CAMPUS, GESICHTER

Sechs Fragen an Hansjörg Kutterer

Hansjörg Kutterer reiste schon mehrmals in die Antarktis und bemerkt es sofort, wenn ein Bild an der Wand schief hängt. Er kennt sich aus in Mathematik, Physik und Informatik, kann mit ausgeklügelten Technologien umgehen und weiß allerhand über die Plattentektonik. Was ihn zu all dem befähigt, liegt an seinem Beruf: Kutterer ist ein Weltvermesser – ein Geodät.

Foto: Amadeus Bramsiepe
Text: Sophia Nietzschmann

Seine akademische Reise startete Hansjörg Kutterer mit einem Studium der Geodäsie an einer Vorgängereinrichtung des KIT, der damaligen Universität Karlsruhe, wo er später promivierte und habilitierte. Damals war Kutterer immer mal wieder im „Außendienst“ tätig, denn früher schritten Geodäten oft noch selbst die Landschaft ab, die sie vermaßen. Dies führte ihn an verschiedenste Orte der Erde – bis in die Antarktis, deren Plattentektonik er vermessen durfte.

Heute erledigt Kutterer einen Großteil der Arbeit am Rechner, wo er riesige Datenmengen erforscht und analysiert. „Die Arbeit mit hochentwickelter Software ist äußerst reizvoll und eröffnet gerade in der Erdsystemwissenschaft ungeahnte Möglichkeiten.“ Nachdem er zuletzt sieben Jahre lang das Amt des Präsidenten des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) innehatte, zog es ihn schließlich wieder zurück an den Start seiner akademischen Reise: das Geodätische Institut (GIK) des KIT. Hier ist Kutterer Professor für Geodätische Erdsystemwissenschaft. „Im Grunde meines Herzens war und bin ich eben Wissenschaftler.“ Nun erforscht er unter anderem die Verschiebung der Kontinente. „Besonders faszinierend sind die Hochtechnologien, mit denen ich etwa den Anstieg des Meeresspiegels auf Millimeter genau zu bestimmen kann“, sagt Kutterer. „Damit leistet die Geodäsie einen gesellschaftlich wichtigen Beitrag zum Verständnis des Erdsystems.“ Seine Faszination für die Polargebiete ist aber geblieben: „Diese Erfahrung möchte ich in keinem Fall missen!“

Sieht man als Geodät die Welt mit anderen Augen?
Ich bin mir sicher, dass es so ist. Das fängt an beim Bild an der Wand, das man sofort als schief aufgehängt erkennt, und endet noch lange nicht mit dem Verständnis, weshalb es Schaltsekunden gibt.

Vollenden Sie den Satz: Ich tanke Energie…
… indem ich die Weite des Meeres auf mich wirken lasse.

Eine Fähigkeit, die ich gerne hätte, ist…
… malerisches Talent.

Wenn Sie alles erfinden könnten, was Sie wollten, was wäre das?
Das wäre eine Maschine, die es mir erlauben würde, jeden Ort und jeden Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte ohne Verlust an Eigenzeit zu bereisen, um wichtige historische Ereignisse miterleben zu können und dadurch einen authentischen Einblick in die Geschichte der Menschheit zu gewinnen.

Auf welche bislang ungeklärte wissenschaftliche Frage hätten Sie gerne eine Antwort?
Als langjähriger Pendler frage ich mich, ob das zunehmende Mobilitätsproblem auf Straße und Schiene irgendwann durch die gefahrenfreie Teleportation behoben werden kann.

Haben Sie schon einmal Geocaching betrieben?
Ja. Das macht großen Spaß – wenn man den Cache dann auch findet.

Montag, 2. September, 2019
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Geschrieben von: Gastautor