CAMPUS, GESICHTER

Sechs Fragen an Lennart Hilbert

Wer seine Daten auf einer Hardware speichern möchte, denkt vermutlich an CDs, Festplatten oder USB-Sticks. Lennart Hilbert kommt da etwas ganz Anderes in den Sinn: Desoxyribonukleinsäure, kurz DNS (oder, englisch, DNA). DNA Computing nennt sich dieser Vorgang, bei dem DNS als Datenträger zur Informationsspeicherung und -verarbeitung dient.

Foto: Amadeus Bramsiepe
Text: Sophia Nietzschmann


„Das funktioniert ähnlich wie Festplatten und Co., ein einzelner Zellkern kann so mehr als ein Gigabyte Informationen speichern“, weiß Hilbert. „Vieles ist aber auch anders – im Zellkern ist das gezielte Auslesen von Informationen zum Beispiel eng mit der dreidimensionalen Organisation der DNA verbunden.“  Wie genau, erforscht Hilbert am KIT mithilfe von Mathematik, Mikroskopen – und Zebrafischen.

Seit Oktober 2018 ist Lennart Hilbert Juniorprofessor für Systembiologie und Bioinformatik am KIT. Seinen akademischen Weg startete er mit einem Physikstudium an der Universität Bremen, wo er das erste Mal mit der Theorie dynamischer Systeme in Kontakt kam. An die Mathematische Biologie geriet Hilbert an der Oxford University und an der McGill University in Kanada. Hier spann er sein interdisziplinäres Wissensnetz weiter in Richtung Mikroskopie und war 2014 schließlich auf den Fisch gekommen: Nach seiner Promotion in Kanada erforschte Hilbert die DNS von Zebrafischembryonen am Zentrum für Systembiologie in Dresden. Am Institut für Toxikologie und Genetik und am Zoologischen Institut, beide am KIT, bleibt er dem Zebrafisch treu und untersucht, wie die dreidimensionale Organisation der Fisch-DNS den Informationsfluss in und aus verschiedenen Regionen des Erbguts steuern kann.

Was wollten Sie als Kind werden?
Tiefseeforscher. Hat glücklicherweise nicht geklappt – ich bin etwas klaustrophobisch.

Was vermissen Sie an Ihrer Studienzeit am meisten?
Ich konnte essen so viel ich wollte. Eine „korrektere“ und auch ehrliche Antwort ist, dass mir das enge Zusammenarbeiten und Leben mit meinen Bremer Kommilitonen fehlt. Wir sehen uns immer noch regelmäßig, aber unser „Physikarbeitslager“ (Übungszettel und reihum Kochdienst) fehlt mir manchmal sehr.

Mit wem würden Sie gern mal einen Tag lang den Job tauschen?
Da habe ich noch nie so drüber nachgedacht. Ich habe seit dem Zivildienst jeden Schritt in meiner Ausbildung und Arbeit als ein unglaubliches Geschenk erlebt. Sehr bewundere ich die Arbeit meines Bruders, er arbeitet mit geistig und körperlich behinderten Schülern. Und generell soziale Berufe.

Bitte vollenden Sie den Satz: Ich tanke Energie…
…indem ich nichts tue. Auf dem Sofa liegen und an die Decke schauen ist ganz gut. Ich traue mich kaum, das öffentlich zu sagen. Aber vielleicht findet sich jemand dadurch bestärkt, wenn ich hierzu ehrlich bin.

Auf welchem herkömmlichen Speichermedium sichern Sie Ihre Daten?
Laptopfestplatte, Unmengen persönlicher Papiernotizbücher, Server und Cloud, Magnetspeicherbänder, in dieser Reihenfolge.

Welche/n Wissenschaftler/in würden Sie gern mal treffen und was würden Sie sie oder ihn fragen?
Professor Peter Richter, er hat mir Physik und Rechnen beigebracht. Er ist leider zu früh gestorben. Sein ganzes Leben war voller Wissenschaft, er liebte Kreisel und Himmelsmechanik. Ich würde mit ihm über Systemtheorie reden und ihn anstiften, für mich Integrale zu lösen. Die „Großen“, die ich persönlich getroffen habe, waren entweder völlig abgehoben oder wissen immer noch, dass sie nicht wirklich viel wissen. Letzteres ist viel besser, sollte aber jede/n Wissenschaftler/in auszeichnen!

Montag, 15. Juli, 2019
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