CAMPUS, GESICHTER, RAUSGESCHAUT

CoderDojo Karlsruhe: Coden ist kein Kampfsport

Arbeitsmarktexperten sind sich sicher: Wer in Zukunft gute Chancen beim Berufseinstieg haben will, sollte Computer programmieren können. Und damit kann man nicht früh genug anfangen, findet CoderDojo Karlsruhe, kurz CoDoKa: Die Hochschulgruppe des KIT bringt Kindern und Jugendlichen kostenlos Programmier-Skills, also das Coden, bei.

Fotos: Markus Breig
Text: Denis Elbl

 

Aber Moment mal – CoderDojo? Programmieren als Kampfsport? Der Blick in die Wikipedia lehrt: Das Wort Dojo bezeichnet einerseits die Übungshalle in den japanischen Kampfkünsten, andererseits aber auch ein gleichnamiges JavaScript-Toolkit zum Entwickeln von Webanwendungen. Und damit nähern wir uns dem Thema: Die gemeinnützige Organisation CoderDojo vermittelt Kindern und Jugendlichen Grundkenntnisse im Programmieren. Kostenlos, weltweit. Und seit fast vier Jahren auch am KIT.

 

 

Ganz klar, die Einsicht, dass Programmieren eine Fähigkeit ist, die in Zukunft wohl immer größeren Einfluss auf den Erfolg in der Arbeitswelt haben wird, treibt alle CoderDojos an. Bei Mark Weinreuter und Ricarda Trumpf, den Initiatoren des CoderDojo am KIT, kamen aber auch persönliche Motive hinzu: Mark hatte CoderDojo auf einer IT- und Technikmesse in Irland kennengelernt. „Ich fand das einfach cool und begeisternd. Ich habe mir das Programmieren mithilfe von Büchern selbst beigebracht. Hätte es so ein Angebot schon damals gegeben, hätte mir das sehr geholfen“, erinnert sich der Informatikstudent. Mit seiner Begeisterung steckte er Kommilitonin Ricarda an, gemeinsam gründeten sie die Hochschulgruppe. Auch für Ricarda wäre ein Angebot, wie die beiden es geschaffen haben, hilfreich gewesen: „Erst im Physikstudium habe ich Programmieren gelernt. Hätte es vor meinem Studium so etwas wie CoderDojo gegeben, hätte ich vielleicht früher angefangen.“ Letztlich gab ihr das Engagement im CoderDojo sogar den Anstoß, das Studienfach zu wechseln: „Im CoderDojo habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht.“ Heute studiert sie Lehramt für die Fächer Naturwissenschaft und Technik sowie Physik.

 

Gemeinsam mit derzeit sechs Tutoren bringen sie Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren Programmiersprachen wie Scratch oder Python bei und lassen sie eigene Projekte entwickeln und umsetzen. Denn die Treffen folgen keinem sturen Lehrplan, der Unterricht ist weitgehend individualisiert: „Die Kinder bekommen von uns Impulse, sich selbst was auszudenken, und dann die Unterstützung bei der Umsetzung“, sagt Mark. „Wir haben beispielsweise ein einfaches Framework erstellt, mit dem sie kleine Spiele programmieren können.“ Andere wollen lieber eine Webseite bauen, eine App entwickeln oder die Software für ein Roboter-Auto programmieren – die Mentoren, überwiegend Informatik-, aber auch Physik- oder Elektrotechnikstudenten, sind auf unterschiedlichste Wünsche und Anwendungsfälle eingestellt.

 

Das Konzept kommt sehr gut an. „Im Moment sind unsere Kurse ausgebucht, wir haben sogar eine Warteliste“, erklärt Ricarda. Offenbar besetzt CoderDojo eine Nische. Alexandra Erhard-Brock, Mutter zweier Dojo-Schülerinnen, erzählt: „Ich habe nach einem Programmierkurs für meine Töchter gesucht, aber für Kinder dieses Alters gibt es einfach keine Angebote. Dabei ist es ein Muss, dass Kinder das heute lernen.“ Sie lobt die „großartige Atmosphäre“ und die Mentoren: „Das Engagement der jungen Leute ist gigantisch!“ Das färbt ab – die Begeisterung der Kinder, ihr Spaß am Lernen und Ausprobieren sind spürbar. Das Klischee vom Informatiker als lichtscheuem, introvertiertem Kellerkind erscheint völlig abwegig, so ungezwungen und souverän wie die Mentoren mit dem Programmierer-Nachwuchs umgehen. Nur in einem Punkt stimmt es: Der Veranstaltungsort im Informatikgebäude – er liegt im Untergeschoss.

 

 

Übrigens: Um Mentor oder Mentorin zu werden, muss man kein begnadeter Programmierer sein. Wichtiger ist es, geduldig erklären und gut mit Kindern umgehen zu können. Wer Interesse hat, meldet sich per Mail an coderdojo.karlsruhe@gmail.com.

 

Mehr zum CoderDojo: www.coderdojoka.github.io

Montag, 17. Dezember, 2018
  CAMPUS, GESICHTER, RAUSGESCHAUT


Gastautor

Geschrieben von: Gastautor