GESICHTER, INTERNATIONAL, RAUSGESCHAUT

Von der Hauptschule nach Stanford

Er startete als Hauptschüler – heute ist er Masterstudent am KIT, doziert und hat mehrere Monate an der renommierten Stanford University in Kalifornien geforscht. Sein nächster Schritt: Eine Promotion in Machine Learning. Fábio Ferreiras Bildungsweg ist ebenso ungewöhnlich wie spannend. Von seinem akademischen Erfolg, was ihn all die Jahre antreibt und wie er die Zeit in Stanford erlebt hat, erzählt der Informatikstudent unserer Autorin Sophia Nietzschmann.

Fotos: privat
Text: Sophia Nietzschmann


Hauptschule, Werkrealschule, Ausbildung, Bachelor, Master und bald die Promotion. Was hat dich all die Jahre angetrieben, immer weiterzumachen?
Ich glaube nicht an den Effekt von Floskeln, sondern an meinen inneren Antrieb. Viel Fleiß hat sich für mich so gut wie immer ausbezahlt. Eine weitere Strategie, die ich gerne anwende, ist das „schnelle Akzeptieren“. Wenn etwas nicht so läuft wie geplant, versuche ich es so schnell wie möglich zu verarbeiten und weiterzumachen ohne nach hinten zu blicken.

Am KIT studierst nun Informatik auf Master. Warum das KIT?
Für das KIT entschied ich mich bewusst. In meinem Bachelorstudium war ich Bachelor-Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Für den Schwerpunkt Machine Learning / Künstliche Intelligenz hatte ich mich hier schon entschieden. Da durch das Thema die Forschung in den Mittelpunkt rückte, war ich an der Uni richtig aufgehoben. Darüber hinaus ist das KIT ein toller Platz fürs Netzwerken. Ich würde sagen, das und das Lernen bis in die späten Stunden sind für mich sehr KIT-typisch.

Für deine Masterthesis bist du nach Stanford gegangen. Wie kam es dazu?
Diese Möglichkeit ergab sich über meinen Betreuer Professor Tamim Asfour, der Associate Director bei „interACT“ ist, einem Netzwerk aus Forschungsuniversitäten, das es Studierenden unter anderem erlaubt, Abschlussarbeiten an einer Austauschuniversität zu verfassen.

Endlich standst du vor den Toren von Stanford. Hättest du gedacht, dass du hier mal landen würdest?
(Lacht) Nein, das hätte ich nicht für möglich gehalten! Das war ein cooles Gefühl! Natürlich war ich an meinem ersten Tag sehr aufgeregt. Besonders aufgefallen ist mir der unglaublich schöne Campus. Beeindruckend war es außerdem, das legendäre „Stanford AI Lab“, das man sonst nur aus Büchern und Vorlesungen kennt, in echt zu sehen. Man muss aber auch fairerweise dazu sagen, dass ich mir diese Frage bereits am KIT gestellt haben müsste, bevor ich nach Stanford gegangen bin. Auch hier hatten und haben wir Personen mit sehr vergleichbaren und außergewöhnlichen Leistungen.

Wenn du Stanford mit dem KIT vergleichst, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten stellst du fest?
Das „Level“ der Forschung sehe ich definitiv als Gemeinsamkeit – ich habe das Gefühl, was die Qualität von Forschung angeht, können wir am KIT mit Stanford gut mithalten.
Einen Unterschied sehe ich unter anderem beim Essen und der fantastischen Ausstattung auf dem Campus, beispielsweise der Fitnessstudios, Schwimmbäder oder Kletterhallen. Natürlich finanziert die Uni diesen Wohlstand auch durch die hohen Studiengebühren.

Was war der größte Kulturschock, den du in Kalifornien erlebt hast?
Die Preise. Und regelmäßig Studenten und Angestellte am Sonntagabend auf der Arbeit zu sehen.

Gibt es etwas, das du an Deutschland sehr vermisst?
Natürlich Freunde und Familie. Aber auch Materielles: deutsches Brot und Käse.

Was hast du als nächstes vor?
In meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit neuen Methoden, die es erlauben sollen, physikalische Modelle von Objekten auf Basis von Bildern und Videos zu erlernen. Da ich auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz bleiben möchte, wird mein nächster Schritt eine Promotion in Machine Learning sein. Aktuell bewerbe ich mich auf Doktorandenstellen.

Montag, 22. Juli, 2019
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