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Start-Ups aus dem KIT: Der Melody Scanner

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Ob Ed Sheeran, Metallica oder Mozart: Mit dem Melody Scanner kann man sich die Noten zu jedem Song für sein Lieblingsinstrument generieren lassen. Seit mehr als einem Jahr tüfteln die beiden Studenten Sebastian Murgul und Christian Saaler bereits an ihrem Start-up. Unsere Autorin Lena Scheuermann durfte den Melody Scanner als eine der Ersten testen.

Fotos: Amadeus Bramsiepe

 

Bis aus einer tollen Idee ein eigenes Unternehmen wird, müssen Erfinder und Tüftler einige Hürden überwinden. Die Studenten Sebastian Murgul, momentan im 8. Semester Elektrotechnik, und sein Geschäftspartner Christian Saaler, momentan im 8. Semester Informatik, können davon ein Lied singen: Nach einem arbeitsintensiven Entwicklungsprozess sind die beiden mittlerweile mit ihrem Projekt Melody Scanner in der Start-up-Szene angekommen.

Den Anstoß für das Projekt lieferte Sebastians kleine Schwester, die auf ihrem E-Piano ein Lied einstudieren wollte, das sie nur als Audiodatei und nicht als Noten vorliegen hatte. Nach kurzer Tüftelei hatte Sebastian eine Lösung für das Problem parat: Anhand der Audiodatei lassen sich die Noten ermitteln, indem man die Frequenzen der Töne misst und daraus aufwendig die Notenwerte berechnet. „Das Ganze war zwar eine Heidenarbeit, hat aber schlussendlich funktioniert und meine Schwester war zufrieden. Als angehender Elektrotechniker hatte ich dann die Idee, das Ganze zu automatisieren“, so Sebastian.

Von der Idee zum Start-up
Der Grundstein für die Entwicklung des Melody Scanners war gelegt und wurde mit Hilfe von Christian auch in die Tat umgesetzt. Vor rund einem Jahr gelang den beiden dann der Sprung vom Hobbyprojekt hinein in die Gründerszene. Erste Ansprechpartner fanden Sebastian und Christian dabei in der Gründerschmiede des KIT und im CyberForum Karlsruhe, durch das sich Gründer mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen vernetzen können. „Dort haben wir eine Menge Ansprechpartner gefunden, die sich mit dem Thema Gründung auskennen und dementsprechend Hilfestellung geleistet haben“, erklärt Christian. Durch das Feedback und die Verbesserungsvorschläge entwickelte sich der Melody Scanner ständig weiter und kann nun von einigen Studenten getestet werden.
Auch beim Elevator Pitch, dem landesweiten Gründerwettbewerb des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, konnten sich die beiden Studenten mit ihrem Melody Scanner durchsetzen und den zweiten Platz auf dem Siegertreppchen ergattern.

 



Spiele deinen Lieblingssong auf deinem Instrument
Gedacht ist die Anwendung für „alle Musizierenden und solche, die es werden wollen“, so Christian. Die Funktionsweise der cloudbasierten Notenmappe ist denkbar einfach: Man spielt das gewünschte Lied entweder direkt vor, importiert das Musikvideo von YouTube oder lädt es als mp3 hoch; der clevere Algorithmus des Melody Scanners erledigt dann den Rest und spuckt nach einiger Zeit die fertigen Noten aus. Zuerst muss man allerdings noch das Instrument auswählen, für das man die Noten erhalten möchte. Momentan hat der Nutzer die Wahl zwischen Piano, Gitarre und Vocals, Flöte und Saxophon. „So erhält man Noten, die perfekt auf das eigene Instrument zugeschnitten sind“, erklärt Christian.

David Guetta auf der Blockflöte
Bei der Wahl des Instruments muss man sich allerdings nicht auf die im Song verwendeten Instrumente beschränken, wie die Beiden erklären: „Dein Instrument muss nicht zwangsläufig im Stück vorkommen, die Noten werden ganz speziell für dein Instrument neu arrangiert“, betont Sebastian. Theoretisch lässt sich so auch ein Song von David Guetta auf der Blockflöte nachspielen.
Für Nutzer, die keine Noten lesen können, haben die beiden Entwickler vorgesorgt: Neben der Anzeige als klassisches Notenblatt kann man sich die Musikstücke auch als Akkorde für die Gitarre oder als interaktives Lernerlebnis auf dem E-Piano, als Piano Roll, anzeigen lassen. Eine Besonderheit des Melody Scanners ist zudem der Zugriff auf einen vollwertigen Editor, mit dem die Noten und fertigen Stücke noch bearbeitet werden können.

User-Feedback erwünscht
Obwohl sich der Melody Scanner momentan noch in der Beta-Testphase befindet, ist die Resonanz der Testpersonen bisher ausschließlich positiv ausgefallen. Das objektive Feedback der Tester hilft den beiden Gründern bei der Weiterentwicklung ihrer Anwendung sehr: „Wir wollen gerne Feedback bekommen, um herauszufinden, wo es hingehen soll“, meint Christian. Und auch Sebastian ergänzt: „So finden wir heraus, was für unsere Nutzer interessant ist, oftmals hat man da ja eine eigene Vorstellung im Kopf, das Ganze muss aber natürlich auch für den Nutzer relevant sein. Es motiviert uns auf jeden Fall sehr zu wissen, dass die Leute damit auch etwas anzufangen wissen.“

 

 

 

 

 

Ein kurzes Video, das Euch zeigt, wie der Melody Scanner aussieht, seht Ihr auf unserem Instagram-Kanal.

 

 

Montag, 16. Oktober, 2017
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Lena Scheuermann

Geschrieben von: Lena Scheuermann
Lena Scheuermann studiert Germanistik und Medientheorie/-praxis am KIT und arbeitet als Autorin für ClicKIT.