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Angewandtes Maschinenbaustudium: Safran-Ernteroboter Oscar

Safran ist eines der teuersten Gewürze der Welt. Aufwendig müssen die Blüten des Safrankrokusses geschnitten und vorsichtig die drei zarten Blütenstempel von Hand ausgezupft werden. Das studentische Start-up Safran Matters hat das Ganze automatisiert. Mit ihrem Ernteroboter Oscar wollen die Nachwuchs-Gewürzfarmer das rote Gold zukünftig anders und besser ernten.

Text: Regina Link
Foto: Frieder Matter

Die erste Idee dazu hatte Maschinenbaustudent Frieder Matter, als ihm während eines Praktikums ein Kollege über ein Gericht erzählte, in dem er Safran verwendet hatte. „Warum das aufwendige Ernteverfahren nicht automatisieren?“, dachte sich Frieder. Gemeinsam mit seinem Kommilitonen Marius Steger und seinem Bruder Thomas, einem Agrartechniker, machte er sich ans Werk. Seine Familie betreibt im Neckar-Odenwald-Kreis eine Nebenerwerbslandwirtschaft, Fläche war daher vorhanden. Die nutzte das Trio, um 2020 die ersten 150 Knollen anzupflanzen. Mit Erfolg: Die ansonsten eher an südliche Gegenden gewöhnten Safrankrokusse blühten und vermehrten sich.

„Wenn es funktioniert, können wir das auch ein bisschen größer aufziehen“, hatte sich die Gruppe vorgenommen und entwarf ein technisches Konzept. Mit eigenen 3D-Druckern, aber auch mit maschineller Unterstützung am KIT und viel Hilfe durch Freunde und Familie, stellten sie ein Ernte-Modul her, einen Roboter, der dieses bewegt, und einen Vortrieb. Bewusst setzten sie auf ein Konzept in Modulbauweise, das sich später variabel verwenden lässt. Mit einer selbst umgebauten Kartoffellegemaschine setzten sie im Frühjahr 2021 auf einem 1 500 Quadratmeter großen Testfeld 20 000 Knollen. Zur Erntezeit im Herbst bauten sie alle technischen Komponenten zusammen und schickten Oscar zu seinem ersten Ernteeinsatz. Und Oscar lieferte: „Wir haben die einzelnen Module vorher nie zusammen getestet, deswegen sind wir ziemlich stolz, dass es sofort klappte“, erzählt Marius.

Nachdem die Technik stand, folgte die Wirtschaftlichkeitsprüfung. Den entsprechenden Input holten sich die Jung-Entrepreneure beim Gründungswettbewerb GROW21/22 der PionierGarage, bei dem sie ins Finale einzogen. Vier weitere Mitstreitende stießen gleichfalls zu ihnen. Businessplan, Marktanalyse, Interviews mit Safran-Bauern in Deutschland – sie machten ihre ökonomischen Hausaufgaben. Ergebnis: Markt vorhanden, Perspektive auch.

Weitere Schritte sind daher geplant. Oscar soll zukünftig autonom ernten. „Wir arbeiten außerdem an einer Lösung, die Safranfäden automatisch von den Blüten zu trennen“, so Frieder. „Unser Ziel ist es, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, um Safran in Deutschland wirtschaftlich rentabel anzupflanzen sowie die Regionalität zu fördern.“ Noch finanziert Safran Matters seine Arbeit und den Bau des Roboters mit dem Verkauf der Safranfäden und Eigenkapital. In ein bis zwei Jahren allerdings wollen sie Ernteroboter Oscar zum Verkauf anbieten. Und wenn vom Gewinn noch etwas übrigbleibt, wollen die Karlsruher Safran-Farmer NGOs unterstützen, damit auch an Orten, wo Safran teilweise von Kindern geerntet wird, bessere Bedingungen herrschen.

Donnerstag, 3. März, 2022
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Geschrieben von: Regina Link