Ein Beispiel für nachhaltiges Bauen: der Mehr.WERT.Pavillon bei der Bundesgartenshow 2019 in Heilbronn

  GESICHTER, RAUSGESCHAUT

„Das Bauwesen braucht eine radikale Wende“

Emissionen reduzieren, kreislaufgerecht bauen und nachhaltig mit den Baustoffen umgehen, das wünschen sich die beiden Architektur-Masterandinnen Alisa Schneider und Elena Boerman für die Zukunft des Bauens. Und weil von nichts nichts kommt, haben sie letzten Herbst eine Ortsgruppe des bundesweiten Vereins „Architects for Future“ (A4F) gegründet. 


Text: Regina Link
Fotos: Zooey Braun, Bernd Seeland

Inspiriert hat Alisa Schneider die Fridays-for-Future-Bewegung. „Für mich ist Nachhaltigkeit der Dreh- und Angelpunkt, bei dem ich in meinem Studium am meisten bewegen kann“, sagt sie. Über Recherchen erfuhr sie von A4F. Ihre Freundin Elena Boerman holte sie gleich mit ins Boot, was naheliegend war: „Ich arbeite seit einem Jahr am Fachgebiet für Nachhaltiges Bauen und beschäftige mich seitdem intensiv mit dem Thema“, verrät Boerman.

Es ist eine große Wende, für die die beiden Nachwuchsarchitektinnen sich einsetzen. „Man muss seine gesamte Denkweise ändern“, so Schneider. Statt nur die Baukosten zu betrachten, sollte der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes ins Kalkül gezogen werden, also auch die Betriebskosten während der gesamten Nutzungsdauer und der sortenreine Rückbau sowie die Wiederverwendbarkeit der Baustoffe. „Diese Bauwende muss Schritt für Schritt umgesetzt und sicherlich auch politisch gesteuert werden“, räumt Boerman ein. Auch die Tatsache, dass Abriss heute oft günstiger ist als Sanierung, würde sie gerne umkehren: „Abriss muss teurer werden, weil die verwendeten Ressourcen einfach so wertvoll sind.“

Die beiden Gründerinnen der Architects for Future-Ortsgruppe in Karlsruhe: Elena Boerman und Alisa Schneider (Foto: Bernd Seeland
Die beiden Gründerinnen der Architects for Future-Ortsgruppe in Karlsruhe: Elena Boerman und Alisa Schneider (Foto: Bernd Seeland)

Inzwischen zählt die Karlsruher Ortgruppe bereits über 80 Mitglieder. Zwei Zoom-Treffen gab es schon. Es haben sich bereits Projektgruppen gebildet, die sich parallel mit lokalen und überregionalen Themen befassen. „Wir treffen uns einmal im Monat und besprechen, wie weit die Gruppen in den einzelnen Projekten sind und wo wir unterstützen können“, so Boerman. Neben ihrer Aufgabe als Ortsgruppensprecherinnen arbeiten beide auch selbst in Projektgruppen mit. Dazu gehört beispielsweise das Engagement in der Baden-Württemberg-Gruppe. Als Vorbereitung zur Landtagswahl erarbeitete diese zusammen mit Fridays for Future und Scientists for Future einen Klimawahlcheck. Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres Thema, dem sich die Ortsgruppe widmet. Beim Thema Social Media spielt das Mitwirken in der deutschlandweiten Projektgruppe eine große Rolle, um den Verein, zum Beispiel über Instagram, bekannt zu machen.

Ein weiteres wichtiges Anliegen, um das sich gleichfalls eine Projektgruppe kümmert, besteht darin, das Thema Nachhaltiges Bauen in der Lehre zu verankern. „Seit es am KIT das Fachgebiet für Nachhaltiges Bauen gibt, ist das im Bachelorstudium Architektur integriert, aber bei uns gab es das so noch nicht“ sagt Boerman. „Dabei ist es doch superwichtig, Nachhaltigkeit oder kreislaufgerechtes Bauen von Anfang an in die Lehre zu integrieren“, ergänzt Schneider. „Bauen hat einen unfassbar großen Anteil am Ressourcenabbau und an den globalen Emissionen, da sehen wir auf jeden Fall dringenden Handlungsbedarf im Bauwesen“, betonen die beiden angehenden Architektinnen. Um hier weiterzukommen, brauche es neben der entsprechenden Ausbildung aber auch noch sehr viel Forschung. Und genau darin sehen sie ihr zukünftiges Arbeitsfeld.

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Geschrieben von: Gastautor