GESICHTER

Sechs Fragen an… Laurent Schmalen

„Überall ist man in Verbindung mit allem und jedem.“ Was die 1910 erschienene Anthologie Die Welt in 100 Jahren erstaunlich genau vorhersah, wird im Zeitalter von Glasfasernetzen und Mobilfunk meist als Triumph des digitalen Umbruchs betrachtet. Weniger präsent sind die fundamentalen Beiträge der Nachrichtentechnik. Eben sie ist das Terrain von Laurent Schmalen.

Foto: Markus Breig
Text: Justus Hartlieb


Seine Arbeiten zur optischen Nachrichtenübertragung und zur Hochgeschwindigkeitsdatenübertragung zielen darauf ab, jene Beiträge nicht abreißen zu lassen. Studiert und promoviert hat der gebürtige Luxemburger in Aachen, an den renommierten Bell Labs hat er acht Jahre lang F+E betrieben. Nun ist der vielfach ausgezeichnete Forscher am KIT, als W3-Professor für Nachrichtensysteme und Leiter des CEL – Communications Engineering Lab (Institut  für Nachrichtentechnik).

An meinem Fach fasziniert mich…
Laurent Schmalen: …einfach alles. Insbesondere die Breite der möglichen Anwendungen und die Durchdringung unseres täglichen Lebens machen einen besonderen Reiz aus. Wir nutzen wissentlich oder unwissentlich täglich von der Nachrichtentechnik beeinflusste Prozesse oder Dinge. Am Fach selber fasziniert mich die Breite – von der Theorie bis zur handfesten Praxis, und insbesondere die große Interdisziplinarität. Ich hatte das große Glück, in verschiedensten Projekten mit Forschern aus unterschiedlichsten Fachgebieten, von den Materialwissenschaften bis zur Informatik, fruchtbar zusammenzuarbeiten.

Welche Erfindung hätten Sie gerne gemacht oder würden Sie gerne machen?
Schmalen: Mir persönlich würde die Erfindung einer neuen, sauberen Methode zur Energiegewinnung am meisten Freude bereiten. Wenn ich auf mein Fachgebiet blicke, hätte ich gerne die Informationstheorie ins Leben gerufen, die bislang sicherlich bedeutendste Erfindung in der Nachrichtentechnik.

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?
Schmalen: Die Studienzeit war schon toll. Ich vermisse es, in neue Themengebiete reinzuschnuppern, ohne zu sehr festgelegt zu sein, und jeden Tag was Neues zu lernen. Aber auch die größere Flexibilität und die Möglichkeit, auch mal morgens auszuschlafen.

Meinen Studierenden rate ich…
Schmalen: …sich auf die Grundlagen zu fokussieren. Obwohl am Anfang des Studiums die Grundlagenfächer abstrakt und vermeintlich nicht relevant sind, sind diese nachher im Arbeitsleben eine Konstante. In unserer schnelllebigen Welt ermöglicht ein fundiertes Grundlagenwissen, sich schnell in neue Themen einzuarbeiten und flexibel auf neue Bedingungen zu reagieren.

Wenn ich nicht Professor geworden wäre, würde ich jetzt…
Schmalen: …weiter in der freien Wirtschaft an Technologien für die zuverlässige Datenübertragung mit sehr hoher Geschwindigkeit arbeiten.

Energie tanke ich…
Schmalen: …beim Sport, insbesondere beim Rennradfahren und beim Joggen. Den Kopf freizumachen und dabei die Landschaft zu genießen gibt mir Kraft für neue Aufgaben.

Montag, 23. September, 2019
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Geschrieben von: Justus Hartlieb