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Stipendien: Nicht nur für Einser-Studis!

Stipendiaten hatten einen glatten Einserschnitt in der Schule, machen ein Top-Abitur und gehören im Studium zu den Besten ihres Jahrgangs? Vorurteile, die für viele eine große Hemmschwelle bilden. Doch es gibt durchaus Stipendien, bei denen mehr zählt als nur die Noten. Villigst-Stipendiatin Tabea Eisenlohr studiert Mathematik und Germanistik am KIT und ist von ihrem Träger begeistert: Hier ist soziales Engagement ein Fördergrund. Mit diesem persönlichen Bericht möchte sie andere Studierende dazu ermuntern, sich nach geeigneten Stipendien umzuschauen und sich einfach zu bewerben.

Text: Tabea Eisenlohr
Bild: Evangelisches Studierendenwerk

An alle Erstis und Studenten da draußen: Denkt ihr auch, dass Stipendien nur was für Überflieger sind? Bewerben lohnt sich eh nicht? Nun – so dachte ich auch mal. Hier ein Appell, es trotzdem zu probieren.

Es gibt in Deutschland insgesamt 13 große Begabtenförderungswerke. Eines davon ist das Evangelische Studienwerk Villigst, von allen Stipendiaten kurz Villigst genannt. Ein Kommilitone (selbst Stipendiat dort) erklärte mir im 1.Semester so überzeugend und enthusiastisch, es käme dort eben nicht nur auf gute Noten an, dass ich tatsächlich beschloss, mich zu bewerben. Nach ein paar Monaten, in denen eine Vor- und eine Hauptauswahl stattfand, bekam ich endlich Post. Ich war wirklich angenommen geworden und konnte es selbst nicht fassen.


Die gesamte Persönlichkeit wird betrachtet

Doch wieso wählt ein Begabtenförderungswerk eine Studentin aus, die gar nicht zu den allerbesten ihres Jahrgangs gehört? Das Auswahlkomitee von Villigst betrachtet die ganze Persönlichkeit eines Menschen, nicht nur seine Noten. Im Leitbild ist zum Beispiel festgehalten, dass die Stiftung von ihren Geförderten „Widerspruchstoleranz, die Fähigkeit zu menschlicher Zuwendung und das Eintreten für die Würde des Menschen“ erwartet. Dazu muss man nicht zwingend evangelisch sein. Ehrenamtliches Engagement wird für so wichtig und sinnvoll gehalten, dass es eine finanzielle Förderung rechtfertigt. Ein schöneres Kompliment, als ausgewählt zu werden, gibt für die eigene Lebensweise kaum.


Studienbegleitende persönliche Beratung
Mir ermöglicht mein Stipendium nicht nur, ohne finanzielle Sorgen zu studieren, sondern auch, mich weiterhin in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Zudem werden Sozial- und Praxissemester unterstützt und ideelle Förderung geboten – beispielsweise bei der jährlichen Sommeruniversität (freiwillig, aber unbedingt empfehlenswert!). Das wirklich Besondere an Villigst ist aber die Gemeinschaft unter den Stipendiaten und den Mitarbeitern des Evangelischen Studienwerks. Wer möchte, bekommt studienbegleitende persönliche Beratung: Bei Problemen wird geholfen statt Leistungsdruck erzeugt. Als ich beispielsweise in meinem jährlichen Bericht zugab, mir mit meinem Zweitfach Mathematik unsicher zu sein, hatte meine zuständige Studienleiterin Verständnis und zeigte mir Alternativen auf.


Einfach trauen und bewerben!
Mein Stipendium sehe ich als Geschenk und bin immer wieder dankbar dafür. Ich weiß auch, dass es zahlreiche andere Studenten gibt, die engagiert, fleißig und ebenfalls perfekt als Villigster(in) geeignet wären – die allerdings nicht wie ich jemanden hatten, der sie zu einer Bewerbung überredet hat.

Darum mein Appell: Traut euch und versucht es. Ihr habt nichts zu verlieren. Nächster Bewerbungsschluss ist der 1. März 2017 (frühe Bewerbungen werden bevorzugt berücksichtigt), wobei ihr euch noch bis zu eurem 4. Semester bewerben dürft. Viel Glück und vielleicht bis bald bei einem der Stipendiatentreffen!

Homepage des Ev. Studienwerks Villigst
Übersichtsseite zu verschiedenen Stipendien

Montag, 16. Januar, 2017
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Geschrieben von: Gastautor