CAMPUS & MEHR

Aus für die Gerüchteküche

Gnocchi? Im [koeri]werk? Was nach einem Scherz klingt, war im Currywurst-Tempel am Adenauerring drei Wochen lang Realität. Aber was war der Grund? Tagelang brodelte es in der Gerüchteküche. Schluss damit: Hier kommt die Auflösung.

An den langen Bierbänken vor dem [koeri]werk ist die Stimmung fröhlich. Unter der Sonne schmieden Studierende Wochenendpläne, diskutieren über Vorlesungen– und essen massenweise Currywurst. Endlich wieder! Nach drei Wochen Abstinenz von Ende April bis Mitte Mai hat die deutsche Fast-Food-Königin nun ihren Platz an der Ausgabentheke zurückerobert.

„Currywurst ist safe!“

„Es war ein Drama, sie nicht zu haben“, sagt Cora mit ernster Miene. Die Informatikstudentin hat eine Ei- und Milchallergie, dazu noch weitere Unverträglichkeiten. Daher sei es oft ein Problem, etwas Passendes zum Essen zu finden. Klar, es gäbe Döner um die Ecke, die verschiedenen Mensa-Linien, Cafeterien in der Bibliothek oder im Chemie-Gebäude. Aber: „Currywurst ist safe.“ Sie beißt in ein Stück, die rote Soße tropft in die weiße Porzellanschale: „Lecker!“

Ihr Kommilitone Torben isst sich an der veganen Variante satt. Er wundert sich immer noch zwischen zwei Bissen, was der Grund für das Gnocchi-Intermezzo war. Hat da eine Zutat für die Wurst gefehlt? Manche sagen, das Speiseöl sei so teuer geworden. Oder war doch was mit der Soße? „Das könnte sein“, meint Torben. Schließlich habe er den Eindruck gehabt, dass sie verdünnt schmeckte, bevor die Currywurst komplett aus dem [koeri]werk verschwand.

Keine verdünnte Soße fürs [koeri]werk

„Verdünnt?“ Claus Konrad muss nach Luft schnappen, als er den Vorwurf hört. Seit 2008 ist er Abteilungsleiter für die Hochschulgastronomie beim Studierendenwerk Karlsruhe und hat das [koeri]werk 2016 mit aus der Taufe gehoben. „Nie im Leben! Dafür bürge ich mit meinem Namen!“

Mit der Soße hat die Unterbrechung der Currywurst-Ausgabe aber tatsächlich zu tun. Die Maschine, welche die Soße nach geschütztem Rezept herstellt, hatte ein technisches Problem. Bis zur Lieferung des Ersatzteils musste die mit der Reparatur beauftragte Firma zehn Tage warten. „Ob das mit dem Ukraine-Krieg zu tun hat, kann ich aber nicht sagen“, so Konrad.

Die Soße von einem anderen Gerät der Vertragsfirma mischen zu lassen, sei nicht möglich gewesen. Nur die defekte Maschine habe die benötigte Produktionskapazität von zehn Tonnen sowie die Technik, um dieses Volumen in Zehn-Kilo-Eimer zu füllen. Diese Menge braucht’s auch fürs [koeri]werk: „Jeden Tag werden rund 140 Liter der speziellen Soße verschlungen“, sagt Konrad.

Nach drei Wochen Abstinenz hat die deutsche Fast-Food-Königin nun ihren Platz an der Ausgabentheke im [koeri]werk zurückerobert.

Ein Herz für die Currywurst

Als sich im April die Ersatzteil-Krise abzeichnete, war für Claus Konrad klar: Die Soßen-Bestände werden aufgebraucht, und wenn das Problem bis dahin nicht gelöst ist, serviert das [koeri]werk Gnocchi statt Currywurst. Das habe er „schweren Herzens“ durchgezogen. Aber: „Wir haben einen Wiedererkennungswert, eine hohe Qualität und müssen unsere Marke pflegen.“

Seit dem 16. Mai läuft alles wieder wie üblich – oder gar noch besser: Die Unterbrechung hat vielen wieder klar gemacht, wie lecker die Currywurst am Adenauerring schmeckt. Jan und Jonas, beide im Maschinenbau-Studium, sind gleich nach Wiederöffnung gekommen: „Gnocchi kann man sich aus dem Supermarkt holen, eine Currywurst mit guter Soße nicht.“

Autorin: Isabelle Hartmann
Fotos: Studierendenwerk Karlsruhe

Freitag, 27. Mai, 2022
  CAMPUS & MEHR


Geschrieben von: Gastautor