CAMPUS, GESICHTER

Sechs Fragen an… Julian Thimme

Wenn Julian Thimme von seiner Arbeit erzählt, bekommen Börsen-Broker und Fondsmanager vermutlich große Ohren. Schließlich erforscht der in Finanzwirtschaft promovierte Mathematiker jene komplexen, teils rationalen, teils intuitiven Entscheidungsprozesse, die Investments zugrunde liegen. Thimme jedoch hat sich für den wissenschaftlichen Blick auf die Kapitalmärkte entschieden.

Foto: Amadeus Bramsiepe
Text: Justus Hartlieb


Nach Studium und Promotion an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Forschungsaufenthalten in Vancouver und Chapel Hill hat er sein Fach fünf Jahre lang an der Goethe-Universität Frankfurt vertreten. Im Fokus seiner Forschung standen dabei Preismodelle für Kapitalgüter. Seit August ist Julian Thimme Tenure Track-Professor am Institut für Finanzwirtschaft, Banken und Versicherungen des KIT.

An meinem Fach fasziniert mich …
Julian Thimme: … dass wir mit naturwissenschaftlichen Methoden Preise auf Kapitalmärkten analysieren und dabei so viel lernen können. Letztlich untersuchen wir dabei ja die Entscheidungen (und oft genug das Bauchgefühl) der Marktteilnehmer.

Welche Erfindung würden Sie gern noch machen?
Thimme: Einen Teleporter wie in Star Trek. Dann könnte ich meine Familie und Freunde öfter sehen. Und nebenbei ließen sich damit die meisten anderen Probleme auf unserer Erde wohl auch noch lösen.

Was vermissen Sie aus Ihrer Studienzeit am meisten?
Thimme: Meine Freunde. Die besten habe ich direkt in der ersten Woche des Studiums kennengelernt und danach fast jeden Tag gesehen. Wenn wir uns jetzt treffen, ist es immer direkt wie früher. Wir sehen uns leider viel zu selten.

Meinen Studierenden rate ich …
Thimme: … Fragen zu stellen und auf Professoren und Mitarbeiter zuzugehen. Ich selbst war immer ein stiller Student, weil ich Angst hatte, mich durch dumme Fragen zu disqualifizieren. Heute empfinde ich es eher anders herum. Wer eine Frage stellt, zeigt Interesse, auch wenn die Frage nicht hundertprozentig ausgereift ist.

Wenn ich nicht Professor geworden wäre, würde ich jetzt …
Thimme: … trotzdem an einer Universität arbeiten. Ich mag einfach die Atmosphäre an der Uni und umgebe mich gerne mit klugen und kreativen Menschen.

Energie tanke ich …
Thimme: … indem ich früh ins Bett gehe und ausreichend schlafe. Wer viel schläft, gilt in unserer Gesellschaft ja schnell als langweilig, träge und faul. In meinem Fall ist es genau umgekehrt. Ich bin ausgeschlafen viel kreativer, produktiver und unternehmenslustiger.

Montag, 18. November, 2019
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Geschrieben von: Justus Hartlieb