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SonaLight – Sicheres Licht für Indien

Im indischen Bundesstaat Assam sind Petroleum- beziehungsweise Kerosinlampen sehr verbreitet, da die elektrische Versorgung oft mangelhaft ist. Allerdings bringen sie Brandgefahren und Gesundheitsrisiken mit sich. Mehr Sicherheit in die Haushalte bringen will Enactus, ein internationales Studierenden-Netzwerk für nachhaltige unternehmerische Projekte in aller Welt.

Fotos: Enactus KIT
Text: Felix Andrae


Eine alternative Lichtquelle können LED-Lampen sein. Das Projekt SonaLight von Enactus KIT e.V. will zusammen mit lokalen Unternehmern „Licht-Kioske“ einrichten. Die Anwohnerinnen und Anwohner können dort LED-Lampen für zu Hause ausleihen – günstiger und deutlich ungefährlicher als Öllampen. Mit einem Solarpanel (beim Kiosk) lassen sich täglich rund 200 Lampen aufladen. Samuel Goldbuch und Saskia Haug haben als Studierende am KIT in der Projektgruppe mitgewirkt, die SonaLight ins Rollen brachte. Im Gespräch mit Felix Andrae erzählen sie von ihrer nachhaltig konzipierten Initiative:

Was ist das Gefährliche an den Petroleum- und Kerosinlampen?
Saskia: Vor allem die Brandgefahr. Es passiert regelmäßig, dass Häuser in Flammen stehen oder sich manche Leute mit den Lampen versehentlich die Haare abbrennen. Außerdem sind die Ruß- und Gasentwicklung hohe Gesundheitsrisiken.

Samuel: Der Bevölkerung ist ja bewusst, dass die Kerosinlampen gefährlich sind. In der Region Lumding sterben pro Jahr sechs Leute daran. Die Todesfälle sind aber nur der Extremfall, auch langfristige Gesundheitsrisiken und Sachschäden möchte man vermeiden. Für uns ist Licht so ein selbstverständliches Gut, dass wir finden, dass es keine Gefahren mit sich bringen darf. Mit LEDs ist das sehr einfach möglich, die sind risikoärmer und auch noch finanziell attraktiv. Damit hoffen wir, die Leute zu überzeugen.

Wie wollt ihr die LED-Lampen in die Haushalte bringen?
Samuel: Zuerst müssen die Anwohnerinnen und Anwohner über die Alternative informiert werden, dafür arbeiten wir in Lumding mit einer NGO zusammen. Wenn die Leute überzeugt sind und es ausprobieren wollen, können sie beim Licht-Kiosk vorbeikommen. Dort arbeitet ein lokaler Entrepreneur, den wir mit der NGO zusammen aussuchen und schulen. Bei ihm können die Nutzerinnen und Nutzer eine Lampe mieten und unterzeichnen einen entsprechenden Vertrag. Das kostet 80 Rupien (etwa ein Euro) pro Monat, dafür bekommt man eine Lampe und kann sie immer aufladen, wenn sie leer ist. Nach einem Jahr Laufzeit geht die Lampe dauerhaft in den Besitz der Kundinnen und Kunden über und danach zahlt man nur noch einen Anteil für den Strom.

„Könnt ihr euch vorstellen ohne elektrisches Licht zu leben?“, fragt das Projektvideo der Hochschulgruppe Enactus KIT.

Wobei werdet ihr von der NGO unterstützt?
Saskia: Die Idee von Enactus ist immer, dass die Projekte langfristig weiterlaufen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass wir einen Partner vor Ort haben, auf den wir uns auch verlassen können. Die NGO Oozaru wird das Projekt in Zukunft für uns weiterführen, sodass wir uns auf die Entwicklung neuer Projekte konzentrieren können. Im Moment sind sie dabei, die Lampen für uns vor Ort zu testen und die Bevölkerung zu fragen, welche Modelle ihnen gefallen und gut zu bedienen sind. Sie sind auch für die Akzeptanz vor Ort zuständig, denn für uns als Deutsche könnte die Vermittlung dort etwas schwierig sein. Aber wenn die NGO hinter dem Projekt steht, ist die Bevölkerung vielleicht offener dafür.

Samuel: Oozaru hat bereits eine lokale Informationsveranstaltung für das Projekt angeboten. Sie können viel besser den Kontakt zu den Kunden, aber auch zu den lokalen Entrepreneuren herstellen. Wir liefern eher den Input für die technische Lösung und die Businessplanung.

Wie seid ihr gerade auf die Region Lumding gekommen?
Saskia: Wir haben ein paar indische Mitglieder im Enactus-Team. Seit Sommer ist Samrat Bose dabei, der aus Lumding kommt und von Anfang an hochmotiviert war, Kontakte herzustellen. Er hatte auch schon Erfahrung mit Social Entrepreneurship, unter anderem durch seine Eltern, und hat uns gleich mit der NGO in Kontakt gebracht, die ebenfalls sehr motiviert ist.

Euer Team reist auch nach Indien – woran genau arbeitet ihr dort?
Saskia: Das Ziel wäre, dass wir dort in Lumding eine geeignete Person finden, der wir zutrauen, unser Unternehmen vor Ort zu führen. Die NGO hat schon ein paar Kandidaten gefunden, mit denen wir uns zusammensetzen werden, um einen auszuwählen. Den werden wir anschließend fortbilden, vor allem in finanziellen Aspekten und für die Pflege der Lampen und Solarzellen. Außerdem bieten wir noch eine öffentliche Info-Veranstaltung zu den LED-Lampen an – dafür haben schon etwa sechzig Leute in einer Umfrage ihr Interesse gezeigt.

Samuel: Die NGO hat schon angefangen, den Kiosk zu bauen, und wir bestellen nun die Solarpanele und Lampen. Es braucht einige Vorbereitung, um die Technik dorthin zu bekommen, weil Lumding nicht sehr nahe an großen Städten liegt und alles etwas länger dauert. Um das alles zu ermöglichen, haben wir ein Crowdfunding gestartet, denn wir wollen unser Projekt noch implementieren, also langfristige Strukturen dafür schaffen. Das Projekt soll sich langfristig durch die Einnahmen selbst tragen, mit dem Crowdfunding sammeln wir vor allem das Startkapital.


Mehr Infos zum Projekt gibt es auf dessen Homepage.

Montag, 25. März, 2019
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Geschrieben von: Gastautor