CAMPUS, STUDIUM

Zeitmanagement und Organisationstalent: Wie Studieren mit Kind am KIT gelingt

Studieren und ein Kind großziehen sind jeweils für sich genommen bereits große Herausforderungen. Kommt beides zusammen, kann die Bewältigung dieser Aufgaben beinahe unmöglich wirken. Familie, Studium und gegebenenfalls Arbeit müssen irgendwie miteinander in Einklang gebracht werden und so stürmen zwangsläufig viele Fragen auf einen ein: Kann ich auch mit Kind weiter studieren? Wie lässt sich das finanzieren? Wo kann mein Kind betreut werden und was muss ich sonst noch alles beachten? Damit Studierende mit diesen Fragen nicht allein gelassen werden, gibt es neben hilfreichen Informationen auch zahlreiche Unterstützungs- und Betreuungsangebote am KIT.

Foto: privat, Julia Solar und Géza Winzig mit ihrem Sohn Theodor im Sommer 2017
Text: Timo Schreck


„Das Studium und allgemein das Streben nach Wahrheit und Schönheit ist ein Gebiet, auf dem wir das ganze Leben lang Kinder bleiben dürfen“, sagte einst Albert Einstein. Lässt sich das auch noch sagen, wenn man bereits während des Studiums ein eigenes Kind hat? Um die wichtigste Frage gleich zu beantworten: Ja, studieren mit Kind ist möglich, auch am KIT, das seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert ist. Wer schwanger ist, mit seiner Partnerin ein Kind erwartet oder schon eines hat, findet im Familienportal der Geschäftsstelle Chancengleichheit die wichtigsten Informationen gebündelt. Das Portal kann jedoch nur einen kompakten Überblick geben, die erste und zentrale Anlaufstelle ist das Zentrum für Information und Beratung (zib). Dort bekommen Studierende eine professionelle individuelle Beratung und alle Fragen können kompetent beantwortet werden. Dabei gelten die Beratungsgrundsätze der Neutralität, Ergebnisoffenheit und Vertraulichkeit.

Umfassendes Beratungsangebot am zib
„Grundsätzlich können erst einmal alle Studierenden am KIT, die ein Kind erwarten oder ein Kind haben, zu uns kommen“, klärt Dr. Julia Misiewicz auf, die am zib für die Fragen der (werdenden) Studi-Eltern parat steht. Dies gelte auch für Promovierende und internationale Studierende am KIT. „Wir können zu den verschiedensten Themen Unterstützung bieten. Sei es beim Mutterschutz oder der Frage, wie das Studium optimal fortgesetzt werden kann – dies betrifft dann etwa die Studienfinanzierung oder Urlaubssemester. Es geht darum, den Studierenden einen Gesamtüberblick zu verschaffen.“ Das zib nimmt in diesen Fragen eine beratende Funktion ein, sagt Misiewicz und ergänzt: „Wir können nur bei Problemen helfen, von denen wir wissen. Die Studentinnen und Studenten müssen sich eigenverantwortlich kümmern, rechtzeitig erkundigen und sich bei uns melden. Auch wenn es irgendwo hakt und Verbesserungsbedarf gibt, ist es ganz wichtig, dass wir eine Rückmeldung bekommen, denn nur so können wir Probleme beheben.“

Zeitmanagement als entscheidender Faktor
Dass das funktioniert, zeigt sich an den Erfahrungen der studierenden Eltern am KIT: „Unser Sohn ist jetzt zweidreiviertel Jahre alt und in dieser Zeit hat sich sehr viel getan“, berichtet Julia Solar, die im Master Geoökologie studiert. Ihr Freund Géza Winzig hat das Studium vor Kurzem erfolgreich absolviert. Das Paar betont, dass ihnen am KIT ein „glückliches Studium möglich war. Insbesondere die Dozentinnen und Dozenten sind sehr aufgeschlossen, flexibel und entgegenkommend.“ Das beide studierten als der gemeinsame Sohn zur Welt kam, habe sogar Vorteile gebracht, sagt Géza Winzig: „So konnten wir unser Kind flexibel betreuen. Wenn meine Freundin in der Vorlesung war, habe ich auf das Kind aufgepasst und umgekehrt.“ Dennoch sehen beide weiterhin Verbesserungspotenzial, so sei der Eltern-Kind-Lernraum in der Bibliothek zwar eine tolle Sache, aufgrund der Lage sei die Zugänglichkeit jedoch nicht besonders gut, „aber das Thema rückt mehr in den Fokus und das ist natürlich gut so!“ Was das Wichtigste in dieser Lebensphase sei? „Zeitmanagement“, antworten die beiden erfahrenen Studi-Eltern unisono.

Mutterschutz und verlängerte Fristen für Studierende mit Kind
In Fragen der formalen Studienorganisation hilft auch der Studierendenservice weiter – also wenn es um Bewerbung, Zulassung, Meldung der Schwangerschaft und Mutterschutz, Unterbrechung des Studiums oder Bescheinigungen geht. Verlängerte Prüfungsfristen und die Verlängerung der Studienhöchstdauer finden sich in den jeweiligen Prüfungsordnungen. Apropos Mutterschutz: Seit dem 1. Januar 2018 gilt das neue Mutterschutzgesetz, das erstmals auch Studentinnen mit einbezieht. Entscheidend dafür, dass die Organisation reibungslos abläuft, ist die rechtzeitige Meldung der Schwangerschaft an den Studierendenservice – dies gilt auch, wenn man stillt. Nur dann können geeignete Maßnahmen getroffen und sichergestellt werden, dass Studentinnen keine Nachteile erleiden. Erwerbstätige Studierende haben übrigens genauso wie alle anderen Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch auf Elternzeit, wobei die gesetzlichen Regelungen zu beachten sind. Elterngeld können alle beantragen – ob erwerbstätig oder nicht.

Studierende mit Kind erhalten also nicht nur organisatorische, sondern auch finanzielle Unterstützung, um den Spagat zwischen Studium und Kindererziehung meistern zu können. Neben dem bereits erwähnten Elterngeld haben Studierende natürlich auch Anspruch auf Kindergeld. Außerdem gibt es für BAföG-Empfänger die Möglichkeit, einen Kinderbetreuungszuschlag zu erhalten und die Bezugsdauer zu verlängern.

Betreuungsangebote des Studierendenwerks und Notbetreuung
Sind diese Fragen geklärt, das Kind gesund und munter auf der Welt und soll das Studium wieder aufgenommen werden, muss die Betreuung des Nachwuchses geklärt werden. Wo kann ich also mein Kind hinbringen, während ich studiere? Das Studierendenwerk Karlsruhe bietet Studierenden günstige Möglichkeiten im Kinderhaus „Blumenland“ (65 Plätze) in der Nähe des Campus Süd und der Kindertagesstätte „Sternschnuppe“ (20 Plätze) beim Campus West. Eltern können aber auch in der „Kinderkiste“, einer studentischen Selbsthilfegruppe am KIT, aktiv werden. Studierende betreuen dort gegenseitig ihre Kinder während der Lehrveranstaltungen und außerhalb der Öffnungszeiten der Betreuungsstätten. Promovierende haben außerdem die Möglichkeit die Betreuungseinrichtungen des KIT zu nutzen. Bei Betreuungsengpässen gibt es außerdem das Programm FlexiKids, das insgesamt fünf Notbetreuungsplätze für Kinder zwischen 6 Monaten und 12 Jahren in der Kita KinderUniversum des KIT bereitstellt. Daneben gibt es den Eltern-Kind-Lernraum in der Bibliothek des KIT, wo Studierende Arbeitsplätze, eine Spielecke sowie Wickel- und Stillmöglichkeiten vorfinden. Das KIT beteiligt sich außerdem an „Kind und Campus: So geht’s!“ in Kooperation mit dem Karlsruher Bündnis für Familie. Die Kampagne will sowohl für das Thema sensibilisieren, als auch studierende Eltern auf Unterstützungsangebote aufmerksam machen. Die Geschäftsstelle Chancengleichheit des KIT gibt zu diesem Anlass eigens designte Butterbrotdosen mit Infomaterial und Gutscheinen kostenlos an studierende Eltern heraus.

Ein Kind großzuziehen ist und bleibt zu jeder Zeit eine riesige Herausforderung, doch sie lässt sich am KIT gut bewältigen und möglicherweise ist Einsteins Ausspruch dabei sogar als Hilfestellung zu verstehen: Das Studium ist ein Gebiet, auf dem wir trotz aller Umstände selbst noch Kinder bleiben dürfen.

Vertreterinnen und Vertreter der Kampagne „Kind und Campus: So geht’s!“
Hinten v.l.n.r.: Achim Kolb (Stadt Karlsruhe), Katharina Domokos (KIT), Laura Oprea (Studierendenwerk Karlsruhe), Sarah Wenz (KIT); vorne v.l.n.r.: Kirsten Buttgereit (PH Karlsruhe), Katrin Haussmann (Hochschule Karlsruhe). (Foto: Laura Jülch, Stadt Karlsruhe)


Dienstag, 23. April, 2019
  CAMPUS, STUDIUM


Gastautor

Geschrieben von: Gastautor