ARBEITSWELT, RAUSGESCHAUT

Coronatests: Studierende des KIT helfen in medizinischem Labor aus

„Warum nicht?“, dachte sich Christina Cramer von Clausbruch, als sie im März die E-Mail ihres Professors Jörg Kämper vom Institut für Angewandte Biowissenschaften las: Das medizinische Versorgungszentrum SYNLAB in Ettlingen suchte Aushilfen, die Abstriche von Patientinnen und Patienten auf COVID-19 testen. Eine Stunde später bewarb sich die Studentin des KIT – und gehört seither fest zum Team.

Fotos: Christina Cramer von Clausbruch
Text: Aileen Seebauer

Seit Beginn der Coronakrise werden Labortests genutzt, um Infektionen rasch nachzuweisen. Ende März schafften die Labore in Deutschland 350 000 Tests pro Woche. Inzwischen wurden die Kapazitäten so erweitert, dass 100 000 Tests pro Tag möglich sind. „Vielen Laboren fehlte es anfangs nicht nur an Materialien und Geräten, sondern auch an Arbeitskräften für die Durchführung und Auswertung der Tests“, sagt Jörg Kämper, Studiendekan im Bereich Biologie an der KIT-Fakultät für Chemie und Biowissenschaften. So auch beim SYNLAB-Labor in Ettlingen. „Das medizinische Labor ist normalerweise für Routineuntersuchungen zuständig und hatte bei Ausbruch der Coronapandemie keine Kapazitäten für die Auswertung von Coronatests“, so Kämper.

Als er Anfang März die Anfrage des Labors erhielt, kontaktierte er sofort seine Masterstudierenden – die derzeit ihr Studium nicht so fortführen können wie ursprünglich geplant. „Eigentlich besteht das Masterstudium aus viel Praxis und Praktika. Das kann momentan so nicht stattfinden“, sagt Kämper. „Man hing in der Luft: Klausuren wurden abgesagt, Labore durften nicht aufmachen“, ergänzt Christina. Eigentlich wäre sie jetzt im 4. Mastersemester und hätte ihre Masterarbeit angefangen. Wegen der Coronakrise hat sie ihr Studium aber erst mal unterbrochen „Das ist gerade die sinnvollste Option für mich. Durch den Job bei SYNLAB kann ich in dieser Zeit trotzdem im Labor arbeiten und helfe sogar Menschen“, sagt die Biologiestudentin.

Für einen Coronatest werden üblicherweise Abstriche aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum entnommen. Diese erhalten die Studierenden, bereiten sie im Labor auf und isolieren die RNA aus dem Probenmaterial. Diese wird dann auf das Coronavirus getestet. Die Befunde schicken sie zurück an die behandelnden Ärzte oder Kliniken. „Neue Abläufe, Prozess- und Arbeitssicherheitsvorgaben sowie Validierung und Problemlösung mit dem Team zu lernen – das ist spannend“, erläutert Christina.

Derzeit arbeiten rund 20 Studentinnen und Studenten des KIT bei SYNLAB in Ettlingen, die sich schichtweise abwechseln. Die Motivation der Studierenden sei von Anfang an hoch gewesen. Auch die Rückmeldung des Unternehmens sei ausschließlich positiv ausgefallen. „Sie leisten fantastische Arbeit und helfen der Gesellschaft. Außerdem zeigen sie, dass es problemlos möglich ist, mit dem Wissen des Masterstudiengangs Biologie von 0 auf 100 in die Praxis einzusteigen“, so Kämper.


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