ARBEITSWELT, GESICHTER

Vom KIT ins Start-up: Fluffy Fairy Games

Keiner kann verlieren: Mit dem Handy-Spiel „Idle Miner Tycoon“ haben fünf ehemalige KIT-Studenten den Sprung in die Start-up-Szene geschafft. Mit der Wirtschaftssimulation machen sie inzwischen zehn Millionen Euro Umsatz.

Fotos: Manuel Balzer
Text: Georg Patzer

 

 

Die ersten Bewerbungsgespräche haben sie im Schlafzimmer geführt. Aber das war weder als eine neue Art von Assessment Center geplant, noch hatte es irgendeinen obskuren Hintergrund: „Wir haben noch in der Wohnung zusammengearbeitet, als wir insgesamt zwölf Mitarbeiter waren“, erzählt Janosch Sadowski, einer der beiden Geschäftsführer von Fluffy Fairy Games. „Da haben wir unsere Meetings im Badezimmer abgehalten und Bewerbungsgespräche in den Schlafzimmern geführt.“ Die Wohnung teilte er sich mit Daniel Stammler, dem zweiten Geschäftsführer: zwei Zimmer, ein Wohnzimmer und ein riesiges, richtig riesiges Bad.

 

Das Spiel: Als Minenbesitzer reich werden
In dieser Wohngemeinschaft fingen sie an, ein pfiffiges Computerspiel für das Smartphone zu kreieren und zu programmieren: „Idle Miner Tycoon“. Eine Wirtschaftssimulation, in der es um einen Minenbesitzer geht, der natürlich reicher werden will. Dafür muss er Schächte bauen, Geld investieren, neue Minen kaufen… Das Spiel ist sehr einfach aufgebaut – der Clou daran ist, dass man es auch mal zwischendurch fünf Minuten lang spielen kann, neue Schritte einleitet und dann wieder aussteigt: Das Spiel läuft auch in der Offline-Zeit weiter. Ein weiterer Clou ist, dass man nicht verlieren oder bankrottgehen kann. Es kann höchstens passieren, dass man nicht so schnell so reich wird wie Dagobert Duck. Kein Frustrationspotenzial also. Und diese Idee belohnen auch die Spieler: „Idle Miner Tycoon“ macht inzwischen zehn Millionen Euro Umsatz.

 

Nächster Schritt: Von Karlsruhe nach Berlin
Aus den Badezimmergesprächen ist das Start-up längst raus, danach ging es schnell aufwärts: Im Juli 2016 wurde das Spiel gelauncht, im Dezember der erste Mitarbeiter richtig fest angestellt, da waren sie 15 Leute. Ende 2017 hatte Fluffy Fairy Games fünfzig Angestellte und eine ganze Büroetage am Rand der Karlsruher Innenstadt. Aber das reichte nicht: Das erst so riesig wirkende Büro war gut gefüllt, die Programmierer und Werbeleute saßen eng nebeneinander. Das hat natürlich den Vorteil, dass die Hilfe, wenn man eine braucht, sofort da ist, die Wege sind tatsächlich sehr kurz. Dennoch: Anfang 2018 zog Fluffy Fairy Games nach Berlin, die Firmengründer wollen noch mehr Mitarbeiter einstellen. Einige der alten werden wohl mitkommen, andere studieren noch und bleiben erstmal hier. Warum Berlin? „Weil dort die Atmosphäre internationaler ist“, sagt Daniel. „Weil wir dort auch Leute einstellen können, die nie und nimmer nach Karlsruhe ziehen würden. Weil dort Firmen sind, mit denen wir zusammenarbeiten wollen – da brauchen wir einfach den direkten Kontakt.“

 

 

 

 

„Am KIT herrscht eine sehr inspirierende Atmosphäre“
Angefangen haben Janosch und Daniel jeder für sich: sie gründeten schon während des Studiums Firmen, merkten aber immer wieder, dass es noch nicht das Richtige war. Machten Fehler und lernten daraus. Bis sie auf die Idee mit dem Minenbesitzer kamen. Die Firma gründeten sie dann zu fünft: außer Daniel Stammler und Janosch Sadowski stiegen noch Sebastian Karasek, Tim Reiter und Oliver Löffler ein, alle zwischen 24 und 26 Jahre alt. Nicht nur Informatiker, unter ihnen ist auch ein Wirtschaftsingenieur und ein Informationswissenschaftler. Witzigerweise kommen vier der fünf aus dem kleinen Heidenheim (an der Brenz). Einige kannten sich schon vor dem Studium und waren überrascht, dass sie sich ausgerechnet am KIT wiedertrafen.

„Am KIT herrscht eine sehr inspirierende Atmosphäre“, sagt Janosch. „Hier wirst du gefördert, aber auch sehr gefordert, es laufen sehr viele smarte Leute herum.“ Finanzielle Hilfe bekamen sie keine – brauchten sie auch nie – dafür viel Unterstützung, z.B. vom Cyber Lab. Schnell merkten sie aber auch, dass Studieren und Arbeiten nicht gleichzeitig zu schaffen ist, weil das Studium anspruchsvoll ist, wenn man es ernst meint. „Du kannst nicht morgens drei Stunden in die Bib, dann sieben Stunden arbeiten, und dann abends noch mal vier Stunden in die Bib. Wir haben es vier Wochen durchgehalten und dann beschlossen, es zu lassen“, erzählt Janosch. Und so haben sie ihren Master nicht mehr abgeschlossen, sondern sich auf das Geschäft konzentriert – und es nicht bereut.

 

Nah am Spieler dran
Auch das Arbeitskonzept von Fluffy Fairy Games ist ein wenig anders: Die Angestellten sind meist Neulinge im Spieleprogrammieren. Gerade deswegen haben sie manchmal neue, frische Ideen. Die externen Berater des Start-ups dagegen haben längere Berufserfahrung und wissen, was geht. Oder ging. Denn manchmal sind sie auch zu festgefahren. Und so versuchen die fünf, beides unter einen Hut zu bringen.
Klar war von Anfang an, dass sie zu ihren Spielern kurze Wege haben wollen: „Wir lesen alle Mails“, sagt Daniel, „wir wollen wissen, was die Spieler wollen, was sie interessiert, was sie misslungen finden.“ Jede Woche gibt es ein Update für das Spiel und immer wieder neue Features zu entdecken, so hält Fluffy Fairy Games die Spieler bei Laune. Und wenn etwas nicht ankommt, ist es leicht wieder zurückzunehmen, ohne viel Zeit investiert oder verloren zu haben. Auch das scheint sehr beliebt zu sein: Im AppStore kommt das Spiel auf eine Bewertung von 4,5 von fünf Sternen. Und am nächsten Spiel arbeiten die Jungs schon.

Mehr Infos gibt’s hier.

Montag, 12. Februar, 2018
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