ARBEITSWELT, GESICHTER

Start-up Nesto minimiert Wartezeiten im Restaurant

Eine selbstlernende Software hilft bei der Personalplanung in der Gastronomie und vermeidet Über- und Unterbesetzungen. Entwickelt wurde das System von KIT-Alumnus Felix Kaiser und zwei Mitgründern. Wie sie zu ihrem Start-up kamen, wo sie Unterstützung erhielten und welche Tipps sie für gründungsinteressierte Studierende haben, erzählt der Gründer unserer Autorin Sandra Wiebe.

Foto: Andrea Fabry
Text: Sandra Wiebe

 

„Jeder hat das mal erlebt: Man sitzt im Restaurant, es ist total viel los und das Servicepersonal und das Essen lassen auf sich warten“, beschreibt Felix Kaiser das Problem. „Wir haben eine Software entwickelt, mit der wir den Personalbedarf von Restaurants vorhersagen und planen können. Damit verhindern wir lange Wartezeiten für die Kundschaft und Überbesetzung des Personals, wenn nicht viel los ist. Darüber hinaus erhöhen wir die Planungssicherheit.“ Die Idee, zu gründen, wurde schon früh geboren: Bereits während seines Studiums der Informatik am KIT setzte sich Felix intensiv mit seinem Gründungsinteresse auseinander und war einige Jahre in der PionierGarage des KIT tätig.


Von der Idee zum Start-up
„Schon als Kind habe ich immer gespielt, ich wäre selbstständig. Davor wollte ich Müllmann werden – wegen der orangen Westen und weil sie die Straßen kehren dürfen. Im Endeffekt bin ich dann jetzt doch selbstständig“, sagt Felix lachend. Auf einem Seminar lernte er seinen heutigen Businesspartner, Theodor Ackbarow, kennen. Dieser hatte zu der Zeit bereits ein Unternehmen in der Systemgastronomie gegründet. „Wir diskutierten viel über Probleme in dieser Branche und wie man diese mit Hilfe von Software lösen könnte“, sagt Felix. Im September 2016 nahm er sich bei seinem damaligen Job eine längere Auszeit, um sich auf die Arbeit an einer Geschäftsidee zu konzentrieren. Diese entwickelte sich dann zu Nesto.


Den Schritt wagen
Mit zwei Arbeitskollegen bildete Felix dann sein erstes Team, um Nesto weiterzuentwickeln. Anfangs blieben alle in ihren Berufen und arbeiteten in ihrer Freizeit an dem Projekt. „Doch irgendwann merkten wir, dass die Zeit nicht ausreicht. Jetzt mussten wir uns entscheiden: Investieren wir unsere volle Energie in Nesto oder lassen wir es?“, erzählt Felix. An dieser Hürde zerbrach das Team. Zwei der drei Mitglieder wollten ihre sicheren Jobs nicht aufgeben. „Auch ich bin da eher der Angsthase, sodass ich diesen Schritt möglichst lange hinausgezögert habe. Statistisch gesehen scheitern leider die Mehrzahl der Startups.“ Felix suchte sich daraufhin neue Partner und wagte dann gemeinsam mit Artur Kraft und Martin Löper den Schritt in die Selbstständigkeit. „Man muss sich überlegen, was man wirklich will und dann einfach Vertrauen haben!“


Die richtige Unterstützung bei der Gründung
„Durch Theodor Ackbarow kannten wir schon jemanden, der Erfahrung mit dem Gründen hat“, sagt Felix. „Darüber hinaus ist das Unterstützungsangebot bei der Gründung in Karlsruhe extrem umfangreich.“ Die KIT-Gründerschmiede begleitet das Team bei der Finanzierung mit dem Exist-Gründerstipendium und das Center for Interdisciplinary Entrepreneurship (CIE) am KIT bietet ihnen Beratung sowie methodische Unterstützung. Außerdem steht ihnen Gerhard Satzger, Professor vom Karlsruhe Service Research Institute (KSRI), als erfahrener Mentor zur Seite. Im September 2017 hat das junge Start-up eigene Büroräume im CyberLab, dem IT-Accelerator des Landes Baden-Württemberg, bezogen und kann dort auf umfassende Unterstützungsleistungen zurückgreifen. „Ob Geschäftsmodell, Marketing oder Finanzierung – für jedes Thema gibt es einen passenden Ansprechpartner“, erklärt Felix. „Das hilft vor allem in der Gründungsphase enorm.“

 

(Foto: Markus Breig/KIT)


Neue Leute zu finden ist schwierig, Kunden zu gewinnen war vergleichsweise einfach
„Die größte Herausforderung ist tatsächlich, dass wir keine neuen Leute finden“, sagt Felix und schüttelt den Kopf. Die jungen Unternehmer befinden sich an einem Punkt, an dem sie sich vergrößern wollen und können. Deshalb suchen sie gerade speziell Entwickler. „Wir werden von einigen Studierenden unterstützt und hoffen, diese langfristig übernehmen zu können. Trotzdem brauchen wir aber auch schon kurzfristig Vollzeitkräfte. Um diese schnell zu bekommen, dafür haben wir noch keine Patentlösung gefunden“, sagt Felix lachend. „Im Vergleich dazu, haben wir die ersten Kunden relativ schnell gewonnen, da wir unsere Software von Anfang an mit ihnen zusammen entwickelt haben.“ Dabei müsse man sich zwar erst einmal überwinden und auf die Leute zugehen, aber es gäbe immer Kunden, die es cool finden, wenn junge Leute mit innovativen Ideen ein Start-up gründen. „Diese fördern und pushen uns sehr. Man bekommt einiges von ihnen zurück.“


Tipps und Tricks
„Machen! Es gibt nie den einen richtigen Zeitpunkt und es gibt immer Gründe, die dagegen sprechen werden. Hat man sich einer Geschäftsidee verschrieben, dann gilt es zu testen und zu liefern, um aus dem Feedback zu lernen – und dabei nie den Kunden, seine Probleme und Bedürfnisse aus dem Blick zu verlieren“, empfiehlt Felix. Wichtig – gerade im Anfangsstadium – sei auch, über seine Ideen zu reden, damit man Input von außen bekommt. Das sei viel wertvoller, als das Wissen geheim halten zu wollen.


Nochmal gründen?
„Auf jeden Fall!“

Montag, 6. August, 2018
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Sandra Wiebe

Geschrieben von: Sandra Wiebe
Sandra Wiebe studierte Germanistik am KIT und ist seit Juli 2017 als Volontärin in der Abteilung Strategische Entwicklung und Kommunikation – Gesamtkommunikation am KIT angestellt.