zusammen. Ein Kernteam, bestehend aus 12 Studierenden, ist für die Projektleitung und Koordination verantwortlich.

Solar Decathlon-Wettbewerb
Der Solar Decathlon (SD) wurde 2002 vom Energieministerium der Vereinigten Staaten initiiert und ist ein Studierendenwettbewerb für ressourcenschonende und energieeffiziente Architektur und Ingenieurwesen im Bausektor. 2021 findet er erstmals in Deutschland, genauer gesagt in Wuppertal, und erstmals in einer urbanen Edition statt. 18 Hochschulteams aus elf Ländern setzen ihre Visionen von nachhaltiger, energieeffizienter und sozialverträglicher Architektur in die Praxis um. Ausgehend von real existierenden Stadtvierteln konzeptionieren, planen und bauen sie zukunftsfähige Häuser, die Klimaschutz und Energiewende greifbar und erlebbar machen.


Geschrieben von: Sandra Wiebe