INTERNATIONAL, RAUSGESCHAUT

Studierende bauen Kindern in Haiti eine Zukunft

Grüne Berge, meterhohe Palmen und blaues Wasser, so weit das Auge reicht: Nicht umsonst schwärmte Christoph Kolumbus einst von Haiti als dem Paradies. Doch seither ist viel passiert. Heute belasten Armut und Wassermangel das Land, das kaum eine Infrastruktur hat. Jana Bauert und die Hochschulgruppe „Engineers Without Borders – Karlsruhe Institute of Technology e. V.“ (EWB) wollen das ändern.

Fotos: privat
Text: Sophia Nietzschmann

Jana Bauert, die am KIT Bauingenieurwesen studiert, gehört seit drei Jahren zum Team von EWB. Der gemeinnützige Verein packt bereits seit 2014 in Haiti an und baut einheimischen Kindern nicht nur neue Häuser, sondern auch eine neue Zukunft. Viel Schweiß, Schmutz und Schwierigkeiten müssen die Studierenden dabei hinnehmen – doch der Lohn für ihre Arbeit ist mit Geld nicht aufzuwiegen, wie sie unserer Redakteurin Sophia Nietzschmann erzählte.

„Wenn noch vor Sonnenaufgang der Wecker klingelt und man trotzdem gerne aufsteht, weiß man, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist“, erinnert sich Jana. 2018 reiste sie erstmals in das kleine haitianische Bergdorf Beaumont. Hier packen engagierte Studierende seit Jahren an: Ein Mädchenwohnhaus, zwei Latrinen, vier Schulhäuser, zwei Klassenräume und eine Aula ragen mittlerweile zwischen den Bäumen aus der Erde. „Die Kantine ist auch fast fertig“, erzählt die angehende Bauingenieurin stolz. Sogar eine Photovoltaikanlage konnten die Studierenden erfolgreich installieren. Ihr Ziel ist es, den 75 Waisenkindern und 420 Schülerinnen und Schülern ein besseres Leben zu ermöglichen: „Wir wollen, dass die Kinder dieselben Chancen haben, die für uns so selbstverständlich sind.“

Der Weg dorthin war nicht immer leicht. In Haiti angekommen, wurde Jana schnell klar, dass die Welt hier anders tickt: „Wenn die Straße vor lauter Müll nicht zu erkennen ist, wenn die Menschen kaum Wasser haben oder ein ganzes Dorf im Schatten der Nacht verschwindet, weil sich Strom hier keiner leisten kann, dann spielt es keine Rolle, ob du drei Mal das gleiche Shirt trägst oder dein Handyakku leer ist.“ Schwierigkeiten zeigten sich vor allem auf der Baustelle: „Materialien sind schwer zu bekommen. Es braucht einen ganzen Tagesausflug, um Nachschub zu holen.“ Betonmischer und Bagger sind eine Seltenheit: Das meiste wird durch reine Muskelkraft vollbracht. „Fundamente graben wir per Hand aus“, sagt Jana. Probleme löst das Team mit Fachwissen aus dem Studium und Kreativität.

Doch nach jeder Pflicht kommt die Kür. Wenn die Teammitglieder spätabends erschöpft die Geräte im Werkzeugraum verstauen, bekommen sie regelmäßig Besuch: Dutzende Waisenkinder lächeln sie mit großen, neugierigen Augen an. „Auf einmal vergisst man seine müden Muskeln, die Wunde am Bein oder die Schmerzen im Rücken. Man bekommt neue Energie, um weiterzumachen!“

Auch künftig will die KIT-Hochschulgruppe EWB in Haiti anpacken, bis alle Kinder versorgt sind. Jana wird weiterhin dabei sein, getreu ihrem Motto: „Wenn wir alle jemanden an die Hand nehmen, bleibt keiner zurück.“

Weitere Informationen zu Engineers Without Borders e.V. unter: www.ewb-karlsruhe.de/beaumont/haiti

Montag, 29. Juli, 2019
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Geschrieben von: Gastautor